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Immer mehr kleine Waffenscheine Die Bayern rüsten weiter auf

Immer mehr Menschen in Bayern beantragen den sogenannten "kleinen Waffenschein". Warum dies so ist, darüber lässt sich laut Innenministerium nur spekulieren.

Von: Petra Zimmermann

Stand: 29.08.2016

Mann mit Schreckschuss-Pistole | Bild: picture-alliance/dpa

Reizgas-, Schreckschuss- und Signalwaffen darf man mit sich führen, wenn man einen kleinen Waffenschein hat. Und immer mehr Menschen in Bayern wollen diesen besitzen. Bis Ende Juni wurden insgesamt 71.608 kleine Waffenscheine ausgestellt. Der Vorläufige Höhepunkt eines seit Monaten andauernden Anstiegs (siehe Grafik).

Die Antragsteller müssen nicht angeben, wofür sie den Waffenschein benötigen - das Ministerium räumt jedoch ein, dass die starke Zunahme Ausdruck einer gewissen Verunsicherung in Teilen der Bevölkerung sei. Dies stehe jedoch "in einem Widerspruch zu der objektiven Sicherheitslage, die sich auch in den letzten Monaten nicht verschlechtert hat", so ein Sprecher.

Mehr Sicherheit durch Spray und Schreckschuss?

Das Problem dabei: Viele dieser Waffen sehen scharfen Pistolen oder Revolvern täuschend ähnlich. Streifenbeamte müssen aber oftmals in Sekundenschnelle entscheiden, welcher Konfrontation sie ausgesetzt sind. Eine Situation, die sowohl Einsatzkräfte als auch Tatbeteiligte einer unnötigen Gefahr aussetzen kann.

AfD äußert Verständnis

Für AfD-Chefin Frauke Petry ist dies kein Anlass für Besorgnis: Sie hat durchaus Verständnis dafür, dass sich die Menschen mit Reizgassprays und Schreckschusswaffen ausrüsten.

"Viele Bürger fühlen sich zunehmend unsicher. Jeder Gesetzestreue sollte in der Lage sein, sich selbst, seine Familie und seine Freunde zu schützen."

Frauke Petry, Vorsitzende AfD

Kontra gab es dafür von CDU-Vize Thomas Strobl: Nicht der Bürger solle zur Waffe greifen - der Staat habe für die Sicherheit der Menschen zu sorgen.

"Offenbar will Frau Petry, dass der Staat kapituliert und die Bürgerinnen und Bürger sich selbst in Wild-West-Manier schützen. Der Staat hat für die Sicherheit der Menschen zu garantieren."

Thomas Strobl, Vize-Vorsitzender CDU

Große Waffenscheine rückläufig

Auch bundesweit lassen sich ähnliche Tendenzen erkennen. Waren Ende 2015 noch 285.911 kleine Waffenscheine im Nationalen Waffenregister (NWR) gespeichert, ist die Zahl bis Ende Juli 2016 mittlerweile auf 412.512 angewachsen, wie das Bundesinnenministerium auf dpa-Nachfrage mitteilte.

Die Anzahl der großen Waffenscheine sei seit 2014 jedoch rückläufig, aktuell gebe es noch rund 12.200.


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Witness, Montag, 29.August 2016, 23:29 Uhr

15. Sinnvoller als der kleine Waffenschein wären gute Zeugenbeobachtungen

Denn damit kann die Polizei auch arbeiten.

Der war groß, der war klein, das Auto schwarz, grün oder blau, der hatte Bart, der war blond, grau-meliert oder sonst was, das Kennzeichen weiß ich nicht und überhaupt, ging alles so schnell. Wie oft bekommen das Polizeibeamte tagtäglich zu hören?

Block, Stift, Handycam und eine gute Auffassungsgabe bringen mehr als jeder kleine Waffenschein.

Martin, Montag, 29.August 2016, 13:17 Uhr

14. Entwaffnete Opfer

Fakt ist, ordentliche Bürger werden in Deutschland entwaffnet und Täter dadurch gestärkt.
Der Staat beansprucht das Gewaltmonopol, kann aber schon längst nicht mehr liefern.
Wir sollten uns an den Tschechen orientieren, die fordern Ihr Bürger dazu auf mehr Waffenscheine zu beantragen. Damit durchgeknallte Typen nicht eine ganzen Zug voller Leute killen können ohne gestört zu werden.

Klaus Blank, Montag, 29.August 2016, 13:12 Uhr

13. Rechtsstaat

Der Staat ist nicht mehr in der Lage, seine Bürger ausreichend zu schützen. Der Anstieg bei den Anträgen zum "kleinen Waffenschein" ist die unmittelbare Folge daraus. Und dann auch noch die Hamsterempfehlung der Regierung. Wohin soll das noch führen?

Im Morgenmagazin des ZDF war heute zu hören, das 52% der Deutschen die Kanzlerin und ihre Regierung ablehnen.

Bleibt nur zu hoffen, daß es die Deutschen bei der nächsten Wahl schaffen, eine Wende herbeizuführen.

Eine Regierung, die für die Sicherheit Ihrer Bürger sorgt, ist eine Grundvoraussetzung für einen demokratischen und sozialen Rechtsstaat in der Mitte Europas.

  • Antwort von Blaus Klang, Montag, 29.August, 13:44 Uhr

    Merken Sie was, Klaus Blang?
    Wenn Sie die BR und anderen Nachrichten aufmerksam verfolgten haben, müsste jetzt etwas ins Gedächtnis kommen. Na? Klickt's?
    Vor wenigen Monaten hatten wir schon mal das ähnliche subjektive Unsicherheitsgefühl, na, jetzt haben Sie es - bei der Einbruchskriminalität.
    Gleiches Unwohlsein und Unsicherheitsgefühl, aber ähnlich von der Ursache. Be cool.
    Amerikaner bekommen tagtäglich "be prepared, be informed, make a plan" vor die Nase gesetzt und die Leben noch immer. Sich mal ein paar Gedanken machen, "was mache ich wenn" verstehe ich als Anregung und sehe keinerlei Krise, die bedrohlich erscheint. Ok, ein Hackerangriff auf Infrastruktur ist wahrscheinlicher geworden.
    Ohne Strom ist zwar blöd, aber die Welt geht nicht unter ;-)

  • Antwort von Cosi, Montag, 29.August, 15:37 Uhr

    @Klaus Blank
    Welche Wende hätten sie denn gerne , Polizeistaat wie früher in der DDR? Vielleicht noch ne kleine Mauer , so wie Mauer to Go oder Mauer light ?

    Für Sicherheit ist jeder Bürger mitverantwortlich.
    Wenn sich alle Bürger mehr um ihre eignen Sachen kümmern würden hätte der Staat auch mehr Zeit für die Kriminellen.
    Wenn man natürlich jede Woche auf die Straße geht und von Montags bis Samstags demonstriert bleibt nicht so viel Spielraum für die Polizei. Ferien müssen sie ja auch mal machen.

Kleiner, Montag, 29.August 2016, 13:04 Uhr

12. Deliktsverschärfung beim unsachgemäßen Gebrauch

Was von den Käufern oftmals nicht beachtet wird, ist die Tatsache, daß jedes vorgeworfene strafbare Delikt durch den Einsatz dieses "Werkzeuges" eine Verschärfung nach sich zieht. Aus einer Körperverletzung wird automatisch eine "gefährliche Körperverletzung", solange das Tun nicht durch Notwehr gerechtfertigt ist. Dadurch gleichzeitig ein Offizialdelikt, das von amtswegen verfolgt werden muss.
Ganz zu schweigen von möglichen Tötungsdelikten.
Wer sich mit einer solchen Anschaffung beschäftigt, sollte sich vorher gründlich rechtskundig machen.

Auch das Risiko, dass Zeugen "jemand mit Waffe" melden und herumfuchteln sieht, risikiert den Einsatz der "Dampfhammertruppe" auch SEK genannt. Die Schäden und Schadensersatz sind vom Verursacher zu tragen. Nebenbei könnte man selbst zum Ziel der Polizei werden.

Schlichtweg - keine gute Idee und birgt eher ein falsches, trügerisches Sicherheitsgefühl.

Lotti, Montag, 29.August 2016, 12:51 Uhr

11. Gefährlich

Jede Waffe kann gegen den Träger selbst gerichtet werden. Will man als Normalo wirklich mit einem Pfefferspray einem professionellen Gewalttäter entgegentreten? Na viel Spaß dabei.
Übrigens: Will sich der Mann auf dem Symbolfoto gerade in den A* schießen? Aber warum denn?

  • Antwort von Leo Bronstein, Montag, 29.August, 13:25 Uhr

    Sind Sie wirklich der Meinung, dass zum Beispiel Sexualstraftäter professionelle,also berufsmäßige und in dem Bereich geübte Täter sind?

  • Antwort von Leo Bronstein, Montag, 29.August, 13:46 Uhr

    Betonung liegt auf kann.

    Oder gibt es verlässliche Datensätze, die eine Gefährdung des Verteidigers, durch die Verwendung von Pfefferspray, beweisen würden?