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Nach Zugunglück Aichach: Bahn reagiert auf Vorwürfe

"Ich verspreche, nicht mehr zu ruhen" - das schreibt der Sohn der bei dem Zugunglück getöteten Passagierin auf Facebook. Die Bahn hat wenig später auf die Vorwürfe reagiert.

Von: Andreas Herz

Stand: 13.05.2018

Wörtlich schreibt der Betroffene: "Es kann nicht sein, das mein Auto mich vor allen möglichen Gefahren automatisch schützt, während die Bahn für das Leben hunderttausender Kunden täglich nicht mehr tut, als die Verantwortung auf die Fahrdienstleiter zu schieben und sie mit Technik aus dem letzten Jahrtausend alleinzulassen."

Die Bahn hat auf die Vorwürfe reagiert. Alle Stellwerke seien für einen sicheren Eisenbahnbetrieb durch die zuständigen Behörden zugelassen. Zugleich modernisiere man die Infrastruktur, wozu auch die Digitalisierung der Leit- und Sicherungstechnik und damit der Stellwerke gehöre. Dazu werde in den kommenden Jahren Milliardenbeträge investiert. Die Bahn sei von dem Aichacher Unglück tief betroffen und in Gedanken bei den Angehörigen der beiden Todesopfer und den Verletzten, so der Bahnsprecher.

Vorwurf der fahrlässigen Tötung

Ein Zug der Bayerischen Regiobahn war am Montagabend bei der Einfahrt in den Aichacher Bahnhof auf einen stehenden Güterzug geprallt. Dabei kamen der Lokführer der Regiobahn sowie eine 73-jährige Passagierin ums Leben. Gegen den 24-jährigen Fahrdienstleiter aus dem Raum Augsburg wurde ein Haftbefehl erlassen. Der Vorwurf: Fahrlässige Tötung. Der Haftbefehl wurde aber gegen Auflagen wieder aufgehoben, weil laut der Augsburger Staatsanwaltschaft keine Fluchtgefahr bestehe.

 Wurden Gleise verwechselt?

Nach Informationen des "Spiegel" überprüfen die Ermittler derzeit, ob der verantwortliche Fahrdienstleiter im Stellwerk womöglich zwei Gleise verwechselt hat. Die Ermittler prüfen laut Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai aber auch, ob der Fahrdienstleiter unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder anderen Substanzen stand oder ob er abgelenkt war.


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