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Dorothee Bärs Anregung Beispiel Flugtaxi - die Angst der Deutschen vor Innovation

Die neue Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär hat ein Thema gesetzt, das die meisten von uns noch nicht kannten: Flugtaxis. Handelt es sich dabei tatsächlich um eine Zukunftstechnologie? Und: Müssten wir Deutsche offener sein für Innovationen?

Von: Astrid Halder, Nadja Armbrust, Alexander Loos

Stand: 15.03.2018

Flugtaxi | Bild: picture-alliance/dpa

Es klingt wie Science Fiction: Man steigt mitten in der Stadt in einen kleinen Hubschrauber, hebt damit ab und lässt sich über den Verkehr hinweg zum nächsten Termin fliegen. Doch tatsächlich arbeiten Firmen bereits daran, zum Beispiel das deutsche Unternehmen Volocopter. Seit sieben Jahren entwickeln die Karlsruher das futuristische Fluggerät. Es sieht aus wie ein Helikopter mit vielen kleinen Rotoren, statt einem großen. Der Vorteil: Der Volocopter sei sehr leise und leicht zu fliegen, sagt Mitgründer Alexander Zosel:

"Das Fliegen selber war erstaunlicherweise anders als mit allen anderen Fluggeräten, weil es extrem stabil war. Es war wie 'hingenagelt' in die Luft, als würde man auf Schienen fahren."

Volocopter-Mitgründer Alexander Zosel

Ideen für Innovationen aus Science-Fiction-Romanen

Wenn die Technik für Flugtaxis schon so weit ist, warum fliegen sie nicht längst über unseren Städten? Die neuen Fluggeräte müssten erst einmal mit dem bestehenden Luftverkehr abgestimmt werden. Und außerdem sei die Skepsis der Leute zu überwinden, sagt Alexander Zosel: "Es gibt ganz viele, die das schlecht reden, die behaupten, das kann nicht fliegen und, und, und. Das sind wir eigentlich gewohnt." Scheinbar können sich viele nicht mit Neuerungen anfreunden, die sie aus Science-Fiction-Literatur kennen.

Doch der Gedanke, zukunftsweisende Ideen aus Romanen aufzugreifen, ist nicht abwegig. Literaturwissenschaftlerin Klaudia Seibel wird von Unternehmen dafür bezahlt, um genau das zu tun. Für uns selbstverständliche Dinge, wie etwa das Smartphone, galten früher als verrückt, so Seibel: "Aber wenn sich der technische Hintergrund ändert, dann passt auch das Gadget rein."

"Da kann wirklich was draus werden, es ist nicht nur Spinnerei!"

Ob solche Innovationen in einer Gesellschaft angenommen werden oder nicht, ist von Land zu Land unterschiedlich. Japan gilt als besonders innovationsfreundlich. In Dubai sind Flugtaxis zum Teil schon im Einsatz. Und vergangenen Montag hatte Google-Chef Larry Page bei der renommierten Technik-Messe South by Southwest in Austin angekündigt, in Lufttaxis investieren zu wollen.

In den US-amerikanischen Tech-Hochburgen hat der Glaube an gewagte Neuerungen eine lange Tradition. "Die ganze Silicon-Valley-Kultur kommt aus der Nerd-Science-Fiction-Kultur", sagt Klaudia Seibel. "Jeder, der da ist, sagt: Ich habe in meiner Jugend das und das und das gelesen und das wollte ich jetzt erfinden. Deshalb haben sie mittlerweile auch eine höhere Akzeptanz, um zu sagen: Da kann ja wirklich was draus werden, es ist nicht nur Spinnerei."

Sicherheit statt Innovation bei den Deutschen?

Die Deutschen scheinen da etwas zurückhaltender zu sein. Sie legen viel Wert auf Sicherheit, kontrolliert durch Behörden. Für die Soziologin Sabine Pfeiffer von der Uni Erlangen-Nürnberg sind die Unterschiede historisch bedingt:

"Hier hat man eher eine Philosophie, die sagt: Der Staat soll dafür sorgen, dass gewisse Dinge gewährleistet sind. Woanders ist das weniger so. Das sind gewachsene Unterschiede."

Soziologin Sabine Pfeiffer, Uni Erlangen-Nürnberg

Das erschwert es Volocopter-Erfinder Alexander Zosel, sein Flugtaxi hierzulande populär zu machen. An seiner Vision hält er aber trotzdem fest: "Das ist das, was mich so fasziniert: Eben nicht auf der Stelle stehen, sondern das Neue erobern."


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