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Online-Dating Abzocke bei Flirtportalen

Im Internet die große Liebe finden. Anbieter von Partnerbörsen, Flirt- oder Datingportalen haben daraus ein Geschäftsmodell entwickelt. Doch Vorsicht, viele dieser Kontaktbörsen im Internet sind alles andere als seriös.

Von: Christoph Arnowski

Stand: 24.01.2018

Online dating | Bild: colourbox.com

Die Internetseiten haben harmlose Namen, heißen "Premiumkontakte.de" oder "wirfindenuns.de." Auf den ersten Blick wirkt alles seriös. Und nicht wenige versprechen sogar, dass jedes Profil eines Kontaktsuchenden "überprüft sei." Alles Lug und Trug, sagen die Marktwächter "Digitale Welt". Diese spezielle Team der Verbraucherzentrale Bayern hat sich rund 300 einschlägige Angebote angeschaut. Mit erschreckendem Ergebnis. 187 Flirtportale arbeiten mit sogenannten Fakeprofilen, also erfundenen Identitäten, sagt die Teamleiterin der Marktwächter.

"Ich finde 187 ist echt ne große Menge von Portalen, denn das sind 187 Seiten, auf die die Verbraucher hingehen können, Geld zahlen können und nicht kriegen, was sie eigentlich erwarten, nämlich echte Kontakte, mit denen sie sich treffen können und eine Beziehung eingehen."

Susanne Baumer, Verbraucherzentrale

AGBs durchforstet

Um das herauszufinden, haben die Verbraucherschützer nicht wochenlang im Netz geflirtet, sondern stattdessen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, kurz AGB, genau analysiert. Erstaunlicherweise informieren viele der einschlägien Seiten im Kleingedruckten genau darüber, wie sie ihre Nutzer täuschen. Was allerdings kaum jemand liest. In den seitenlangen AGB-Texten ist etwa von "Scheinauccounts" die Rede, "vom Unternehmen beschäftigte Controller", so heißt es wörtlich, füllen sie mit Inhalten. Manche Betreiber erwähnen sogar, dass es sich "bei sämtlichen weiblichen Profilen um fiktive Profile" handele.

Abofalle bei Datingportalen

All das diene dazu, "die Umsätze des Betreibers zu erhöhen." Partnersuche im Netz kann so richtig teuer werden, zumal meist auch eine Abofalle eingebaut ist. Ein Beispiel: das Portal "Dirty-Dating". Das Geschäftsmodell ist wirklich schmutzig: das zweiwöchige Testabo kostet nur einen Euro. Wer innerhalb dieser Frist nicht kündigt, hat dann eine Mitgliedschaft für mindestens ein Dreiviertel Jahr am Hals und muss dafür 720 Euro zahlen. Ohne Chance auf ein reales Treffen, sagt Verbraucherschützerin Baumer.

"Es ist extrem unseriös und es geht schon in Richtung Gaunerei, würde ich jetzt schon sagen, das ist nichts, was man sich von einem ordentlichen Geschäftsmann im eigentlichen Sinne vorstellt."

Susanne Baumer, Verbraucherzentrale

Fakeprofile für wenig Geld

Ähnlich auch die Einschätzung von Bernd Storm. Mit seinem Verbraucherportal "aboalarm" hilft er seit vielen Jahren bei der Kündigung unerwünschter Verträge. Er kennt die Geschäftspraktiken der unseriösen Flirt-Portale. Die kaufen ihre Fakeprofile einfach im Internet, 60.000 deutsche falsche Identitäten kosten nicht einmal 100 Dollar. Eine einfache Suchanfrage bei Google reiche, so Storm, da müsse man nicht einmal ins Darknet.

"Die Fotos, die für 100 Dollar verkauft werden, sind gestohlen. Sie werden aus dem Internet und aus sozialen Netzwerken runtergeladen und dann zu neuen Profilen zusammengepackt."

Bernd Storm

Juristisch kaum Möglichkeiten

Juristisch gegen die Betreiber vorzugehen, ist schwierig. Oft haben sie ihren Sitz im Ausland, in Asien etwa. Das Marktwächterteam der Verbraucherzentrale empfiehlt daher, unbedingt die AGB der Partnerbörsen genau durchzulesen und im Zweifel auf eine Anmeldung zu verzichten.


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Elite Schnarcher, Donnerstag, 25.Januar, 16:57 Uhr

7. Tipp an die Liebe Suchenden

Werft das Geld gleich in die Tonne. Da könnte es noch jemand finden, der es nötiger braucht.

Na? Heute schon mal wieder auf Werbung reingefallen? Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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T3-fan, Donnerstag, 25.Januar, 11:16 Uhr

6. parsnip

Englisch sprechende Freunde sind besonders belustigt über den Namen "parship"-
sie lesen "parsnip", also "Steckrübe"!

Schmidt, Donnerstag, 25.Januar, 09:59 Uhr

5. Kennenlernen

wie hat man das nur früher gemacht ohne all diese Portale?
Wie wäre es mal mit unter die Leute gehen und einfach so jemand kennenlernen? Das könnte sogar Spaß machen und ist in der Regel nicht so teuer.
Vor allem hat man es mit echten Menschen zu tun.

  • Antwort von Braunbär, Donnerstag, 25.Januar, 10:24 Uhr

    Gute Frage! In der heutigen Zeit sind nicht wenige unfähig, ohne die Hilfe
    einer Schmarr-Phone App einen Liter Nudelwasser fehlerfrei zu erhitzen.
    Unter Leute gehen und ebensolche kennenzulernen bedarf dann wahrscheinlich
    eines - natürlich kostenpflichtigen - Portals zur Hilfestellung.

    Sicherlich gibt es Menschen, die aus diversen Gründen (z.B. irgendwelche Phobien) nicht einfach unter Leute gehen können.
    Die will ich keinesfalls irgendwie angreifen oder verunglimpfen.
    Der "Rest" aber....??

  • Antwort von Manfred, Donnerstag, 25.Januar, 11:20 Uhr

    Na ja, kostenpflichtige Kleinanzeigen und (teure) Heiratsvermittler gab es früher auch schon. Von daher hat sich da wohl nicht viel geändert, nur verschoben.

    Ansonsten gebe ich Ihnen aber Recht: Wer es im "Real Life" nicht schafft, Leute kennen zu lernen, der schafft es über Portale usw. auch nicht. (Es geht nur vielleicht etwas schneller, aber ob es das wert ist...)

Leon, Donnerstag, 25.Januar, 09:50 Uhr

4. Wer suchet, der findet

Tja, wer in freier Wildbahn keinen Partner mehr findet, der gehört über den Tisch gezogen. Das Leben spielt sich auf der Straße ab, nicht im Internet.

Manfred, Donnerstag, 25.Januar, 09:35 Uhr

3.

Nun ja, was man so liest, und bis zu einem kleinen Maße auch meine eigene Erfahrung: Auch die bekannten großen Deutschen Single-Portale sind wohl nicht so ganz seriös. Fake-Accounts sind anzunehmen, Abo-Probleme gibt es auch dort und verarscht kommt man sich als Kunde immer irgendwie vor. - Juristisch wohl kaum zu beanstanden, aber moralisch mehr als grenzwertig.
Mit der Sehnsucht nach Liebe (bzw. dem Bedürfnis nach Sex) - insbesondere bei Männern - lässt sich unheimlich leicht Geld verdienen, wenn man frei von Skrupeln ist. - Und Skrupellosigkeit bzw. fehlende Moral ist heutzutage ja sehr weit verbreitet im Geschäftsleben und im Internet sowieso.