32

Talkshow "Anne Will" Aufregung um Auftritt einer Islamistin im Niquab

Der Auftritt einer vollverschleierten Frau bei "Anne Will" hat scharfe Kritik hervorgerufen. Wurde dem radikalen Islam in der Sendung ein Forum geboten? Die Redaktion verteidigt die Einladung der Frau.

Von: Peter Solfrank

Stand: 07.11.2016

Nora Illi | Bild: picture-alliance/dpa| Karlheinz Schindler

Eingeladen bei "Anne Will" war Nora Illi. Sie bezeichnet sich als muslimische Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrates der Schweiz. Dieser jedoch ist keineswegs eine Art Dachorganisation für die rund vierhunderttausend Muslime in der Schweiz, so wie es der Name vermuten lässt. Vielmehr handelt es sich um einen radikal-islamischen Verein, der vom Nachrichtendienst beobachtet wird.

In der Sendung wurde ein Text Illis eingeblendet, in dem sie wenig verhüllt Verständnis für junge Frauen äußert, die nach Syrien zur IS-Terrormiliz gehen wollen. Die einzig merkliche Distanzierung von den Gräueltaten des IS: Dass der Krieg eine "bitterharte Langzeitprüfung mit ständigen Hochs und Tiefs" sei.

Den Psychologen Ahmad Mansour, der im Auftrag des Vereins Hayat gefährdete Jugendliche betreut und die Szene sehr gut kennt, hielt es da nicht mehr auf dem Stuhl:

"Das kann man in einem öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht machen. Das ist offene Kriegspropaganda."

Ahmad Mansour, Psychologe

NDR verteidigt sich

Die Sendung verantwortet der Norddeutsche Rundfunk. Die zuständige Redakteurin der Sendung, Juliane von Schwerin, erklärte, für das gewählte Thema der Sendung und in Kombination mit den anderen Gästen "hielten und halten wir ihre Teilnahme für vertretbar und richtig".

"Die umstrittene Haltung von Frau Illi zum Beispiel zur Problematik der Ausreise von Jugendlichen nach Syrien ist deutlich zutage getreten und heftig debattiert worden."

Stellungnahme des NDR

Dagegen kommentierte die frühere baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD):

"Zustimmung. Provokation. Und Quote. Morgen redet jeder darüber. Medienkrise zu Zeiten von Talkshow-Overkill."

Bilkay Öney (SPD)


32