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Wirkungsvolle Kontrolle Antibiotika-Einsatz soll weniger werden

Das Risiko zunehmender Immunität gegen Antibiotika ist alarmierend. Jährlich sterben Tausende wegen multiresistenter Keime. Der Bundestag hat heute über eine bessere Kontrollen diskutiert. Der Opposition reicht das nicht.

Von: Birgit Gamböck

Stand: 30.09.2016

Keime in Petrischale | Bild: pa/dpa

Es ist der Albtraum aller Mediziner und Gesundheitsexperten: Superkeime, gegen die kein Antibiotika mehr hilft. Die Situation ist paradox: Der übermäßige Einsatz des lebensrettenden Wirkstoffs könnte für Millionen von Menschen den Tod bedeuten. Eine einfache Infektion genügt.

Mit dieser unsichtbaren Gefahr beschäftigte sich heute der Bundestag. In einem gemeinsamen Antrag von CDU/CSU und SPD wurde die Bundesregierung aufgefordert, mehr gegen die verschwenderische Gabe bei Mensch und Tier zu unternehmen - durch mehr Kontrolle, mehr Aufklärung und mehr Engagement auf europäischer Ebene.

Klares Reduktionsziel fehlt

Die Grünen waren mit dem Antrag nur bedingt zufrieden. Sie warfen der Bundesregierung vor, keine umfassende Strategie gegen den Missbrauch von Antibiotika zu haben. Es fehle ein klares Reduktionsziel, so Kordula Schulz-Asche. Benötigt werde auch eine große Aufklärungskampagne wie etwa in Frankreich, wo der Einsatz der Antibiotika so um ein Drittel reduziert werden konnte.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verwies auf Erfolge. Deutschland sei im Kampf gegen Resistenzen weltweit Vorreiter und Tempomacher. So sei 2008 die erste nationale Strategie gegen Antibiotikaresistenzen vorgelegt worden. Beim G7-Gipfel in Elmau im vergangenen Jahr habe man das Thema auf die internationale Bühne gehoben.

"Die Gefährdung der Menschen durch Antibiotikaresistenzen verschärft sich, gerade auch, weil sie schleichend und weithin unsichtbar ist."

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU)

Massentierhaltung in der Kritik

Für die Linke gibt es dafür einen klaren Übeltäter: die Massentierhaltung. Je größer die Ställe und je dichter der Tierbestand, desto größer sei die Gefahr, dass die Tiere erkranken und sich anstecken, sagte Karin Binder (Die Linke). "Der massive Einsatz von Antibiotika ist damit vorprogrammiert, weil vorsorglich der ganze Bestand medikamentiert wird." Es müsse Bestandsobergrenzen geben, ebenso wie eine verringerte Bestandsdichte.

35 Prozent sind überflüssig

Antibiotika als Produktionsmittel? Diese Zeiten seien vorbei, stellte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) fest. In der Zeit zwischen 2011 und 2016 habe sich der Antibiotikaeinsatz im Tierbereich halbiert, so Schmidt. Als Folge der seit vergangenem Jahr laufenden Minimierungsstrategie mit Meldepflichten seien 35 Prozent der Antibiotikaeinsätze "als überflüssig zu betrachten".

Gitta Connemann (CDU/CSU) forderte künftig mehr Aufklärung bei Ärzten, Tierärzten und der Bevölkerung. Außerdem:

"Hygiene, Hygiene, Hygiene im Stall und im Krankenhaus. Das wird zu Kosten führen. Das sind aber Investitionen, die Leben retten."

Gitta Connemann (CDU/CSU)

Kurz erklärt

Von einer Antibiotikaresistenz ist die Rede, wenn bislang wirksame Medikamente nicht mehr oder nur noch begrenzt gegen bakterielle Infektionen helfen. Bei Menschen wie bei Tieren gelten ein zu hoher oder ein unsachgemäßer Verbrauch als Ursache.


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Dr. Halef, Freitag, 30.September 2016, 20:32 Uhr

3. Statistik

Es gibt einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Häufigkeit und Verbreitung der Massentierhaltung und den MRSA-Fällen beim Menschen.
Die gequälte Kreatur schlägt zurück
Die Quälerei der hilflosen Kreaturen rächt sich auch an mittelbar beteiligten Menschen
Der Billigfleischkonsum gefährdet die hilflosen, schuldlosen Kinder.
Oh Krone der Schöpfung!
Nimm endlich Verstand an!

  • Antwort von G k , Freitag, 30.September, 22:19 Uhr

    Was denn für ein Zusammenhang? Wohl eher das es verschiedene Typen der Resistenz gibt und die gefährlichen Resistenzen für den Menschen entweder aus dem Krankenhaus (Resistenz) oder der heimtierhaltung ( Einsatz von reserveantibiotika, die in der ldw sogar verboten sind und der Mensch sein krankes Haustier noch niederschmusen tut). Der Typ aus der ldw ist nicht mit den anderen Typen zu vergleichen! Wenn Mann eine Statistik liest, sollte man sie auch verstehen können, solange sie nicht gefälscht ist!!!! Aber Hauptsache die Landwirte haben Schuld! Sonst könnte man die Tablette vom Doc nicht ohne schlechtes Gewissen einnehmen.aber auch nur so lange es mir schlecht geht. Das Zeug ist ja schlecht für mich. Das aber damit resistenzen geschaffen werden, will keiner wissen!!!

  • Antwort von thorie, Samstag, 01.Oktober, 00:19 Uhr

    glaubst du ernsthaft, das du, wenn du teureres fleisch kaufst, auch besseres (weniger antibiotikahaltiges) bekommst?
    träum weiter!
    teures fleisch erhöht nur den profit der produzenten.
    die produktionskosten werden, egal wo, immer auf dem tiefstmögl. stand gehalten....frag mal nen betriebswirtschaftler.

    also, sei vorsichtig, wenn du anderen verstand absprichst!

sympathie träger, Freitag, 30.September 2016, 19:49 Uhr

2.

deutschland ist hier vorreiter ? die deutsche politik versagt auf ganzer linie bei diesen thema und verbreitet auch noch frech lügen in der öffentlichkeit ! die kosten für mehr hyhiene in deutschen krankenhäusern können wir uns nicht leisten ! aber die auf wundersamme weise auf 890 000 stück geschrumpfte anzahl von asylbewerbern in letzten jahr , die uns ja angeblich nur von nutzen sind und nicht einen cent kosten werden !
da frage ich mich doch wer hier seinen job klar verfehlt hat ! unfähigkeit befähigt nicht zum politiker ! nur weil in beiden worten die silbe fähig vorkommt , sind sie nicht das selbe !

stefan, Freitag, 30.September 2016, 18:48 Uhr

1. Notfall-Medikamente

Es geht hier auch um den Einsatz der sogenanten Notfall-Medikamente bei Tieren. - Diese kommen bei Menschen nur zum Einsatzt, wenn KEIN anderes Antibiotika mehr hilft! - Durch den Einsatz in der Massentierhaltung besteht die GEFAHR das sich dort Multiresisstenter Erreger bilden !!

In Amerika ist die Reaktion auf solche Erreger, das Fleisch gechlort wird (Stichwort Clor-Huhn). Sh. Film Food inc.