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Wehrpflicht, Dienstpflicht Bereitschaft ja, Zwang nein - Reaktionen auf Pflichtjahr-Vorschlag

Sieben Jahre nach der Aussetzung der Wehrpflicht in Deutschland sorgt die Idee einer einjährigen allgemeinen Dienstpflicht für Diskussionen. Der Vorschlag kommt von CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer, einigen Bundestagsabgeordneten und der Jungen Union. Sozial- und Wohlfahrtsverbände sind von der Idee allerdings wenig begeistert.

Von: Erich Wartusch

Stand: 06.08.2018

Archivbild: Bundesfreiwilligendienst/Debatte um Dienstpflicht: Junger Mann führt eine alte Frau | Bild: picture-alliance/dpa

Vor allem an dem Wort "Pflicht" stören sich Viele: Sozialverbände genauso wie Hilfsorganisationen. Ulrich Schneider, Präsident des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, findet, junge Menschen könnten nicht fehlendes hauptamtliches Personal, zum Beispiel im Pflegebereich, ersetzen. Es gehe vielmehr darum, Freiwilligen einen Anreiz für später zu geben:

"Viele sagen sich: da könnte ich mir vorstellen, mein Leben lang zu arbeiten, sei es im Bereich Pflege, Erziehung, soziale Arbeit. Deshalb ist für uns der Bundesfreiwilligendienst so enorm wichtig. Und wir würden es begrüßen, wenn dafür noch mehr junge Menschen gewonnen werden könnten, allerdings geht das nicht mit Zwang."

Ulrich Schneider, Präsident des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes

Rotes Kreuz: Bundesfreiwilligendienst stärken

Auch das Bayerische Rote Kreuz schwört auf Einrichtungen wie das Freiwillige Soziale Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst, so wie er im Jahr 2011 eingeführt wurde, und fordert dazu auf, diesen zu stärken.

"Wir hatten in der Vergangenheit oft das Problem, dass wir hier viele Freiwillige aufgrund einer Kontingentsperre durch den Bund den Dienst nicht anstellen konnten. Das ist schade, wenn wir jemanden wegen solcher Verwaltungshürden ablehnen müssen."

Sebastian Lange, stellvertretender Geschäftsführer BRK in Regensburg

Bereitschaft ja, Zwang nein

Die Bereitschaft junger Menschen, etwas für die Gesellschaft zu tun, ist durchaus da, stellen viele Verbände fest. Ein Pflichtjahr lehnen aber die allermeisten jungen Erwachsenen ab. Eine Umfrage in München zeigte: Es gibt einige, die von ihren positiven Erfahrungen zum Beispiel beim Bundesfreiwilligendienst berichteten. Aber kaum einer, der um die 20 ist, kann sich vorstellen, dass seine Altersgenossen sich mit einem verordneten Dienstjahr anfreunden können. 

Zumal es vielerorts auch schwierig wäre, dienstverpflichtete junge Menschen überhaupt organisatorisch sinnvoll einzubauen. Bei den Berufsfeuerwehren beispielsweise wäre es praktisch unmöglich, sagt ein Feuerwehrsprecher. Die Ausbildung würde länger dauern als das Pflichtjahr. Bei der Industrie- und Handelskammer für die Oberpfalz und Kelheim sieht man ein ganz anderes Problem: Mit der Einführung einer Dienstpflicht würde ein ganzer Jahrgang plötzlich wegbrechen. Das wäre schlecht für Unternehmen, die sowieso schon Schwierigkeiten hätten, geeignetes Personal zu finden. Ulrich Schneider vom Paritätisches Wohlfahrtsverband gibt außerdem zu bedenken:

"Man stelle sich vor, für 700.000 Menschen muss eine Mammutbehörde aufgebaut und Milliarden in die Hand genommen werden. Das zeigt, diese Idee ist nicht zu Ende gedacht."

Ulrich Schneider, Präsident des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes

Diakoniewerk: "Menschen zu ihrem Glück zwingen"

Doch es gibt auch im sozialen Bereich Befürworter eines Dienstjahres. Es gehe darum, Lebenserfahrung zu machen, sagt Eva-Maria Matzke vom Diakoniewerk München:

"Ich bin aber nicht dafür, Menschen für den Pflegedienst zu verpflichten, das ist kontraproduktiv. Schließlich ist nicht jeder dafür geeignet. Aber es gibt viele Dienstleistungsbereiche wie Küche, Verwaltung, Technik, wo Menschen auch lernen können, in sozialem Engagement Verantwortung zu übernehmen. Manchmal muss man die Menschen auch zu ihrem Glück zwingen." Eva-Maria Matzke vom Diakoniewerk München


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