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Zweckentfremdung Airbnb: Auf der Suche nach illegalen Ferienwohnungen

München kämpft seit Jahren gegen illegale Wohnungsvermietung, auch bei Airbnb. Acht Wochen lang dürfen Eigentümer oder Mieter ihre Wohnung ohne Genehmigung an Feriengäste vermieten. Jeder Tag mehr gilt als so genannte Zweckentfremdung, also als eine illegale Weitervermietung. Das Münchner Wohnungsamt setzt zur Kontrolle Ermittler ein.

Von: Moritz Steinbacher

Stand: 03.08.2018

Mehrfamilienhäuser in der Münchner Innenstadt. | Bild: BR/Fabian Stoffers

Ein Wohnhaus irgendwo in München. Es ist sieben Uhr morgens als Tobias Stöckl und Felix Daum an einer Tür klingeln. Die beiden sind vom Wohnungsamt München. Ihr Verdacht: Die Wohnung wird illegal an Touristen vermietet. Nun brauchen sie die Personalien der Mieter:

Guten Morgen, Landeshauptstadt München. Wir überprüfen diese Wohnung. Haben Sie einen langfristigen Mietvertrag? - Nein, wir haben einen Untermietvertrag. - Wieviel zahlen sie denn pro Monat? - Das weiß ich nicht, das macht mein Kollege. Aber der schläft noch. - Können Sie sich ausweisen? - Ich bin doch gar nicht verpflichtet, ihnen meinen Ausweis zu zeigen. - Dann müssten wir die Polizei rufen, die ihre Personalien aufnimmt. - Dafür habe ich keine Zeit. Weder für die Polizei, noch für sie. (Dialog an der Wohnungstür)

Touristen oder Mieter?

Ohne Personalien ist es für die beiden schwer nachzuweisen, dass tatsächlich Touristen die Wohnung nutzen. Felix Daum verständigt die Polizei:

Wir haben den Hinweis, dass zweckentfremdet wird, dass eben länger als acht Wochen die Wohnung vermietet wird.
Felix Daum, Wohnungsamt München

Plötzlich verlässt der Mann die Wohnung. Als er die Ermittler vom Wohnungsamt auf der Straße sieht, sagt er, er kenne sich mit den Gesetzen aus. Felix Daum reagiert: "Dann wüssten sie, dass sie uns eigentlich Auskunft geben müssten."

Gute Geschäfte mit Kurzzeitvermietungen als Ferienwohnung à la Airbnb

Festhalten dürfen sie ihn nicht. Das Geschäft mit der illegalen Vermietung an Touristen ist gut. Zwischen 100 und 250 Euro pro Tag verdienen die Vermieter. Deswegen hat der Münchner Stadtrat vor einem Jahr die Bußgelder erhöht - auf bis zu 500.000 Euro. Im Oktober 2017 wurde ein Vermieter sogar zu einer Haftstrafe verurteilt.

Bei den Ermittlern ist gerade die Polizei eingetroffen. Sie wollen jetzt die Personalien des zweiten Mannes aufnehmen, der sich wohl noch in der Wohnung befindet.

Airbnb verschärft Wohnungssituation in München

Portale wie Airbnb verschärfen das Wohnraumproblem in München, sagt Sebastian Huss vom Wohnungsamt München. Über 200 Wohnungen konnte sein Amt letztes Jahr erfolgreich dem Wohnungsmarkt zurückführen - die sind also wieder frei für normale Mieter.

"Jede Wohnung zählt. Die Stadt München müsste circa 46 Millionen Euro aufbringen, um die 200 geretteten Wohnungen aus 2017 selber herzustellen." Sebastian Huss, Wohnungsamt München

Schwierige Suche nach Beweisen

Zurück zu den beiden Ermittlern. Zusammen mit der Polizei kommen sie aus dem Haus. Tobias Stöckl erzählt was passiert ist: "Der Eine, der noch in der Wohnung war, ist noch drin, allerdings ist selbst bei der Polizei, als die intensiv geklopft und geklingelt habe, keine Reaktion erfolgt."

Nicht einmal der Einsatz der Polizei hilft etwas. Denn einfach aufbrechen dürfen sie die Wohnung nicht. Die Ermittler müssen weiter dran bleiben und irgendwie an die Beweise kommen.


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Dieter, Montag, 06.August, 10:28 Uhr

7. dass die Stadt München nun so hart gegen Airbnb Vermieter angeht

...ist höchst merkwürdig und hält die Touristen nicht wirklich davon ab nach München zu kommen.
Die Stadtverwaltung ist durchaus daran interessiert, dass viele Touristen in die Stadt kommen und so Ihr Geld da lassen. Ein Angehen gegen Airbnb Vermieter, ist aus meiner Sicht nur ein Versuch die Menschen, die keinen bezahlbaren Wohnungen finden, ruhig zu stellen, denn die Touristen kommen auch nach München ohne die Airbnb Vermieter und blockieren somit Wohnraum.
Nicht Airbnb verursacht Wohnraumverknappung, es sind schlicht weg die Touristen und die werden nicht weniger.
Lösung 1 (Erhöhung der Kur-Taxe) mit hohen Übernachtungssteuern kann man fast jeden Tourist zum fernbleiben überreden.
Lösung 2 (städtischer Wohnungsbau) Wohnraum bleibt in öffentlicher Hand.
Es gibt sicher noch schlauere Lösungen.
Die Mieten werden in München nicht günstiger werden nur weil letztes Jahr über 200 Wohnunge erfolgreich dem Wohnungsmarkt zurückgefüht wurden. Die Preise steigen weiter...

Amt für Schwarzgeld, Subvention und Steueroptimrg., Samstag, 04.August, 09:48 Uhr

6.

Ja mei, Kontrollen mag die Regierungspartei gar nicht, siehe die ganzen Firmenskandale. Das ist ja einer der "Vorzüge" von Bayern, wie eben in einer Bananenrepublik mit Spezl- und Amigowirtschaft.

Many, Freitag, 03.August, 11:14 Uhr

5. Kontrollen

egal von wem, mögen diverse Oppositionsparteien garnicht. Nur mit so einer Einstellung ist halt kein Staat zu machen.Das mag in linken Gegenden,wie Hamburg,Berlin und andere Stadtteile im Ruhrgebiet ganz toll sein ,aber der Steuerzahler muß dafür aufkommen.

  • Antwort von PS_ED, Freitag, 03.August, 11:45 Uhr

    Hab ich etwas überlesen, oder wo hat welche Oppositionspartei (vielleicht AfD) etwas gegen die Kontrollen gesagt?

    Ich kann mir nur die neoliberalen Opposition FW, AfD und FDP vorstellen, die hier für einen möglischt großen Gewinn für Wohngsbesitz ist, vorstellen!

    Grüne, Linke und SPD werden eher für kontrollen sein, dens
    - der Vermieter um einen Mieter kümmern, d.h. ein Mieter weniger auf dem Wohnungsmarkt, das senkt die nachfrage!
    - Die "Gäste" müssen in Hotels und Pensionen ihr glück verscuhen und dies stärkt die Hotels und damit können die Kollegen im Hotelgewerbe höhere Löhne einfordern!

    Also wie gesagt, bitte erläutern sie ihr "Linken" Bashing!


Khan, Freitag, 03.August, 10:44 Uhr

4. Wohnungsnot

Ich wäre echt mal Dankbar wenn unsere geliebte Bundesregierung bzw. Landesregierung mal endlich ernsthafte Maßnahme entgegensetzt.

Seit 2015 wird nur noch über Asyl, in einem höchst unzivilisierten Ton, „gesprochen“. Die Wohnungsproblematik hat überhaupt keine Rolle gespielt obwohl die Probleme gewachsen sind!

Seltsamerweise höre ich da von der Union und von den rechtsradikalen AFD gar nichts zu!

  • Antwort von Trolli , Freitag, 03.August, 11:36 Uhr

    Ohne Hetze geht es nicht, oder? Aber sich über den Ton beschweren!

  • Antwort von Negan, Freitag, 03.August, 13:23 Uhr

    @Trolli: Wieso werfen SIe Khan Hetze vor? Ich kann nichts erkennen, was nicht zu 100% der Wahrheit und der Realität entspricht und sich zigfach beweisen lässt! Ihre Antwort ist beleidigend!

  • Antwort von Herr Meier, Freitag, 03.August, 13:25 Uhr

    @Khan: Stimmt so nicht, die rechtsradikale AfD macht natürlich die Flüchtlinge für die Situation verantwortlich. Nachzulesen ist vielen Kommentaren ihrer rechtsradikalen Anhänger.

  • Antwort von Pit, Freitag, 03.August, 15:21 Uhr

    Tja, nun würde mi h mal interessieren wer denn die meisten Probleme macht.

    Bis jetzt habe ich ausschließlich von arabischen Medizin Touristen gelesen.
    Nicht dass jetzt jemand auf die Idee kommt , zu glauben deutsche/ einheimische Vermieter wären die friedliche Minderheit!

  • Antwort von Oliver M., Freitag, 03.August, 16:45 Uhr

    @Herr Meier
    Wenn wir auf Zuwanderung und Asyl setzen und gleichzeitig weiter zulassen, dass gemäß dem „Gesetz“ Angebot und Nachfrage Wohnkosten künstlich in die Höhe getrieben werden, dann ist da tatsächlich ein Zusammenhang. Wobei Flüchtlinge dafür natürlich nix können. Schuld ist unser Wirtschaftssystem!

    Drum ist Deutschland ja so gefährlich widersprüchlich. Einerseits auf Asyl und Zuwanderung setzen, „Gesetze“ wie das obige aber nicht aushebeln wollen. Das führt unnötig zu gefährlichen Situationen. Nur weil Wohnraum knapp ist, muss der nicht teurer werden. Dem liegt keineswegs ein unabänderliches Naturgesetz zugrunde! Aber ja, Zuwanderung und Asyl verschärfen die Situation bzgl. Wohnraum.

    Wer sich also für Asyl und Zuwanderung stark macht, der sollte sich konsequenter Weise auch dafür einsetzen, dass nicht nur Wohnungen gebaut werden, sondern Preissteigerungen auf dem Wohnungsmarkt gemäß dem o.g. Gesetz tabu sind. Macht aber niemand...

Seppl, Freitag, 03.August, 09:30 Uhr

3. 16 Millionen

München hat 16 Millionen Übernachtungen pro Jahr. Die Stadt ist mehr für die Touristen und die Tourismusbranche ausgelegt als für die Einheimischen. Da ist es schon sehr heuchlerisch, jetzt plötzlich gegen illegale Wohnungsvermieter vorzugehen.

Oder geht es gar nicht um den Schutz vor Zweckentfremdung?

Geht es am Ende um den Schutz der Hoteliers vor der privaten Konkurrenz?

  • Antwort von Harald, Freitag, 03.August, 12:23 Uhr

    Anscheinend wohnen Sie dort, wo dieses oben genannte Problem noch nicht eingezogen ist.
    Die Nachbarn der illegal untervermieteten Wohnungen wären sicherlich sehr froh, wenn die ständig wechselnde Kundschaft endlich verschwinden würde. Beispiele dafür gibt es genug. Am schlimmsten sind wohl die Medizintouristen, die glauben, sich dank ihres Geldes bei uns alles erlauben zu können. Stichwort: Ruhestörung.
    Wer eine Reise unternimmt soll sich eben vorher überlegen, ob er sich den Aufenthalt in einem Hotel oder einer offiziellen Ferienwohnung leisten kann. Wenn nicht, ja mei, dann muss er halt daheim bleiben.
    A propos private Konkurrenz: Wer weiß, ob die genannten Problemfälle unter den Privatvermietern Steuern und/oder Sozialabgaben aus dem Geschäftsmodell abführen. Falls nicht, kommen ganz schnell so Begriffe wie "unlauterer Wettbewerb", "Steuerhinterziehung", etc. ins Spiel.