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Der Turmbau zu Belgrad Serbien plant ein „Manhattan des Balkans“

Die serbische Regierung will am Belgrader Hafen ein neues Viertel mit luxuriösen Wolkenkratzern bauen. Scheichs liefern das Geld, Kritiker sprechen von Größenwahn und einem Ausverkauf des alten Hafenviertels.

Von: Ralf Borchard

Stand: 09.07.2016

Hier soll Belgrads „Manhattan an der Save“ entstehen: die Baustelle für den ersten Teil des umstrittenen Großprojekts „Belgrade Waterfront“. | Bild: Dejan Stefanovic

Ein Bauprojekt wird zum Politikum: Mit Geld von Scheichs aus den Vereinigten Arabischen Emiraten will die serbische Regierung ein Mega-Projekt verwirklichen: „Belgrade Waterfront“.

Im alten Belgrader Hafenviertel sollen Wolkenkratzer, Luxuswohnungen und das größte Einkaufszentrum des Balkans entstehen. Der höchste Turm, der „Belgrade Tower“, soll ein Markenzeichen für Belgrad wie der Eiffelturm für Paris oder das Empire State Building für New York werden.

Widerstand in der Bevölkerung

Demonstrantion gegen die Räumung und das Neubauprojekt.

Die Gegner sagen: purer Größenwahn, Ausverkauf an arabische Investoren, Traditionen werden platt gemacht, alte Bewohner – auch Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer - vertrieben. Die Befürworter sagen: das Projekt steht für Belgrads Zukunft und für Serbien auf dem Weg in die EU, es wird ein spektakuläres Stadtviertel, das Touristen anlockt, tausende Arbeitsplätze werden geschaffen. Das Gesamtprojekt existiert bisher nur im Modell, doch die Bauarbeiten am Save-Ufer haben begonnen. Gegner demonstrieren immer wieder lautstark gegen Zwangsräumungen. „Belgrade Waterfront“ spaltet die serbische Hauptstadt und das ganze Land.

Trügerische Ruhe?

Dieser Straßenzug war in der Wahlnacht geräumt und abgerissen worden.

Anfang Juli hat sich die politische Debatte rund um Belgrade Waterfront hat sich etwas beruhigt, eskaliert zumindest nicht weiter. Die letzte Großdemonstration gegen das Projekt gab es am 25. Juni. Regierungschef Aleksandar Vucic hatte nach Unterstellungen der regierungsnahen Boulevardpresse, EU und USA würden die Proteste „schüren“, eine Art Versöhnungstreffen mit den Botschaftern Davenport (EU) und Scott (USA) in Belgrad. Offiziell hat Vucic seine jüngsten geplanten Reisen nach Brüssel und in die USA nicht wegen des Streits um BW abgesagt, wie vielfach spekuliert wurde, sondern um Zeit für die Regierungsbildung zu haben.

Nach wie vor ist unklar, wer die „Vermummten“, die die Räumungsaktion in der Wahlnacht durchgeführt haben, genau waren und ob sie oder die Verantwortlichen dahinter je juristisch belangt werden. In jedem Fall bleibt Vucic trotz der Proteste der starke Mann im Land, die EU sieht weiter Versäumnisse bei Reformen in Serbien, will aber den Annäherungsprozess des Beitrittskandidaten auch am Laufen halten. So bleibt der Streit um das Großprojekt in jedem Fall symbolisch für den schwierigen Reformprozess in Serbien.

Die B5 Reportage

Der Turmbau zu Belgrad -
Serbien plant ein „Manhattan des Balkans“

Reportage am Sonntag, 19.6.2016, 14:35

Autor Ralf Borchard

Redaktion: Jörg Paas und Andrea Herrmann


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