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Bei Amoklauf von München Hubschraubermangel führte zu Einsatzpanne

Drei Wochen nach dem Amoklauf von München werfen neue Recherchen des "Spiegel" kein gutes Licht auf die Ausrüstung der Bundespolizei. Wegen eines fehlenden Hubschraubers konnten Spezialkräfte aus anderen Bundesländern direkt nach dem Massaker nicht nach Bayern gebracht werden. Die politische Debatte über die Konsequenzen geht derweil weiter.

Stand: 12.08.2016

Spezialkräfte der Polizei nach dem Amoklauf in München | Bild: picture-alliance/dpa

Eigentlich sollten während des Amoklaufs von München Spezialeinheiten der Bundespolizei schnell in den Freistaat verlegt werden. Nach Informationen des "Spiegel" sollten die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten Plus aus Blumberg bei Berlin und St. Augustin bei Bonn zu Hilfe kommen. Diese Einheiten waren nach den Terrorangriffen von Paris eigens gegründet worden.

Kein Helikopter zur Verfügung

Ein Transport scheiterte laut dem Nachrichtenmagazin aber daran, dass die Hubschrauber für die GSG 9 im Einsatz waren. Die GSG 9 war auch nach München geschickt worden; sie musste zunächst am Franz-Josef-Strauß-Flughafen landen.

Der Bundespolizei fehlt es an Material für den Lufttransport. Erst recht, seit 2013 zwei Hubschrauber kollidiert und abgestürzt sind. Sie wurden bisher nicht ersetzt, obwohl das die Bundespolizei erbeten hatte.

Politische Diskussion hält an

Nach dem Amoklauf sowie den Anschlägen von Würzburg und Ansbach geht unterdessen die politische Debatte über die Konsequenzen weiter. So wird über die Möglichkeit eines Bundeswehreinsatzes im Innern diskutiert. Während die Union das befürwortet, sieht der Koalitionspartner SPD solche Einsätze skeptisch. Die meisten Bundesbürger stehen hier der Union näher: Laut ZDF-"Politbarometer" sprechen sich 72 Prozent der Befragten dafür aus, dass die Bundeswehr in solchen Fällen die Polizei unterstützen darf. 26 Prozent halten eine solche Ausweitung von Bundeswehreinsätzen im Inneren, die bisher auf den Katastrophenfall begrenzt sind, für falsch.

In der Diskussion ist auch das Sicherheitspaket von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) . Die im Landtagswahlkampf stehenden CDU-Spitzenkandidaten Frank Henkel (Berlin) und Lorenz Caffier (Mecklenburg-vorpommern) bekräftigten in der ARD ihre (und de Maizières) Position: Sie wollen die doppelte Staatsbürgerschaft abschaffen und Burkas verbieten. Indes sprach sich die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), gegen die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft aus. Die Pässe hätten nichts mit den Terroranschlägen zu tun, sagte die SPD-Politikerin.

Burka-Streit wird hitziger

Auch die Forderung von Unionspolitikern nach einem Burka-Verbot sei absurd und habe nichts mit der Sicherheit in Deutschland zu tun, so Özuguz weiter. Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin warf der Union vor, aus Angst vor Rechtspopulisten die Themen der AfD zu bedienen. Kleidungsvorschriften oder die Abschaffung des Doppelpasses für Türken führten nicht zu mehr Sicherheit.

Bei dem Amoklauf in München hatte ein 18 Jahre alter Amokschütze am 22. Juli beim Olympia-Einkaufszentrum in München neun Menschen erschossen. Anschließend tötete er sich selbst.


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