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Kritik von der Basis Asylpolitik der CSU enttäuscht langjährige Parteimitglieder

Vor zwei Wochen ist Anneliese Till aus Wemding der Kragen geplatzt. Till ist seit 40 Jahren CSU-Mitglied, aber die aktuelle Politik ihrer Partei gefällt ihr gar nicht. Weder der Umgangston, noch die Asylpolitik. Sie und ihre Freundin Heidi Dietrich sind beide in der Flüchtlingshilfe tätig und sagen: Wir wollen unsere alte Partei zurück, die das C und das S im Namen ernst nimmt. Dafür wollen die beiden auch ungewöhnliche Wege gehen.

Von: Niklas Schenk und Carola Brand

Stand: 04.07.2018

Heidi Dietrich (l.) und Anneliese Till, CSU und Flüchtlingshelferinnen aus Wemding | Bild: BR/Niklas Schenk

Enttäuscht von ihrer Partei griff Anneliese Till zum Hörer und rief in der Bayern 2-Sendung "Tagesgespräch" an. On Air machte sie ihrem Ärger über die Politik der CSU Luft und drohte mit ihrem Austritt aus der Partei, bei der sie seit 40 Jahren Mitglied ist.

In ihrer Heimat Wemding im Landkreis Donau-Ries erntete Till damit Respekt und Zustimmung. Noch am selben Tag sei sie auf der Straße angesprochen worden: Sie waren doch im Radio. Die Hörerin habe noch gesagt, wie wichtig es sei, dass es Leute wie Anneliese Till gibt, die jetzt sagen, was nicht passt.

"Es ist der Stil, wie man miteinander umgeht, der mir nicht gefällt. Ich glaube keiner möchte sich so behandelt sehen wie jetzt die Kanzlerin angegangen worden ist." Anneliese Till aus Wemding im Landkreis Donau-Ries

Kritik an CSU: Menschlichkeit in der Asylpolitik fehlt

Aber es ist nicht nur der Ton, den die CSU anschlägt, der Anneliese Till und ihre Freundin Heidi Dietrich stört. Ihnen fehlt die Menschlichkeit in der Diskussion um die Asylpolitik. "Ich dachte die Partei vertritt Werte", sagt Anneliese Till enttäuscht. Beide Frauen engagieren sich in der Flüchtlingshilfe. Sie geben Nachhilfe, helfen bei Anerkennungsverfahren.

"Was alles Gutes passiert ist und was auch von der Politik gut gemacht worden ist. Darüber reden wir doch nicht mehr. Wir reden nur noch wie kriegen wir sie raus. Wie können wir schnell abschieben." Heidi Dietrich aus Wemding

Basis erinnert CSU an christlich-soziale Werte

Heidi Dietrich hat den Asylkreis Wemding 2014 ins Leben gerufen und steht dem vor. Sie war außerdem lange Vorsitzende der Frauen-Union in Wemding und hat vor ihrer Pensionierung in einer Pfarrei gearbeitet. Sie sagt, eine Partei mit einem C und einem S im Namen müsse im Streit um die Ausrichtung der Asylpolitik "mehr an Menschen denken. Das ist schließlich kein Plastikmüll, was da reinkommt".

In Wemding leben aktuell etwa 40 Geflüchtete. Till und Dietrich kümmern sich aber auch noch um rund 30 weitere Asylbewerber in der Umgebung. Die Einrichtung von Transitzentren, den "Schulterschluss" ihrer Partei mit dem ungarischen Präsidenten Orban in der Flüchtlingspolitik - all das missfällt den langjährigen CSU-Frauen aus dem Donau-Ries.

CSU-Kritikerinnen aus Wemding wollen Blog gründen

Dennoch hat Anneliese Till sich jetzt dagegen entschieden, die CSU zu verlassen. "Weitermachen", ist ihr Motto und das Ziel: "Ich möchte meine Partei zurück. Punkt." Um ihrem Widerstand gegen die aktuelle Politik Nachdruck zu verleihen, überlegen beide, einen Blog zu gründen. Inhaltlich ist ihre Stoßrichtung klar. Nur bei der technischen Umsetzung könnten sie noch Hilfe gebrauchen.


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