6

Hof- und Regierungszüge DB-Museum Nürnberg zeigt Prunkwagen

Der gepanzerte Zug aus Nordkorea, mit dem der Diktator Kim Jong Un nach Peking gefahren ist, bietet Anlass zur Spekulation - und zum Träumen. Doch Hof- und Regierungszüge haben auch in Bayern Tradition, und sie sind teilweise noch heute zu sehen - zum Beispiel im DB-Museum in Nürnberg.

Von: Anton Rauch

Stand: 28.03.2018

Der Märchenkönig Ludwig II. liebte es prunkvoll. Natürlich wollte er diesen Stil nicht nur in seinen Schlössern leben, sondern auch auf Reisen. Darum hat er nach dem Regierungsantritt 1864 den Hofzug seines Vaters Maximilian II. in den nächsten Jahren zu einem Prunkzug umbauen und erweitern lassen. Dieser Hofzug ist noch teilweise erhalten - im DB-Museum in Nürnberg.

"Versailles auf Rädern"

Zwei im Barockstil eingerichtete und dekorierte Salonwagen in Blau und Gold sind in Nürnberg zu sehen. Aufwändige Schnitzereien, Spiegel und Deckenfresken gehören zur Ausstattung. Die Anmutung ist die eines rollenden Ballsaals. Als ein "Versailles auf Rädern" ist der Zug denn auch bewundert - und wohl auch ein wenig verspottet worden.

"Der Salonwagen hat vier Abteile. Das Adjutantenzimmer, in dem sich persönliche Bedienstete aufhalten konnten, ist der kleinste Raum. Es folgen der Hauptsalon, das Schlafkabinett und ein Toilettenkabinett. Der Hauptsalon ist der prachvollste Raum des Salonwagens. Die Wände und das Mobiliar sind reich vergoldet und mit edler Atlasseide bespannt. In der Mitte des Deckengemäldes befindet sich die Deckenbeleuchtung, die sinngemäß die 'Sonne' vorstellt. Dieses Emblem sowie Lilien in den Blumenornamenten verweisen auf den 'Sonnenkönig' Ludwig XIV. von Frankreich."

Beschreibung des Salonwagens im DB-Museum Nürnberg

Wagen für die Dienerschaft, Gepäck und die Hofküche

Zum Zug Ludwigs II. gehörte auch ein Terrassenwagen mit Wintergarten. Neben den persönlichen Wagen für den König hatte der Bayerische Hofzug zwei Wagen für den Reisekommissar und das Gefolge, einen Dienerschaftswagen, einen Packwagen und zwei Küchenwagen. Von diesen Wagen existieren aber nur noch Zeichnungen und Fotos.

Über die Reisen des Königs mit dem Zug ist wenig bekannt. Sicher allerdings ist, dass Ludwig II. seine berühmte Frankenreise 1866 mit dem Hofzug unternommen hat, auch wenn der damals noch nicht fertig umgebaut war. Weil Ludwig aber auch inkognito reisen wollte, ließ er den Prunkzug öfter stehen und gab den Bau eines Inkognito-Zuges in Auftrag, ohne Blau und Kronengold - von außen ganz so wie die Wagen der königlich-bayerischen Bahn, die "dem allgemeinen Verkehr dienten". 1976 dann wurde der Bau dieses "Inkognito-Zuges" beauftragt.

Der Hofzug Ludwigs II. wurde modernisiert

Der Hofzug Ludwigs II. war nach seinem Tod noch bis 1918 betriebsfähig, und vor allem technisch modernisiert worden. Nach dem Ende der Monarchie kamen der Salonwagen und der Terrassenwagen in das Verkehrsmuseum Nürnberg, heute das DB-Museum. Bei einem Bombeneinschlag im ZweitenWeltkrieg wurden beide Ludwigswagen beschädigt.

"Nach Kriegsende stahlen Plünderer unter anderem sämtliche Bodenbeläge, die seidenen Wandverkleidungen, die Marmorplatten der Tische und die Eckgemälde an der Decke des Salonwagens. Bis zur Wiedereröffnung des Verkehrsmuseums 1953 ließ man die Gemälde neu herstellen, Verzierungen ausbessern und neu vergolden. Spiegel, Marmorplatten und Putten wurden ergänzt und sämtliche Bodenbeläge und Stoffbezüge erneuert."

Information des DB-Museums Nürnberg

Otto von Bismarcks Salonwagen in Nürnberg

Der Salonwagen von Reichskanzler Otto von Bismarck war das erste Originalfahrzeug im Besitz des "Königlich Bayerischen Eisenbahnmuseums". Das heutige DB-Museum erhielt ihn gleich nach dem Tod des Reichskanzlers. Er war weit weniger prunkvoll als der Zug Ludwigs II. - eher in so einer Art Militärgrün, aber mit edler Innenausstattung: Mahagonischreibtisch und so weiter. Heute steht der Bismarckwagen restauriert im DB-Museum, die Bezüge der Sofas und Sessel und die Wandverkleidung sind rekonstruiert.

Sissis Prunkwagen steht in Wien

Auch die bayerische Prinzessin Elisabeth aus Possenhofen und spätere Kaiserin Sissi nutzte natürlich einen Zug mit gehobener Ausstattung. Zu "ihrem persönlichen Gebrauch" entstanden 1873 zwei Eisenbahnwagen, von denen der Schlafwagen noch erhalten und in Wien zu sehen ist. Die Geschichte dieser Wagen begann auf einer Rückreise Elisabeths von Meran. Es war September und im Waggon war es der Kaiserin zu kalt. Obwohl die Hofwagen elegant ausgestattet waren, fehlte ein Ofen. Während der Aufenthalte in den Bahnhöfen hat man damals nur metallene Wärmflaschen mit heißem Wasser gefüllt.

Die Beschwerden der Kaiserin blieben nach dieser Reise nicht ungehört - ein reger Briefwechsel setzte ein. Die Bahnverwaltungen wurden aufgefordert, einen adäquaten und modernen Wagen bereitszustellen. Die Firma Ringkoffer in Prag wurde mit der Ausführung betraut und lieferte einen Salon- und einen Schlafwagen. Für die Kaiserin wurde damals alles aufgeboten, was Stand der Technik war.

"Unterhalb des Wagens wurden Kohleöfen montiert, die von außen zu beheizen waren. Über Luftschieber konnte die Temperatur im Innenraum geregelt werden. Der Schlafwagen hatte auch eine Wassertoilette. Da die Reisen der Kaiserin durch ganz Europa führten, musste der Wagen an die technischen Standards aller Länder angepasst werden. Neuerungen, wie elektrisches Licht oder eine Dampfheizung, wurden nachgerüstet."

Information des Technischen Museums Wien

Im Technischen Museum Wien steht der Hofsalonwagen von Sissi heute mit der gesamten restaurierten Einrichtung. er war aus Pietätsgründen nach dem Tod der Kaiserin nicht mehr genutzt worden.

Was ist geblieben vom einstigen Glanz?

Seit die Deutsche Bahn die Nachtzüge verkauft hat, und der Orient-Express an Faszination verloren hat, ist der Reiz von Schlafwagen und Salonwagen ein wenig verblasst. Doch die Regierungs- und Hofzüge haben Wirkung gezeigt. Es sind zwar keine Mahagonischreibtische wie bei Bismarck, aber es gibt Tische für Laptops, Zeitungen und Spiel in den Großraumwagen des ICE. Edle Speisewägen sind Bordrestaurants oder Bistros geworden, aber immer noch lässt sich bei der Bahn speisen. Funktionierende Klimaanlagen sind ein Komfort, von dem Ludwig II. oder Kaiserin Sissi nur träumen konnten. Wie es damit im nordkoreanischen Panzerzug von Kim Jong Un aussieht, das wissen wir auch nicht. Auch dieser ist historisch: Er war ein Geschenk Stalins aus sowjetischer Prachtproduktion für den nordkoreanischen Genossen Kim - einen Vorfahren des heutigen Diktators.


6