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"Bildungsmonitor 2016" Bayern hinkt bei Kinderbetreuung hinterher

Die Landesregierung hat ihr Ziel verfehlt: Der Freistaat hat bei der Kinderbetreuung noch immer erhebliche Defizite. Der jetzt veröffentlichte Bildungsmonitor macht deutlich, wie wenig sich in den vergangenen Monaten getan hat.

Von: Sebastian Kraft und Claudia Schweikl

Stand: 18.08.2016

Symbolbild Kinderbetreuung: Kinder spielen und basteln in einer Kindertagesstätte | Bild: picture-alliance/dpa

Nur Platz 3 - hinter Sachsen und Thüringen. Dass Bayern nicht dem von Ministerpräsident Horst Seehofer oft betonten Anspruch gerecht wird, überall Spitze zu sein, hat einen Grund: Der Freistaat hinkt in der Kinderbetreuung weit hinterher. Der Bildungsmonitor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln zeigt: Nur 34 Prozent (Datengrundlage 2015) der Drei- bis Sechsjährigen haben einen Ganztagesplatz, das sind zehn Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

Infografik zum Anklicken: Bildungsmonitor 2016

Bei den Schülern ist die Quote noch schlechter: Gerade mal 10 Prozent der Grundschüler haben einen Ganztagesplatz. In der Sekundarstufe 1 bis zur neunten und zehnten Klasse sind es nur 16 Prozent. Das ist wie schon im letzten Jahr der niedrigste Wert aller Bundesländer. Es sind die Fehler der Vergangenheit, die Bayern einholen, so Axel Plünnecke vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln.

"Erstmal überhaupt die Infrastruktur aufbauen - das geht nicht von heute auf morgen, das wird einige Jahre dauern. Aber zumindest bewegt sich etwas in Bayern - aber von außen gesagt: Da wäre noch etwas mehr Dynamik möglich."

Axel Plünnecke, IW

Sonderbericht zur Integration von Flüchtlingen

Ein Lob gibt es dagegen in der Flüchtlingspolitik: Bayern verfüge im Vergleich zu anderen Bundesländern über eine besonders gut ausgebaute Förderinfrasturktur für die Integration von Flüchtlingen. Das Forschungsinstitut hebt die gemeinsame Initiative von Staatsregierung, Wirtschaftsverbänden und der Bundesagentur für Arbeit hervor, bis Ende 2019 insgesamt 60.000 Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Noch in diesem Jahr sollen 20.000 Flüchtlinge einen Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsplatz bekommen.

Positives Echo vom Bayerischen Philologenverband

Das gute Abschneiden des Freistaats bei der Bildungsintegration von Flüchtlingen wurde vom Bayerischen Philologenverband ausdrücklich begrüßt. Deren Vorsitzender Max Schmidt sagte:

"Hier zeigt sich, dass die Staatsregierung den richtigen Weg eingeschlagen hat, damit Integration gelingen kann! In den kommenden Jahren wird es wichtig werden, weitere Maßnahmen zu ergreifen, die über die Integration der Zugewanderten in den Arbeitsmarkt im Bereich der Ausbildungsberufe hinausgehen. (...konkret) der Weg über das Gymnasium hin zu akademischer Bildung."

Max Schmidt, bpv-Vorsitzender

Spaenle sieht Bayern gut aufgestellt

Der bayerische Bildungsminister Ludwig Spaenle sieht sich durch den Bildungsmonitor im Kurs bestätigt.

"Die bayerischen Schulen rangieren im bundesweiten Vergleich der Bundesländer unter den besten Drei. In den Feldern, die sich mit beruflicher Bildung, Bildungschancen für alle und effizienter Verwendung von Steuermitteln befassen, führt Bayern den Vergleich sogar als bestes Bundesland an."

Ludwig Spaenle, Bildungsminister

Zu dem von den Forschern bemängelten Defiziten bei der Ganztags-Kinderbetreuung bekräftigt Spaenle den kontinuierlichen flächendeckenden Ausbau:

"Für Grundschulkinder stehen in Bayern nicht nur Ganztagsschulen, sondern auch Kindertageseinrichtungen (Horte, Tagesheime) und Mittagsbetreuungen zur Verfügung. Rechnet man die dort betreuten Kinder dazu, liegt die Betreuungsquote in der Grundschule nicht bei 9,9 Prozent, sondern bei über 50 Prozent."

Ludwig Spaenle, Bildungsminister

Kritik von der Opposition im Landtag

Für den Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion, Markus Rinderspacher, hingegen beweist der Bildungsmonitor 2016 einmal mehr, dass es in Bayern bei der öffentlichen Kinderbetreuung und den Ganztagsschulen noch viel zu tun gibt:

"Die Staatsregierung verschläft hier wichtige gesellschaftliche Entwicklungen."

Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionsvorsitzender

Mit Blick auf das Betreuungsgeld sagte Rinderspacher, solange es eklatante Lücken im frühkindlichen Bildungssystem gebe, sei jeder Euro für das Betreuungsgeld in Bayern fehlinvestiert. Bis 2021 sei dies mehr als eine Milliarde Euro. Kritik kommt auch von den Freien Wählern. Deren bildungspolitischer Sprecher, Michael Piazolo, meinte, die Staatsregierung habe immer noch nicht verstanden, dass die Betreuung und Bildung der Kleinsten für unsere Gesellschaft von großer Bedeutung ist.


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Wolfgang Schönfelder, Sonntag, 21.August, 08:38 Uhr

25. Bayern ist nicht Schlußlicht bei Staatskinderbetreuung.

Hallo,
bayrische Eltern sind wohl öfter der lobenswerten Meinung daß ihre Kinder ein Elternhaus zum Leben brauchen, nicht ein Hotel garni. Dafür zahlen dann auch Eltern gerne den Preis, weniger Vermögen durch Doppelverdienen in Vollzeit zusammnraffen. Kritik "es sind immer die Mütter", das stimmt, aber freiwillig. So schön ist nämlich die Erfüllung eines Berufslebens an der Supermarktkasse auch nicht. Und wenn eine Mutter mit 35 im erlernten Beruf Krankenpflege wieder voll einsteigt ist das auch möglich, von Personalchefs nämlich gern gesehen. Und so groß sind die finaziellen Einschränkugnen auch nicht, Kindergartengebühren, Zweitauto, Taxi-Mama, durchgetaktes tägliches leben, ist das schön.

Marktwirtschaftlich: Hohe Wohnungsmieten gibt es weil viele Eltern durch subventionierte Dopelberufstätigeit soviel zahlen können, drastisch, ein Ganztageskindergarten ist eine finanzielle Förderung für Vermieter oder Bauträger....

Kinderpsychologe, Donnerstag, 18.August, 19:00 Uhr

24. Ganztagsbetreuung nicht immer gut - Eltern sind nicht ersetzbar

Die Forscher übersehen wichtige Forschungsergebnisse: Eine gute Eltern-Kind-Beziehung hat den größten Einfluss auf eine positive Entwicklung beim Kind. Kein Kindergarten, keine Schule oder Nachmittagsbetreuung konnte dies vollständig ausgleichen oder ersetzen. In unserer Praxis in NRW sehe ich sehr viel ganztagsbetreute Kinder. Manche vertragen dies - für viele ist es nicht so gut, weil sie nur noch zum Schlafen nach Hause kommen. Dadurch besteht das Risiko, dass sich Eltern und Kinder nach und nach voneinander entfremden. Wenn dann die Krisen in der Jugend kommen, vertrauen manche Kinder den Eltern nicht mehr ausreichend. Ich warne davor, den Umgang mit unseren Kindern ausschließlich am Wunsch der Wirtschaft nach Vollbeschäftigung auszurichten. Bei einem höheren Steuerfreibetrag pro Kind könnten Eltern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen.

  • Antwort von Gabriele W., Donnerstag, 18.August, 21:16 Uhr

    Danke, genauso sehe ich das auch.

    ZITAT
    Ich warne davor, den Umgang mit unseren Kindern ausschließlich am Wunsch der Wirtschaft nach Vollbeschäftigung auszurichten. Bei einem höheren Steuerfreibetrag pro Kind könnten Eltern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen.
    +++
    Vor allem müssen Kinder auch spielen. Wo sieht man noch spielende Kinder draußen? Die Fantasie der Kinder bleibt auf der Strecke. Es wird nur noch getrimmt und viele Eltern stellen ihre Kinder auf einen Sockel, die kleinsten Dinge werden hochgelobt, statt Kindern auch Spielraum zu lassen, das sie selber entscheiden können, was sie gerne möchten. Ganztagskitas, G-Schulen und nur fremde Leute- gibt irgendwann psychotische Kinder und Jugendliche, die keinen Halt haben- an der Familie. Aber- es geht diesem Staat NUR noch um die Wirtschaft-alles andere wird zwangsweise ausgehebelt. Traurig !

Gabriele W., Donnerstag, 18.August, 18:51 Uhr

23. Kinder

Weder ich noch meine Kinder haben den ganzen Quatsch gebraucht mit Kita und staatlichem "Bildungszwang" damit alle schön Karriere machen und Steuern bringen. Darum geht es doch dem Staat. Und das Merkel eine neue, moderne DDR am basteln ist, sieht auch jeder der blind ist. Was soll der Quatsch denn?
Familien sollen selber entscheiden was sie wollen und den Schnick-Schnack überall braucht auch keiner. Meine Kinder haben einen guten Beruf, die haben daheim auch helfen müssen -und jeder hatte seine Aufgabe. So war das bei mir zu Hause auch und bei den Großeltern.Ausbildung und Beruf sind wichtig, aber es muss nicht jeder Abitur haben oder studieren. Wir haben schon genug Akademiker mit linken Händen, die nur Theorie kennen und noch nie eine Schaufel in der Hand hatten oder sonst was. Ja Grauenhaft, dieser Zwang. "und Bertelsmann" ist auch nur Politik und Gehirnwäsche. Die alten Werte waren es, die Familien schafften und keine Horte und Ganzstagsschulen.Schulessen, genauso ein Blödsinn.

Bergbauer, Donnerstag, 18.August, 16:34 Uhr

22. Kinderbetreuung

Kinderbetreuung ? Bei uns müssen die Kinder mitarbeiten. Kühe melken, Ziegen hüten, Hühner füttern u.s.w. da ist nichts mit Kinderbetreuung - Romantik. Da wird gearbeitet, von nichts kommt nichts, jeder Cent zählt. Diese verwöhnte Pokemon Gesellschaft ist doch zu nichts zu gebrauchen.

Strangar Josef, Donnerstag, 18.August, 16:29 Uhr

21. Bayern hinkt bei Kinderbetreuung hinterher

Mit Genugtuung und vielleicht sogar mit ein bisschen Stolz stelle ich fest, dass Kleinkinder in Bayern nicht einfach abgegeben werden, um si? erziehen zu lassen.
Es gibt sicher Kinder, fuer die Erziehung durch gelernte Kraefte von Vorteil ist. Denke aber, das diese nicht das Gros darstellen.