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Verantwortung der Medien? Erklärungsversuche für den Erfolg der AfD

Fast 13 Prozent: Die AfD ist mit einem überraschend guten Ergebnis in den Bundestag eingezogen. Wie erklärt sich dieser Erfolg? Der Wahlkampf zeigte, Medien und etablierte Politik tun sich schwer im Umgang mit dieser Partei. Geschadet hat es der AfD nicht. Kontrovers fragt, welche Schuld tragen die Medien?

Von: Verena Schälter

Stand: 27.09.2017

Die AfD hat es geschafft, sie ist drittstärkste Kraft im Bundestag. Am Wahlabend: Provokation auf ganzer Linie:

"Wir werden Merkel oder wen auch immer jagen! Jagen!"

Alexander Gauland, AfD-Spitzenkandidat

Strategie der AfD

Wenn Alexander Gauland die Ministerin "Özoguz in Anatolien entsorgen" will, "Stolz auf Leistung deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen" ist oder sagt, die Leute würden "einen Boateng nicht als Nachbarn haben" wollen, Beatrix von Storch einen "Mausrutscher" mit den Schüssen an der Grenze hat, oder wenn Alice Weidel eine Wahlsendung vorzeitig verlässt, sind das gezielte Provokationen.

Dilemma der Medien

Die Medien stecken in einem Dilemma, sagt Kommunikationsforscher Carsten Reinemann von der LMU München.

"Die Frage ist immer, was ist die Alternative an der Stelle? Also soll ich das einfach verschweigen, soll ich das ignorieren oder soll ich mich bemühen, den Versuch zu machen, so eine Inszenierung auch zu demaskieren, offen zu legen?"

Prof. Carsten Reinemann, Ludwig-Maximilians-Universität München

So wie nach der Wahl, funktionierte der gesamte Wahlkampf der AfD: Provozieren, die politischen Gegner reagieren, die Medien berichten. Die AfD hat dieses Vorgehen bereits früh als ihren Schlüssel zum Wahlerfolg erkannt, wie auch schon in ihrem internen Strategiepapier deutlich wird:

"Die AfD muss ganz bewusst und ganz gezielt immer wieder politisch inkorrekt sein, zu klaren Worten greifen und auch vor sorgfältig geplanten Provokationen nicht zurückschrecken. Je nervöser und je unfairer die Altparteien auf Provokationen reagieren desto besser."

Internes Strategiepapier der AfD

Ob jede der Provokationen parteiintern abgesprochen war, ist unklar. Fakt ist aber: Die AfD war dauerpräsent.

"Ich glaube ehrlich gesagt, bei aller Kritik, die man an vielleicht sehr viel Berichterstattung über die AfD üben kann, dass es eben keine Alternative ist, einfach zu sagen: So, wir berichten jetzt nicht darüber, weil letztlich auch diese Grenzüberschreitung und die Bereitschaft zu dieser Grenzüberschreitung natürlich etwas über die Partei aussagt, über ihre Werte, über ihre Positionen."

Prof. Carsten Reinemann, Ludwig-Maximilians-Universität München

Österreich und die Rechtspopulisten

Mit politischen Grenzüberschreitungen kennt sich auch ORF-Moderator Armin Wolf aus. In Österreich hat es die rechtspopulistische FPÖ vor gut 15 Jahren sogar in die Regierung geschafft.

"Da war das sehr ähnlich, da hat man versucht, durch sehr viele Provokationen in die Medien zu kommen, zum anderen gab es ein sehr ungeklärtes Verhältnis zu allem, was mit dem Thema Nationalsozialismus zusammenhing - auch etwas, das sehr viel in den Medien war."

Armin Wolf, stellvertretender Chefredakteur ORF

Die AfD oder ÖFP zu ignorieren, davon hält Armin Wolf nichts. Es ist immer eine schwierige Gratwanderung. Die Öffentlich Rechtlichen können es sich aber nicht erlauben nicht mit ihnen zu reden. Er rät jedoch:

"Nicht über jedes Hölzerl drüberspringen, das hingehalten wird, nicht auf jede Provokation einsteigen. Es ist schon tatsächlich so, dass in dem Moment wo jemand was besonders Extremes sagt, Medien halt sehr gern aufspringen und darüber berichten und nicht alles ist wirklich berichtenswert."

Armin Wolf, stellvertretender Chefredakteur ORF


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