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Baustellen-Rekord in Bayern "Projekte mit fragwürdigem Nutzen"

Kaum jemand, der in diesem Sommer nicht auf Bayerns Autobahnen im Stau stand. Grund ist die Rekord-Zahl an Baustellen. Die Grünen geben dem Bund die Schuld daran - und sprechen von fragwürdigen Projekten.

Von: Verena Hampl

Stand: 26.10.2016

Baustellen in Ostbayern zur Ferienzeit | Bild: BR/Michael Buchner

Im August 2016 wollten Grünen-Politiker des deutschen Bundestags von der Bundesregierung wissen, wie viele Sommerbaustellen es in dieser Saison auf deutschen Autobahnen gab. Die Antwort kam im Herbst: Insgesamt 715. Das ist ein neuer Rekord. Alleine auf Bayern fallen davon 126 Autobahnbaustellen. Schon 2014 und 2015 waren die Menschen im Freistaat Baustellen-geplagt. In den Jahren zuvor waren es bei weitem nicht so viele. 2013 gab es in ganz Bayern beispielsweise nur 10 Sommerbaustellen.

Grüne kritisieren Neubau

Derzeit ein Nadelöhr: die A99 bei Fröttmaning

Mehrere Grünen-Politiker sehen die Schuld an der Baustellenflut bei der Bundesregierung. Zu lange habe man sich nicht um bestehende Infrastruktur gekümmert und stattdessen neue Straßen gebaut. Bundestagsabgeordneter Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) spricht von "falscher Prioritätensetzung in der Vergangenheit", unter der nun vor allem die Autofahrer zu leiden hätten: "Verkehrsminister Dobrindt investiert immer noch viel zu wenig in den Erhalt und zu viel in den Neubau. Die Bundesregierung leistet sich noch immer zahlreiche Neubauprojekte mit fragwürdigem Nutzen."

Krischer bezieht sich dabei unter anderem auf die geplanten Ortsumfahrungen der B 303 um Schirnding sowie die B 470 um Forchheim aus dem Bundesverkehrswegeplan. Ganz so viele Baustellen müssten es demzufolge also nicht sein. Trotzdem sei es nun dringend notwendig, marode Straßen und Brücken zu sanieren, damit sich in Zukunft nicht noch mehr Projekte anstauen.

"Ohne Baustellen keine Verbesserung der Situation"

CSU-Politiker Ramsauer

Für Peter Ramsauer - Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag - ist die Höchstzahl von Baustellen eine logische und zwangsläufige Folge der Geldmittelaufstockungen seit dem Jahr 2012: "Der Investitionshochlauf begann mit den Zusatzmilliarden, die wir ab 2012 bereitstellen konnten. Bis diese aber über Planungen, Gerichtsverfahren, Ausschreibungen und Vergaben zu echten Baustellen werden, vergehen drei bis vier Jahre."

Im Jahr 2013 seien etwa die Gelder für Brückensanierungen für die Folgejahre verdreifacht worden. Und so werde nun zusätzlich Zug um Zug verbaut, was vor rund drei Jahren und seit dem zusätzlich an Geld bereitgestellt worden sei. "Und nachdem mein Amtsnachfolger Dobrindt die Mittel erfreulicherweise weiter erhöht bekam, wird die Zahl der Baustellen in den kommenden Jahren sogar noch zunehmen", so der CSU-Politiker weiter. "Mit anderen Worten: Ohne Baustellen keine Verbesserung der Situation."


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Huber, Max, Mittwoch, 26.Oktober 2016, 15:44 Uhr

1. "Projekte mit fragwürdigem Nutzen"

"Projekte mit fragwürdigem Nutzen" ? Ach was. Die Amigos brauchen Aufträge. So funktioniert das in Bayern. Mia san mia....

  • Antwort von Max (aber nicht Huber), Mittwoch, 26.Oktober, 16:25 Uhr

    Sehe ich auch so. Hier werden noch gute, kleinste Nebensträßchen frisch asphaltiert, die nur an ein paar Einsiedlerhöfen und Weilern vorbeiführen, da fragt sich jeder der 10 täglichen Autofahrer, warum dies nötig ist. Hier werden Staatsstraßen frisch asphaltiert, die noch "pfenninggut" waren (hat ein Asphaltwerker beurteilt), nur weil neben (!) der Straße durch einen Grünstreifen getrennt wenige Hundert Meter Radweg neu gebaut und asphaltiert wurden (dass der Radweg dann mitten in der Pampa aufhört, ist selbstredend).
    Und weil die Amigos wohl das Geld noch schnell unterbringen mussten, wird die Straße natürlich genau dann neu asphaltiert mit mehrwöchiger Totalsperrung, wenn auf der Autobahn daneben auch Bauarbeiten sind, mit Sperrung der Aus- und Einfahrten. Muss man ja nicht dazusagen, dass die gesperrte Staatsstraße natürlich eine Umgehungsstraße für die teilgesperrte Autobahn und gesperrten Aus-/Einfahrten wäre.
    Geld zuschustern scheint halt leichter als sinnvoll planen.

  • Antwort von Straßenbauer, Mittwoch, 26.Oktober, 19:36 Uhr

    Eine jammer wenn baut werd ,die andern weil net baut werd.Da sollst es noch jemand recht machen.