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Geländewagen Bayerische Altstädte stöhnen unter der SUV-Flut

In Deutschland ist jeder vierte Neuwagen mittlerweile ein sogenannter Offroader oder SUV – dabei gibt es bei uns praktisch keine Off-Road-Strecke. Im Alltag müssen sich die Fahrer mit ihren extra breiten Wagen durch enge Straßen quetschen und sich um die raren Parkplätze streiten.

Von: Tina Wenzel

Stand: 20.01.2018

Ein SUV der Marke Mercedes behindert in der Innenstadt durch sein Parken den Gehweg. | Bild: picture-alliance/dpa/Maximilian Schönherr

Die Wunderburggasse in der Nürnberger Altstadt. Bis zur Shoppingmeile sind es nur noch wenige Meter. Geparkt wird hier auf dem Gehweg. Und da fängt das Problem schon an. Zwei nagelneue SUV’s stehen direkt hintereinander, die Seitenspiegel eingeklappt – trotzdem: Viel Platz bleibt den Fußgängern nicht mehr. Im Gänsemarsch geht es an den teuren Schlitten vorbei.

Kein Platz mehr für Fußgänger

Nur wenige Straßen weiter: Ein SUV – mit einem Rad noch auf der Bordsteinkante – die Parklücke einfach zu eng. Das Urteil vieler Nürnberger ist vernichtend:

"Völlig unnötig. Das braucht man, wenn man in die Rocky Mountains fährt oder in den Bayerischen Wald. Aber nicht in der Stadt. Und kostet wahnsinnig Sprit. Und kostet wahnsinnig Geld. - Also ich finde SUV’s einfach zu groß für die Stadt. In Amerika passt das, da sind die Straßen breiter, aber hier – find ich nicht gut.- In der Innenstadt und Großstädten auf jeden Fall fehl am Platz."

Aus einer Straßenumfrage

Die Autos werden immer breiter

Die Fahrzeuge sind in den vergangenen Jahren immer breiter geworden: 1974 zum Beispiel maß ein Golf noch rund 1,60 Meter ohne Seitenspiegel. Einige SUV’s sind heutzutage schon rund zwei Meter breit – also 40 Zentimeter mehr.

Und die Parkplätze? Die wachsen nicht mit. In der Altstadt ist Platz Mangelware, sagt der Chef des Verkehrsplanungsamts, Frank Jülich. Parkplätze mit einer Breite von 1,75 Meter sind keine Seltenheit. Bei neuen Straßen – allerdings außerhalb der Altstadt – halte man sich an die sogenannte RAST 06 – die Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen. Und die macht klare Vorgaben: zwei Meter Breite für den Parkplatz. Basta.

"Die Autos werden immer breiter und länger. Und die Großstädte sind insbesondere in der dichtbebauten Innenstadt darauf nicht ausgelegt. Es gibt tatsächlich immer mehr Probleme.  Wir planen nach den Richtlinien, die uns vorgegeben sind. Meine Ingenieure wissen, dass sie an den Straßen 2 Meter breite Parkstreifen planen, die aber in der Regel, in dem Maß für die großen breiten SUV’s schon zu schmal sind."

Frank Jülich, Chef des Verkehrsplanungsamts Nürnberg

Problem Parkgaragen

Ortswechsel: Es geht in den Untergrund. In eines der vielen Parkhäuser in der Nürnberger Innenstadt. Eng an eng stehen die SUV’s. Einen klitzekleinen Spalt wird die Tür geöffnet und dann aalen sich die Autofahrer heraus. Oder man parkt gleich auf zwei Parkplätzen. Dann geht es eindeutig einfacher. Der ADAC teste regelmäßig die Parkhäuser und bemängelt die engen Parkplätze:  

"Die Parkstände genügen meistens den Garagenverordnungen. Das sind 2.30 Meter Parkstandbreite, aber nicht den Anforderungen, die die Forschungsgesellschaft vorgibt von 2,50 Meter. Neuere Parkhäuser sind durchaus 2,50 Meter breit, aber gerade bei älteren Parkhäusern ist es häufig ein Problem."

ADAC Verkehrsexperte Jürgen Hildebrandt

Die Parkhausbesitzer – eine sehr scheue Spezies, die nicht gern vor dem Mikro spricht – sehen keinen Grund ihre Parkplätze zu erweitern. Man halte sich ja an die Garagenverordnung. Und nur an wenigen Tagen im Jahr seien die Parkhäuser schließlich proppenvoll. Die Autofahrer müssen halt ordentlich einparken.

Warum ein SUV fahren?

Bleibt nur noch die Frage: Warum kauft man sich so ein Auto, das in der Innenstadt absolut unpraktisch ist?

"Ganz einfach, weil man in dem Auto relativ viel Platz hat und gut und hoch einsteigen kann. - Man sitzt bequem, man sitzt hoch, man hat Überblick. Also ich finde es toll, bequemes Fahren."

Umfrage unter SUV-Besitzern

Den Grund: "Um mit dem Auto anzugeben", den will dann doch keiner zugeben. In der Nürnberger Altstadt lassen die jungen SUV-Fahrer auf jeden Fall gerne auch mal den Motor laut aufheulen.


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Michael, Montag, 22.Januar, 12:02 Uhr

50. Leben und leben lassen

Bin kein SUV-Fahrer, mich nervt aber die immer wieder aufkommende "Neiddebatte". Jeder soll sich das Auto kaufen, das er sich leisten kann und das er mag.
Ich glaube nicht, dass alle SUV 2 Meter breit sind, das trifft einfach nicht zu und seien wir doch mal ehrlich, wie hoch ist der Anteil der "Riesen-SUV" am Gesamtverkehr? Mit Sicherheit sehr niedrig. Also ein bisschen mehr Gelassenheit, bitte.

  • Antwort von Rosalinde Rauscher, Samstag, 27.Januar, 23:15 Uhr

    Hallo, das hat nix mit Neid zu tun - jedem gönne ich seinen fahrbaren Untersatz. Nur, wenn es ausufert und man als Fußgänger sehr gefährlich lebt, ist etwas nicht in Ordnung . Auch ich bin für "leben und leben lassen". Die SUV's -Monsterfahrzeuge gehören schlicht und einfach verboten. Die Welt wird immer mehr zerstört, auch durch diese Riesenkisten (Rohstoffverbrauch enorm, Platzverbrauch enorm, dadurch enorme Veränderungen der Landschaft) Unsere Straßen sind nun mal nicht für solche großen Fahrzeuge konzipiert und manche Straßen sind von Natur aus nicht zu verbreitern.

Walter Dickbauch, Sonntag, 21.Januar, 14:45 Uhr

49. Geländewagen SUV - wozu????


Alles wird größer und breiter: die Autos, die Menschen, die Wohnungen - nur die Welt wird immer enger - wo führt das noch hin? Der Planet Erde wächst ja nicht mit. Vom Ressourcenverbrauch gar nicht zu reden - der ja ebenfalls in naher Zukunft am Ende ist.
Das Hirn der meisten Menschen ist jedoch vermutlich geschrumpft, sonst würde man doch mal seine Hirnzellen dazu benützen, den Verstand einzuschalten und von allem weniger nehmen: kleinere Autos, schlanker werdende Menschen -weniger Essen, vor allem den Fleischkonsum einschränken - ach diese Welt wäre so schön - wenn j e d e r e i n z e l n e mal von seinem Anspruchsdenken herunterkäme!!

Alfred, Sonntag, 21.Januar, 12:40 Uhr

48. Immer schön Stimmung gegen die SUV machen

Der Mercedes GLA hat eine Breite von 1804mm. Ein aktueller Golf 7 hat 1799mm. Also gerade 5 mm weniger. Während der SUV automatisch die Spiegel anklappt, bleiben sie beim Golf starr draußen. Da stellt sich die Frage, welches geparkte Auto mehr behindert.
Klar, Hetze gegen SUV ist gerade im Trend. Aber statt die Stimmungsmache weiter voranzutreiben, könnte man auch mal recherchieren und nachdenken: Gewicht und Körpergröße der Menschen stiegen in den letzten Jahren enorm. Dem folgen die Autos, die einfach mehr Platz anbieten, weil es die Menschen brauchen. Und das liegt nicht an SUV, denn selbst die Kleinstwägen werden immer größer. Die einzigen, die den Trend verschlafen, sind die Stadtplaner. Denn auch heute werden Parkplätze oft noch nach den Maßstäben von 1970 angelegt.

Koller Mario, Sonntag, 21.Januar, 12:12 Uhr

47. SUV Verdummung

Meiner Meinung ist es wieder mal ein schlechter Versuch die Autoindustrie zu retten.SUV's sind einfach eine Notlösung von der Autoindustrie um Absatzzahlen wieder zu steigern.Seien wir uns ehrlich:Welches Auto wird den noch bar bezahlt?Alles geleast.Leute werden in die Schulden getrieben.Die Autoindustrie ist am absteigenden Ast.In un um Regensburg,BAyern beobachte ich immer wieder Goßparkplätze mit Autos.die werden auf Halde produziert.Unglaublich.Kann mir nicht vorstellen das die noch verkauft werden.Und mit den SUV wird es noch schlimmer,weil zu groß,zuviel Spritverbrauch und vor allem deutsche Strassen sind für sowas nicht gebaut.Als nächstes werden dann amerikanische Großraumautos bzw.Limousinen importiert.Schließlich will man ja angeben aber es nicht zugeben.Es war eine hirnrissige Idee der Autofirmen wieder Fuss zu fassen.Leider eine Negativentwicklung mit den SUV's

Raymond, Sonntag, 21.Januar, 11:40 Uhr

46. bisher bestimmen die Konzerne in Deutschland

sicherlich sind wir in Deutschland auf die Konzerne ...(Autohersteller usw.) angewiesen ...Arbeitsplätze ...Steuern ....das aber nichts ohne Zustimmung , selbst eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen , wie in bereits in ganz Europa geht ..ist sehr traurig ...selbst die Tatsache der viel zu hohen Abgaswerte in den Städten ..wird versucht kleinzureden..was immer geht ....wo ist da eigentlich der Unterschied zwischen Trump in USA und hier in Deutschland ..?