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Betrugsvorwürfe Audi-Chef Stadler beurlaubt - Vertriebschef übernimmt

Audi-Vertriebsvorstand Bram Schot leitet übergangsweise den Autokonzern. Das hat der Aufsichtsrat entschieden, nachdem der Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler gestern Früh wegen des Dieselkandals festgenommen wurde.

Von: Karsten Böhne und Margit Siller

Stand: 19.06.2018

Rupert Stadler | Bild: dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow

Rupert Stadler hat zwei Arbeitsverträge: Einen mit Audi und einen mit Volkswagen, wo er zum Konzernvorstand gehört. Stadler habe gebeten, ihn von seinen Aufgaben vorübergehend zu entbinden. Die Aufsichtsräte von Volkswagen und Audi hätten der Bitte entsprochen, heißt es offiziell.

Vertriebsvorstand übernimmt vorläufig

Der Niederländer Bram Schot ist gerade einmal ein Dreivierteljahr bei Audi. Der 56-jährige studierte an der Universität Bradford in England Betriebswirtschaft. Er war Landeschef von DaimlerChrysler in den Niederlanden, dann in Italien. 2011 wechselte er zum VW-Konzern. Ab 2012 war er Vertriebschef der Volkswagen-Nutzfahrzeuge. Seit September 2017 ist der Manager bei Audi Vorstand für Vertrieb und Marketing. Der Audi-Gesamtbetriebsrat begrüßt es, dass Schot nun kommissarisch im Chefsessel in Ingolstadt Platz nehmen soll. Das Unternehmen müsse handlungsfähig bleiben.

Rupert Stadler wird Betrug vorgeworfen

Rupert Stadler wurde gestern Früh zu Hause festgenommen. Es geht um die Frage, ob und wann er wusste, dass Audi Fahrzeuge mit manipulierter Motorensoftware verkauft hat. Der Vorwurf lautet Betrug. Erst kürzlich musste Audi 60.000 Diesel wegen einer illegalen Abschalteinrichtung zurückrufen. Insgesamt sind mehr als 200.000 Audi-Fahrzeuge betroffen, diese Zahl ist bislang bekannt.

Untersuchungshaft wegen Verdunklungsgefahr

Vor einer Woche haben Staatsanwälte die Privatwohnung des Managers durchsucht. Auch sein Telefon wurde abgehört. Dabei ergaben sich Anhaltspunkte, dass er auf andere Zeugen und Beschuldigte Einfluss nehmen oder Beweismittel beseitigen könnte. Wegen dieser Verdunklungsgefahr nun die Untersuchungshaft. Mit der Haft von Rupert Stadler erlebt der Dieselskandal einen neuen Höhepunkt. Erstmals sitzt der Vorstandschef eines Autokonzerns hinter Gittern.

Stadler sitzt in Augsburg im Gefängnis

Rupert Stadler wartet im Untersuchungsgefängnis in Augsburg auf seine erste Vernehmung. Die Münchner Staatsanwaltschaft will ihn noch diese Woche vernehmen, so eine Sprecherin. Stadler habe bereits mitgeteilt, dass er sich nach Beratungen mit seinem Verteidiger zur Sache äußern werde. Nur so könnte er den Vorwurf der Verdunkelungsgefahr entkräften, um möglichst schnell wieder auf freien Fuß zu kommen.


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Josef Rödl, Mittwoch, 20.Juni, 01:22 Uhr

8. Konkurrenzkampf Audi-BMW

Zwischen den bayerischen Automobilkonkurrenten Audi und BMW gibt es nicht nur eine Produktkonkurrenz sondern insbesondere auch eine Führungs- und Ethikkonkurrenz. Letztere hat BMW ganz offensichtlich längst gewonnen. Da hilft auch nicht der Audi-Spruch "Vorsprung durch Technik". "Vorsprung durch Ehrlichkeit" könnte BMW entgegen setzen.
Leider verbietet die deutsche (europäische?) Gesetzgebung eine sog. "Vergleichende Werbung". Hinsichtlich des Abgasskandals wäre sie jedoch insbesondere zu Gunsten von BMW und zur Renommee-Erhaltung bzw.-Steigerung der gesamten deutschen Automobilindustrie mehr denn je nötig.

  • Antwort von Kritikwürdig , Mittwoch, 20.Juni, 08:40 Uhr

    BMW wird schon wissen, weshalb man nicht die Moralkeule auspackt. Informieren Sie sich bitte zunächst, womit die Haupteigner ihr riesiges Geldvermögen verdient haben und unter welchen Bedingungen es durch die „Mitarbeiter“ erwirtschaftet wurde!
    Und nach 8 BMW Neuwagen, aus verschiedenen Bauserien rate ich BMW lieber an der Zuverlässigkeit und insgesamt an der Qualität zu arbeitet, anstatt sich in fragwürdiger E-Mobilität zu verennen.
    Wenn ich die aktuellen neuen 5 Modelle im Fuhrpark betrachte, dann setzt sich das elende Ausfallproblem fort. Das kennen wir/ ich weder von VW / Audi, noch von Benz.
    Und das die Neufahrzeug von BMW sauberer sein sollen, als die andere deutschen Hersteller, das bezweifle ich. Ich riche es jeden Morgen in der privaten Tiefgarage, dass besonders die BMWs sehr unsauber starten und teilweise auch Öl verbrennen. Vom neuen Sterndiesel kenne ich das nicht! Und vom Audi auch nicht!
    Wer bei d3m ganzen Geplänkel welche Interessen vertrit5, dass wäre mal hinterlf.

Kritikwürdig , Mittwoch, 20.Juni, 00:10 Uhr

7. Die Gerichte, die Politik und einige Bürger haben den Maßstab verloren!

Jeder Führungskraft rate ich in die Politik zu gehen!
Dort kann man Tanklaster bombadieren lassen, ganze Landstriche und Gewässer mit Pflanzenschutzmitteln zerstören lassen, man darf ohne Not ums eigene Land hunderte junge Menschen in den Soldatentot endsenden. Man darf brutal Kinderpornos anschauen, man darf Doktortitel fälschlicherweise nutzen, man darf massiv Steuern und Arbeitsrechtsverletzungen begehen, man darf den Wähler massivst belügen und man darf das schlimmste Gift ohne Entsorgungslösung genehmigen, die Atomkraft, und vieles mehr, und vor allem, unbestraft oder mit vergleichsweise lächerlichen Strafen. Wer heute den Finger gegen die Autoindustrie erhebt, der sollte besser bei sich selber schauen.
Ohne Zweifel muss Unrecht geklärt werden, aber die Verhältnismäßigkeit wurde durch die wenigen Autohassern und selbsternannten Heilsbringer auf das übelste verzehrt. Wer heute Produkt aus China lobt, der macht sich zum Mittäter der Abertausenden politischen Morde!

Helga Hube, Dienstag, 19.Juni, 23:05 Uhr

6.

Die kriminelle Energie in den Manageretagen scheint ja hoffähig zu werden bzw zu sein. Die Politik scheint dies ja auch zu dulden.Für unser Land wird es langfristig kaum zu ertragen sein.

  • Antwort von Josef Rödl, Mittwoch, 20.Juni, 00:02 Uhr

    Leider wird in der Presse - auch im BR - immer nur von den "Schwarzen Schafen" berichtet. Dass es auch "Weiße Schafe", wie z.B. BMW gibt, wird leider völlig unterdrückt.

    Und das ist der Skandal im Skandal.

  • Antwort von Karl Buchner, Mittwoch, 20.Juni, 06:32 Uhr

    Die Politik hat doch mitgemacht und das alles ermöglicht. Nach wie vor grinst Herr Dobrindt in die Kameras. Unglaubliche Zustände.

Ich, Dienstag, 19.Juni, 16:24 Uhr

5.

Gibt es im Vorstand vom FC Bayern überhaupt noch jemand der nicht im Knast war oder vorbestraft ist?

Hanns, Dienstag, 19.Juni, 14:40 Uhr

4. Stadler "beurlaubt" und Winterkorn in Ruhestand

Warum wurde Winterkorn , der Kopf des VW Dieselskandales, bisher nicht verhaftet?
Als Piech den Winterkorn abschießen wollte lagen wohl schon die Manipulationsvorwürfe in der Luft.
Winterkorn wurde auch durch das Land Niedersachsen im Amt gehalten - Piech wurde abgeschossen.
Nun kassiert Niedersachsen ein Busgeld von 1000 MIO und hat selber doch auch Verantwortung für den Skandal.

  • Antwort von Kritikwürdig , Mittwoch, 20.Juni, 00:25 Uhr

    Das wird Niedersachen noch bitter bereuen, wenn der Geldesel Autoindustrie zusammenbricht. Man kann nur hoffen, dass zukünftige Investitionen nicht mehr hier oder in den USA getätigt werden. Man sieht ja das Elend in den USA Städte, wo die Autoindustrie und all deren Zulieferer zerstört sind. Elend ohne Ende.
    Super Staatsanwalt, 1 Millarde, auf welcher Rechtsbasis! Meine Achtung vor den Gerichten schadet es nicht mehr. Verhältnisse wie in der DDR könnte jemand denken.
    Wie einst die Römer, so scheint unsere derzeitige Überheblichkeit den Blick zu trüben. Unsere einstigen Väter würden ihre Kinder vermutlich zum Teufel jagen, die das zerstören, was sie in mühsamer Nachkriegsarbeit geschaffen haben.
    Unsere Moralfantasie erreichen behandlungsbedürftige Dimensionen. Wir klagen z.B. über Doping und Russland lacht uns aus und hat eine funktionierende Fußballmannschaften!
    Ich rate jedem, seine Moral mit der Realität in Einklag zu bringen, denn sonst regiert uns bald die AfD!