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Fachkräfte aus dem Ausland Bundesregierung will Paket gegen Pflegenotstand schnüren

Die Bundesregierung will binnen eines Jahres ein Maßnahmenpaket zur Beseitigung des Pflegenotstands auf den Weg bringen. Das kündigten Gesundheitsminister Spahn (CDU), Familienministerin Giffey (SPD) und Arbeitsminister Heil (SPD) an.

Von: Claudia Steiner

Stand: 01.07.2018

ARCHIV - 05.03.2018, Berlin: Eine Pflegekraft hält die Hand einer Bewohnerin einer Pflegeeinrichtung. In Brandenburg ist die Zahl der Anträge auf Leistungen aus der Pflegeversicherung seit Einführung der neuen Pflegegrade im Januar 2017 deutlich gestiegen. (zu «Brandenburger stellen mehr Anträge auf Pflegeleistungen» vom 30.06.2018) Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Britta Pedersen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will im Kampf gegen die Personalnot in der Pflege gezielt Fachkräfte in Südosteuropa anwerben. Besonders im Kosovo und in Albanien gebe es ein hohes Potenzial an jungen Fachkräften, sagte der Minister der "Bild am Sonntag". "Dort ist die Pflegeausbildung häufig besser, als wir denken." Es gebe aber erhebliche Probleme bei der Visavergabe: "Was mich verzweifeln lässt: Diese ausgebildeten Fachkräfte müssen oft zehn Monate auf ein Visum für Deutschland warten. Diese Abläufe müssen wir beschleunigen." Auch die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse dauere zu lange.

50.000 Pflegekräfte benötigt

Spahn wies darauf hin, dass bis zu 50.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt würden. "Da werden wir auch im Ausland suchen müssen." Es sei kaum mehr möglich, in Deutschland ein Krankenhaus oder eine Pflegeeinrichtung ohne ausländische Pflegekräfte zu betreiben. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will für ausländische Pflegekräfte eine halbjährige Aufenthaltserlaubnis zur Jobsuche einführen. "Ausländer, die als Pfleger arbeiten wollen, sollten für ein halbes Jahr nach Deutschland kommen dürfen. Bedingung: Sie erhalten keinen Cent aus den Sozialsystemen, und wenn sie nach den sechs Monaten keine feste Stelle als Pflegekraft haben, müssen sie wieder gehen", sagte Heil.

Ausbildungsoffensive geplant

Spahn hatte bereits vor wenigen Tagen angekündigt, er wolle in der kommenden Woche mit Familienministerin Franziska Giffey (SPD) und Arbeitsminister Heil eine "Konzertierte Aktion Pflege" starten. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, damit unter anderem eine "Ausbildungsoffensive" und bessere Bedingungen für Pflegekräfte auf den Weg bringen zu wollen. Heil kündigte an, dass er die Löhne von Pflegekräften bis Mitte nächsten Jahres deutlich erhöhen will. Seine Aufgabe sei es, dass "wir jetzt binnen eines Jahres einen Flächentarifvertrag in der Pflege hinbekommen".


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Zauberin, Sonntag, 01.Juli, 13:13 Uhr

4. Haben wir nicht auch hier Jugendarbeitslosigkeit,

die man mit entsprechenden Bildungsprogrammen lindern könnte?

Wenn ich hier so manche Jugendliche betrachte, habe ich nicht den Eindruck, daß eine ordentliche Schuldbildung, eine angemessene Berufsausbildung und eine anschließende längerfristige Berufstätigkeit zu deren Zukunftszielen gehören.

Die "einzufangen" und für (Aus-)Bildung zu begeistern (wenn es schon die Eltern offensichtlich nicht geschafft haben) wäre auch ein guter Ansatz.

Alexander K., Sonntag, 01.Juli, 13:11 Uhr

3.

"im Kosovo und in Albanien" - und der Anhang macht auf Wolkenschieber und mehr ...

"wenn sie nach den sechs Monaten keine feste Stelle als Pflegekraft haben, müssen sie wieder gehen" - Und wer geht sie?

Noch mehr Pflegemafia ...

forist, Sonntag, 01.Juli, 10:49 Uhr

2. Pflegenotstand - Kostenminimierung

In Pflegeeinrichtungen geläufig:
Zeitverträge die Regel,Vollzeitstellen eher selten.Bereitschaft zeigen auf Abruf einzuspringen.Stress Alltag,Entlohnung nicht gerade üppig.
Und,bei nicht Vollbelegung trennt man sich gerne von den zuletzt eingestellten Mitarbeitern.

Gewinne werden privatisiert,"Verluste" sozialisiert!

Seppl, Sonntag, 01.Juli, 10:28 Uhr

1. Neokolonialismus

Früher wollten die Europäer Gewürze haben, Elfenbein und Gold, Sklaven und Seide. Darum sind sie in alle Welt gefahren, haben sich ganze Erdteile unter den Nagel gerissen und sich genommen, was sie haben wollten. Es war die Zeit des Kolonialismus.

Heute bekommt man Gold und Geschmeide gegen Smartphones und Autos, gegen Waffen und allerhand unnützen Kram. Notfalls kauft man den einheimischen Potentaten. Kolonien braucht man dafür nicht mehr. Heute braucht man menschliche Recourcen. Der Arbeiter in Europa hat zu wenig Kinder: zu teuer, schlecht für die Karriere, keine Wertschätzung. Also holt man sich, was man braucht aus Ländern, in denen es gibt, was man begehrt: Pflegekräfte, Ärzte, Krankenschwestern. Wir zahlen einfach mehr, dann kommen sie schon.

Ob es in Rumänien, in Albanien, auf den Philippinen oder egal wo auf der Welt ganze Landkreise gibt, in denen deshalb die medizinische Versorgung zusammenbricht: uns doch egal. Wir haben die Knete!

  • Antwort von Uboginum, Sonntag, 01.Juli, 11:32 Uhr

    @Seppl: Sie bringen es auf den Punkt - leider ist das ein Teil des europäischen "Geschäftsmodells", also durchaus gewollt.

    Aber mit der Flüchtlingsproblematik fällt uns das ganze schön langsam selbst auf die Füße, auch, wenn es manche noch nicht wahrhaben wollen...

  • Antwort von Zauberin, Sonntag, 01.Juli, 13:07 Uhr

    @Uboginum: was der Pflegenotstand mit Flüchtlingen zu tun hat, erschließt sich mir nicht.

    Erklärung dazu wäre schon gut, ansonsten wäre das für mich nur wieder mal Hetze *gähn*. Einfach nur "rausgehauen", ohne Fakten dahinter zu reflektieren.

    Flüchtlinge zu Pflegekräften auszubilden würde mE bedeuten, daß sie zu Migranten wurden; vorher hätten sie ja nur subsidiären Schutz und befristete Aufenthaltserlaubnis.