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Tag der Inklusion Das Web kann Barrieren abbauen oder errichten

Vorort sieht es ganz gut aus: München ist laut Umfrage die barrierefreiste Großstadt Deutschlands. Aber im Cyberspace liegt Einiges im Argen. Viele Web-Seiten sind für Menschen mit Behinderung nicht zugänglich.

Von: Achim Killer

Stand: 04.05.2017

Chaotisch zusammengeklickte Webpages, die Vorleseprogramme verwirren, Audio-Files, die Gehörlose nicht hören, oder kommentarlos ins Netz gestellte Bilder, die von Blinden nicht gesehen werden können - viele Sites sperren aus Gedankenlosigkeit oder Desinteresse Behinderte aus. Als besonders inklusionsfeindlich haben sich dabei Content Management Systeme erwiesen, Software zum Bau und zur Pflege von Web-Sites. Der von diesen Programmen erzeugte Code blockt oft Lesehilfen ab. Dabei nutzen Menschen mit Einschränkungen das Netz überdurchschnittlich stark. Sein Potential, Teilhabe zu schaffen, ist hoch. Dies will aber genutzt sein.

Vergessen von der Internet-Wirtschaft

Für die Informationstechnik der öffentlichen Verwaltung ist die Barrierefreiheit denn auch seit 15 Jahren im Behindertengleichstellungsgesetz vorgeschrieben. Die Internet-Wirtschaft hingegen tut wenig für die Inklusion. Dabei nutzen Konzerne wie Google und Facebook ansonsten durchaus ihre Möglichkeiten, auf Web-Designer einzuwirken, etwa wenn es darum geht, Seiten Mobilfunk-freundlich zu gestalten. Für Menschen mit Behinderung hingegen tun sie nichts.

W3C-Leitlinien

Wie man Barrierefreiheit herstellt, ist seit Jahren dokumentiert - in den Web Content Accessibility Guidelines des World Wide Web Consortiums. Darin geht es darum, vier Grundsätze umzusetzen. Die Wahrnehmbarkeit: Seiten müssen sowohl sicht-, als auch hör- oder per Braillezeile ertastbar sein. Die Bedienbarkeit - nicht nur per Maus oder Touchscreen, sondern auch mit der behindertenfreundlichen Tabulartor-Taste. Außerdem sollten Web-Seiten verständlich und robust, also auch mit speziellen Endgeräten lesbar, sein.


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