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Religion in Zahlen Wie christlich ist Bayern?

Nach Markus Söders Kreuzerlass ist die Debatte über das Für und Wider eines christlichen Symbols in staatlichen Behörden groß. Doch wie christlich ist Bayern überhaupt?

Von: Caroline Eichhorn

Stand: 02.05.2018

Kreuz im Gegenlicht | Bild: colourbox.com

Auf dem Papier ist Bayern nach wie vor sehr christlich geprägt. Über die Hälfte der Bayern sind Katholiken - damit ist der Freistaat das Bundesland mit dem höchsten römisch-katholischen Bevölkerungsanteil in Deutschland. Rund jeder Fünfte in Bayern ist Protestant. Das klingt viel - doch die Kirchen verzeichnen in Bayern jedes Jahr mehrere Zehntausend Austritte. 1987 etwa waren noch zwei Drittel der Bayern katholisch.

Altbayern katholisch

Die Verteilung ist regional sehr unterschiedlich. So sind im altbayerischen Niederbayern 74 Prozent der Bevölkerung katholisch, im protestantisch geprägten Mittelfranken hingegen ist fast die Hälfte evangelisch.

Religionszugehörigkeit in Bayern

Viele Austritte in München

Noch größere Unterschiede kommen zutage, wenn man auf die bayerischen Bistümer blickt: In der Erzdiözese München und Freising etwa gibt es die meisten Kirchenaustritte deutschlandweit. Nur noch gut 40 Prozent der Bevölkerung sind in München katholisch, gut 14 Prozent sind evangelisch.

Katholikenhochburg Passau

In Passau hingegen findet man das Gegenteil vor: Mit 469.896 Katholiken in der Diözese Passau liegt der Anteil hier bei 76 Prozent an der Bevölkerung - das ist der höchste innerhalb der Diözesen in Deutschland.

Weniger Taufen

Doch ob die auf dem Papier registrierten Christen auch tatsächlich ihren Glauben praktizieren, ist eine ganz andere Frage. Nur 22 Prozent der Westdeutschen gehen mindestens einmal im Monat in eine Kirche oder zu einem sonstigen spirituellen Ritual, so der Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2013. Die Zahl der Taufen, Firmungen, Kommunionen und Konfirmationen sinkt laut den Kirchen sowohl bei den Katholiken als auch bei den Protestanten.

Katholischen und evangelischen Taufen

Jeder zweite Westdeutsche glaubt, dass Gott existiert

Ein tägliches Gebet praktiziert laut des Religionsmonitors rund jeder vierte Westdeutsche. Und jeder zweite Westdeutsche glaubt „ziemlich“ bzw. „sehr“ daran, dass Gott, Gottheiten oder etwas Gottähnliches existiert.

Und was halten Christen von Kreuzen in Behörden? Das Thema polarisiert:

"Das Kreuz bedeutet für mich Kirche, Frömmigkeit, Gläubigkeit. Es bedeutet mir sehr viel. Aber Markus Söders Idee ist nicht in Ordnung. Kreuze sind kein Kulturteil, sie sind ein christliches Symbol."

Straßenumfrage

"Ich bin christlich erzogen worden, wie die meisten hier in Bayern. Gegen Kreuze in Behörden habe ich nichts einzuwenden, schließlich sind wir eine christliche Gesellschaft."

Straßenumfrage

"Ich bin nicht besonders gläubig und Kreuze finde ich sowieso hässlich. In Deutschland gilt die Religionsfreiheit. Jeder sollte für sich selbst entscheiden an was er glaubt. In öffentlichen Gebäuden finde ich Kreuze unangebracht. Denn sie sind für alle da - von allen Religionen."

Straßenumfrage

Immer weniger Christen

Klar ist: Im Freistaat leben immer weniger Christen. Mittlerweile gehört jeder Vierte in Bayern einer anderen Glaubensrichtung an oder hat keine Religion – dreimal so viele wie noch 1987. Die zweitgrößte Religionsgemeinschaft ist der Islam. Rund 600.000 Muslime leben in Bayern, schätzt das Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa (EZIRE).

Immer mehr Nichtgläubige

Wie viele Menschen an gar nichts glauben ist unbekannt - sie werden statistisch nicht erfasst. Doch die Ergebnisse des Religionsmonitors sowie vergleichbarer internationaler Studien legen nahe, dass es immer mehr werden. Es gäbe einen schleichenden Bedeutungsverlust des Religiösen von der älteren zu den jüngeren Generationen. Das zeigt auch die Untersuchung des Bayerischen Rundfunks "Dein 2020" aus dem Jahr 2010. Nur acht Prozent der gut 500 Befragten im Alter zwischen 15 und 25 Jahren beurteilten Glaube und Religion als für sie sehr wichtig.


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