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Feriendomizile Vorsicht bei Internet-Buchungen!

Architektin Helen muss beruflich flexibel sein und kann ihren Urlaub immer erst kurzfristig buchen. So war es auch vergangenes Jahr Weihnachten. Eine Entscheidung, die sie bis heute bereut.

Von: Lisa Wurscher

Stand: 15.03.2017

Graumarkt-Übernachtungen bei Airbnb | Bild: picture-alliance/dpa

Wenige Wochen vor dem Fest hat sie nach einem Ferienhaus am Arlberg gesucht – über das Internet-Portal Airbnb. Ihre erste Buchung über die In-Plattform. Eine Entscheidung, die sie bis heute bereut, weil sie Betrügern zum Opfer gefallen ist. Dabei hatte alles so gut angefangen: Auf der Webseite von Airbnb hat sie ein Chalet entdeckt, in dem sie mit ihren Söhnen den Winterurlaub verbringen wollte. 

Airbnb gilt als weltweit führender Ferienwohnungs-Vermittler

Rund 60 Millionen Gäste haben über diese Plattform bereits Privatquartiere für die Ferien gebucht – und damit auch ein ganz besonderes Lebensgefühl. Im Urlaub wohnen wie ein Einheimischer: Das liegt im Trend. Rund zwei Millionen Privatunterkünfte sind dort online. Darunter befinden sich hin und wieder auch sogenannte Fake-Inserate - also Angebote, die es gar nicht gibt. Um die Kunden abzusichern, bietet Airbnb einen Treuhandservice für die Bezahlung an und warnt davor, Vorkasse auf fremde Konten zu leisten oder auf gefälschte E-Mail-Adressen hereinzufallen.

Genau das ist Helen passiert

Ihr ist nicht aufgefallen, dass die angebliche Vermieterin gefälschte Mailadressen und Airbnb-Logos verwendet hat, zumal sie massiv unter Zeitdruck war.

"Der Druck von der Vermieterin zu sagen, es ist jetzt nur noch ein Monat bis Weihnachten: Jetzt mach mal zu, triff eine Entscheidung, sonst bekommt es jemand anderes. Da ist mir natürlich heiß geworden und ich habe mir gedacht, oh je, dann habe ich Weihnachten und kein Ferienhaus."

Helen

Eine verhängnisvolle Buchung

Und so kam es dann im November 2016 zu der verhängnisvollen Buchung. 6.000 Euro hat sie für den 14-tägigen Aufenthalt überwiesen – nicht an den Airbnb-Treuhandservice, sondern auf ein Konto in Tschechien.

Als der Kontakt zur angeblichen Vermieterin nach der Überweisung abgerissen ist, hat sie Strafantrag wegen Betruges gestellt. Auch gegen Airbnb.

Der Polizei ist das Problem bekannt

Allein in München gehen derzeit zwei bis drei Anzeigen pro Woche ein.

"Die Opfer sprechen jeweils von derselben Masche. Sie reagieren auf Angebote, die besonders verlocken – weil sie eben besonders schön oder besonders günstig sind – und werden dann auch vom Anbieter unter Zeitdruck gesetzt. Sie sollen möglichst schnell das Geld überweisen, weil sonst die Wohnung nicht mehr zu haben, oder das Angebot nicht mehr gültig ist."

Manuela Neueder, Kriminalhauptkommissarin aus München

Die Täter sitzen meistens im Ausland. Sie zu erwischen ist fast unmöglich.

Eine rechtliche Grauzone

Helen möchte auch zivilrechtlich gegen Aibnb vorgehen und ihren finanziellen Schaden einfordern. Einfach wird das nicht, denn die Fake-Inserate fallen in eine rechtliche Grauzone.

"Sieht man sich die Situation genauer an, wird man jedoch feststellen, dass es für Airbnb gar nicht so kompliziert gewesen wäre, die Betrugsfälle ausfindig zu machen und zu eliminieren. Sämtliche Beschreibungen sind auf Englisch gehalten und es wird immer gewünscht, direkt Kontakt aufzunehmen, außerhalb des Airbnb-Portals. Erstaunlicherweise musste meine Mandantin Airbnb auch mehrfach anmahnen, bevor das Betrugsangebot, auf das sie hereingefallen ist, endlich gelöscht wurde. Nach wenigen Tagen war dasselbe Angebote wieder online, nur unter anderer Angebotsnummer. Offensichtlich nimmt Airbnb eine Prüfung der Webseite auf diese Weise nicht vor."

Jens Magers, Rechtsanwalt für Wirtschaftsrecht, Kanzlei Rittershaus

Wie dieser Fall ausgeht, ist ungewiss. Besser ist es jedenfalls, gar nicht auf ein Betrugs-Inserat hereinzufallen. Sie sollten deshalb mit ihrem Vermieter nur über Airbnb kommunizieren und auch nur über den Treuhandservice von Airbnb bezahlen. Kommen Zweifel auf, fragen Sie bei der Polizei nach. Die hilft auch, bevor es zu spät ist.

Gerne hätten wir von Airbnb eine Stellungnahme zu den Betrugsfällen veröffentlicht. Doch bis heute haben wir keine Antwort auf unsere Anfragen erhalten.

Kurz vor der Sendung hat sich Airbnb dann doch noch bei uns gemeldet und uns folgendes Statement geschickt:

“Airbnb schützt Gastgeber und Gäste durch die Abwicklung aller Transaktionen über seine sichere Zahlungsplattform. Wir haben zahlreiche Hinweise auf unserer Seite, um unsere Gäste zu warnen, die Bezahlung und Kommunikation ausschließlich über die Plattform abzuwickeln, damit ihr Geld zu jedem Zeitpunkt geschützt ist. Der sichere Zahlungsverkehr ist einer der Gründe, warum so viele Gäste über Airbnb buchen. Mehr als 160 Millionen Gäste haben bislang über Airbnb bei Gastgebern übernachtet, Probleme für Gastgeber oder Gäste sind sehr selten. Im Sinne unseres hohen Anspruchs an unseren Kundenservice sind wir mit dem Gast in Kontakt und haben unsere Unterstützung angeboten.”


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Wolf, Freitag, 17.März 2017, 19:26 Uhr

3. Akademikern?

6000 Öcken für 14 Tage? Ich hab jetzt nicht wirklich Mitleid.

Hermann, Freitag, 17.März 2017, 18:44 Uhr

2. selber schuld

Beruflich flexibel und EUR 6.000 für eine Wohnung über die Feiertage zahlen können, da deutet nicht darauf hin, dass es sich bei der Dame und eine Arbeitnehmerin auf Mindestlohnbasis ohne besondere Fähigkeiten handelt.
Warum hat sie den sicheren Treuhandservice von Airbnb nicht genutzt und sich von den Worten "nur noch 1 Monat bis Weihnachten" wild machen lassen? Wenn die gute Frau den Verstand ausschaltet und unüberlegt handelt, kann man nur sagen: Selber schuld. Da muss sie auch danach nicht herumheulen.

mememe, Freitag, 17.März 2017, 15:35 Uhr

1. Der mündige Verbraucher...

Katze in die Mikrowelle stecken und dann den Hersteller verklagen!

  • Antwort von katzenfreundin, Freitag, 17.März, 21:35 Uhr

    Dieser blöde Kommentar erübrigt sich von selbst; wie kann man so ein absolut dummes Beispiel bringen!
    Die Deppen sterben wohl nie aus!