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Ehe auf Distanz Bi-nationale Ehepaare kämpfen um Visa

Reisen, einkaufen, arbeiten – wir tun es global. Wenn es allerdings um die Liebe über Staatsgrenzen hinweg geht, erwartet Ehepaare ein Hürdenlauf. Die deutschen Behörden schauen sehr genau hin und machen es binationalen Paaren schwer, zusammenzukommen. Umso mehr, wenn ein Partner aus einem armen Land stammt.

Von: Veronika Wagner

Stand: 04.02.2018

Wer aus einem Nicht-EU-Staat kommt und auch dort lebt, hat es oft schwer, seinen Ehepartner in Deutschland zu besuchen. Auch für den Ehegattennachzug, also für ein gemeinsames Leben in Deutschland, sind die Hürden hoch. Das stellt bi-nationale Ehen oft auf eine harte Probe.

Keine Hoffnung auf Besuchervisum

Klaus Sachs hat vor drei Jahren seine Frau Mariel aus der Dominikanischen Republik geheiratet. Die Ehe ist von den deutschen Behörden anerkannt. Dennoch können sie sich nur sehen, wenn er auf die Karibikinsel fliegt. Denn sie darf ihn nicht in Deutschland besuchen.

"Keiner versteht, warum ich als deutscher Bürger nicht das Recht habe, meine eigene Ehefrau wenigstens mal für drei, vier Wochen bei mir zu haben."

Klaus Sachs

Trotz vollständiger Unterlagen wird ihr Antrag auf ein Besuchervisum abgelehnt - die Behörden zweifeln an Mariels Rückkehrbereitschaft. Für Klaus Sachs nicht nachvollziehbar, denn seine Frau hat zwei Kinder im Alter von sechs und elf Jahren, die während der Abwesenheit der Mutter bei der Oma in der Dominikanischen Republik geblieben wären. Klaus Sachs wird nun in die Karibik auswandern, um endlich mit seiner Frau zusammen sein zu können.

Hohe Ablehnungsquoten

Rund ein Viertel aller Visa-Anträge aus der Dominikanischen Republik wurden 2016 abgelehnt. Noch schwerer haben es beispielsweise Menschen aus Afrika. Die Statistik zeigt: Hohe Ablehnungsquoten treffen vor allem ärmere Länder mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen. Für Guinea lag sie 2016 bei 51 Prozent, für Ghana bei 35 Prozent, für Pakistan bei 24 Prozent und für Nepal bei 19 Prozent. Zum Vergleich: 2016 sind weltweit durchschnittlich nur sechs Prozent aller Anträge auf ein Schengen-Visum für Deutschland abgelehnt worden.

Belastungsprobe Ehegattennachzug

Aber auch bi-nationale Ehepaare, die sich ein gemeinsames Leben in Deutschland aufbauen wollen, müssen dafür oft hart kämpfen. Das haben Clarissa Leopold und ihr pakistanischer Ehemann Ali Gibran erlebt. Allein sieben Monate müssen sie auf einen Termin bei der Deutschen Botschaft in Islamabad warten, um den Ehegattennachzug zu beantragen. Sie fühlen sich schlecht informiert und allein gelassen. Dazu kommt das Misstrauen, das ihnen von den Behörden entgegen gebracht wird.

"Man hat das Gefühl, man steht unter Generalverdacht, eben keine wirklich Ehe zu führen, sondern eine Scheinehe und sich hier in Deutschland einen Aufenthalt erschleichen zu wollen."

Clarissa Leopold

Schutz von Ehe und Familie nachrangig

Der Verband binationaler Familien und Partnerschaften hat es regelmäßig mit Fällen zu tun, bei denen ein Ehepartner kein Besuchervisum bekommt oder sich der Ehegattennachzug hinzieht. Beim Verband vermutet man: Die Behörden wollen vermeiden, dass die Paare den aufwändigen und oft langen Prozess eines Ehegattennachzugs umgehen und mit einem Besuchervisum nach Deutschland einreisen, um dann dauerhaft hier zu bleiben.

Die Behörden wollen also illegale Einwanderung vermeiden. Leidtragende sind binationale Paare, die nicht zusammenkommen. Dabei sind  Ehe und Familie durchs Grundgesetz besonders geschützt. Dieser Schutz werde aber bei der aktuellen Visa-Praxis zu oft missachtet, kritisiert die Bundesgeschäftsführerin des Verbands, Hiltrud Stöcker-Zafari.

"Jedes Paar, jede Familie hat das Recht auf das eigene Familienleben und auf die Selbstbestimmung des eigenen Zusammenlebens und das darf den sicherheits- und ordnungspolitischen Gesichtspunkten nicht in dem Maße untergeordnet werden."

Hiltrud Stöcker-Zafari

Keine Daten zu Missbrauch von Besuchervisa

Wie viele Menschen sich tatsächlich mit Hilfe eines Besuchervisums in Deutschland absetzen und nicht mehr in ihr Heimatland zurückkehren, ist nicht klar. Beim Auswärtigen Amt gibt es dazu keine Daten. Bei der Bundespolizei hat man 2016 insgesamt 8.362 Personen festgestellt, deren Visum beziehungsweise Aufenthaltstitel abgelaufen war. In rund 94 Prozent der Fälle ist das bei der Ausreise festgestellt worden, das heißt die Personen waren bereits dabei, die Bundesrepublik zu verlassen.


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Elisabeth, Mittwoch, 31.Januar 2018, 17:33 Uhr

1. mit zweierlei Maß gemessen!

Das ist ein absoluter Skandal, daß ausländische Partner von deutschen Staatsangehörigen nicht einmal ein Besuchervisum erhalten, wie der hier erwähnte Klaus Sachs mit seiner Frau Mariel aus der Dominikanischen Republik etc..
Diese Leute kommen eben nicht aus einem arabisch-muslimschen oder nordafrikanischen Staat, wo jetzt wie in Pinneberg bereits zweimal erfolgt, die syrische Zweitfrau hier einreisen darf, weil ihr syrischer Mann mit seiner Erstfrau und auch den Kindern der Zweitfrau hier schon seit einiger Zeit wohnt. Auch macht bei denen nichts aus, wenn sie ihre Ausweise vorher wegwerfen, es wird ja alles geglaubt (wie z.B. in Freiburg im Brsg., wo der angeblich 17-jährige Afghane, der die Studentin umbrachte, inzwischen laut swr - Nachrichten bereits 33 Jahre alt sein soll).