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Diesel-Skandal Alles sauber bei BMW?

VW, Audi, Porsche, Daimler: Die Liste der Automobilkonzerne, gegen die im Rahmen des Diesel-Skandal ermittelt wird, wächst stetig. Nicht dabei: BMW. Die Münchner Autobauer pochen darauf, im Rahmen der Gesetze zu arbeiten. Aber nicht im "grünen Bereich" - sagen Kritiker.

Von: Michael Kubitza und Gabriel Wirth

Stand: 14.07.2017

Der Chef der deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, geht davon aus, dass nahezu alle Hersteller von Diesel-Fahrzeugen bei der Abgasreinigung getrickst haben.

"Wir haben keinen VW Skandal mehr. Das betrifft die gesamte Diesel-Industrie.
(...)
Wir werden auch BMW noch sehen, weil auch hier offensichtlich temperaturgesteuerte Abschaltvorrichtungen vorliegen."

Jürgen Resch im Bayerischen Rundfunk

Jürgen Resch

Der Münchner Autobauer dagegen betont, nicht zu manipulieren und sich an die gesetzlichen Vorgaben zu halten. Das hätten entsprechende nationale und internationale behördliche Untersuchungen bestätigt, so ein Firmensprecher zu BR24.

"Es gibt bei der BMW Group keinerlei Aktivitäten und technische Vorkehrungen, den Prüfmodus zur Erhebung von Emissionen zu beeinflussen."

BMW Firmensprecher

Im Gegensatz zu VW, Audi und Daimler wird gegen die Münchner nicht ermittelt. Es gab deshalb auch keine Durchsuchungen - obwohl BMW mehr Diesel-Pkw verkauft als die Konkurrenten. Ob der Konzern unbeschadet aus dem Diesel-Debakel herauskommt, ist dennoch fraglich.

Das Vertrauen der Autokunden in die einst als umweltfreundlich angepriesenen Selbstzündungsmotoren ist erschüttert. Erst gestern hat die Umweltschutzorganisation BUND das Kraftfahrtbundesamt (KBA) vor dem Verwaltungsgericht Schleswig verklagt, um ein Verkaufsverbot für Diesel-Autos zu erwirken, die gegen die Euro-6-Grenzwerte verstoßen.

Legal schöngerechnete Werte

Der BUND bezieht sich auf eine 2016 veröffentlichte KBA-Untersuchung, bei der 26 Autos bemängelt wurden - neben den "üblichen Verdächtigen" auch ein BMW-Modell.

Eine blütenweiße Weste haben die Münchner wohl nicht - eher eine hellgraue. Denn auch bei bestimmten BMW-Dieselfahrzeugen unterscheiden sich die real getesteten Abgaswerte von den Werksangaben, zum Teil recht drastisch. BMW nutzt auch sogenannte Thermofenster: Bei bestimmten Außentemperaturen wird die Abgasreinigung reduziert. Das sei kein Schlupfloch, sondern diene dem Motorschutz, so der BMW-Sprecher. Seinen Worten nach wird das Verhalten der Abgasrückführung bei tiefen Temperaturen der Behörde offengelegt.

Einlenken in München, Ingolstadt, Stuttgart - und der Brüsseler Anteil daran

Bei der Nachrüstung von Diesel-Autos mit der Schadstoffklasse Euro-5 per Softwareupdate zeigt sich BMW - ebenso wie Audi und MAN - kompromissbereit; ein Kurs, den neuerdings auch Daimler-Chef Dieter Zetsche einschlägt.

"Ich sehe, dass die Industrie langsam die kollektive Verantwortung für den Abgasskandal übernimmt. Besser spät als nie."

EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska

Elzbieta Bienkowska

Einen Anteil am Kurswechsel hat auch die EU. Schon seit Jahren drängt die EU-Kommission Deutschland zur Senkung seiner hohen Stickstoff-Emissionen (NOx). Ende Mai haben sich die Mitgliedstaaten auf verschärfte Regeln zur Kontrolle von Autoherstellern verständigt. Demnach könnten Autobauer bei Verstößen mit Strafen von 30.000 Euro pro Fahrzeug belegt werden. Deutschland stimmte Ende Mai nur unter Vorbehalten zu und hofft auf Änderungen im Laufe der Verhandlungen mit dem EU-Parlament. Unter anderem soll statt der Kommission ein Expertengremium entscheiden.

Dobrindt bläst zum nationalen Dieselkrisengipfel

Über den Umrüstplan der Industrie wird am 2. August beim ersten Treffen des "Nationalen Forums Diesel" in Berlin verhandelt. Die Bundesregierung lädt ein. Kommen sollen Vertreter des Wirtschaftsministeriums, der Bundesländer, der Städte sowie der Autohersteller und Zulieferer.


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Bobbin, Montag, 24.Juli, 09:49 Uhr

13. Lesen bildet

Ich empfehle als Literatur nicht den Spiegel, sondern den Untersuchungsbericht des KBA. Dort sind alle Prüfverfahren und Fahrzeuge aufgeführt. Von BMW wurde ein 320d, ein 530d und ein 216d getestet. Alle drei überschritten bei 10% Leistungserhöhung die Grenzwerte um 100%. Die Fahrzeuge wurden zwischen 11/2014 (320d mit EU5) und 10/2015 (216d mit EU6) erstzugelassen.

Diese Überschreitung wird aber nicht kritisch gewertet, da die Prüfstandswerte nicht über eine Abschalteinrichtung zustande kommt.

Audi macht es übrigens mit dem A3 2.0 TDI EA288 mit EZ 07/2015 vor, dieser überschrietet bei keinem der Tests (sowohl Straße als auch zukünftiger RDE) den Grenzwert.

Andreas, Sonntag, 23.Juli, 16:01 Uhr

12. @Robert (11)

Eben NICHT "absolut keine Anhaltspunkte für Manipulationen", wie schon die Verfasser zeigen. Und lesen Sie mal den neuen Spiegel (22.Juli), da sieht es auch nach Gesetzesverstößen aus. Arbeiten Sie bei BMW oder merken Sie es einfach nicht?

Robert, Sonntag, 16.Juli, 10:34 Uhr

11. Unglaublich inhaltslos

Liebe BR Redaktion,

was soll das? Dieser Beitrag ist doch unglaublich inhaltslos.

Ja bitte macht Skandale öffentlich und dort wo Verbraucher betrogen wurden (VW Group definitiv, Daimler evtl.) macht es öffentlich. Recherchiert auch bitte bei Verdachtsmomenten.

ABER wenn es absolut keine Anhaltspunkte für Manipulationen und Gesetzesverstöße gibt: Freut Euch, dass es auch ehrliche Unternehmen gibt und stellt das ggf. auch mal positiv heraus und haut nicht frustriert drauf weil ihr nichts gefunden habt.

Und vielleicht wäre mal eine saubere Darstellung und Trennung

- Was ist das Problem an NOx, SOx, CO2, Feinstaub ?
- Wer sind die Verursacher dafür?
- Was ist der Trend über die letzten 10 Jahre?

Und dann erst diskutieren, was ist eine mögliche Lösung. Und untersucht ob diese Lösung nicht nur gerade Mainstream (E-Auto) ist oder doch vielleicht ganz andere Probleme verursacht ...

Aber solange die BUND Aktivisten mehr Gehör bekommen als seriöse Quellen regt Ihr nur auf

Critico, Samstag, 15.Juli, 15:02 Uhr

10. Was soll das?

Der Bayerische Rundfunk verleumdet also die Bayerischen Motoren Werke. Null Substanz im Artikel, nur üble Nachrede, Unterstellungen. Ihr solltet euch schämen! Könnte ich meinen Rundfunkbeitrag an euch stoppen, ich würde es sofort tun. Ihr verdient es nicht besser.

Norbert Helfen, Zum Kammerforst 18, 66679 Losheim , Samstag, 15.Juli, 10:49 Uhr

9. Alles sauber bei BMW ?

Nur Prüfungen im realen Straßenverkehr durch unabhängige Institute unter Beteiligung von Umweltverbänden werden die Autoindustrie endlich
davon abhalten, weiter zu tricksen und zu betrügen. Harte und hohe Strafen zwingen zur Einsicht, dass unsere Natur nicht weiter geschunden
werden darf

  • Antwort von Sarah, Dienstag, 18.Juli, 10:46 Uhr

    Dann hören Sie doch erstmal selbst auf, Auto zu fahren.

  • Antwort von klaro, Sonntag, 23.Juli, 09:17 Uhr

    Nur Prüfungen im realen Straßenverkehr? Als Verbraucher fordere ich unbedingt Prüfungen unter Laborbedingungen. Nur so sind die unterschiedlichen Fabrikate gegeneinander vergleichbar. Ich sehe das ja an meinem Auto. Je nachdem wer fährt, wann gefahren wird, wo gefahren wird, wie der Verkehr läuft etc. schwankt der Verbrauch (und damit die Abgaswerte) um bis zu 200%.
    Was wir brauche ist mehr Differenziertheit in der Betrachtung. Das Ressortieren von Vorurteilen ist noch lange kein Nachdenken!