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Facebook-Chef vor dem US-Kongress Abgeordnete nehmen Mark Zuckerberg in die Mangel

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wurde über zwei Tage hinweg in beiden Kammern des US-Kongresses zum Skandal um den gigantischen Datenmissbrauch befragt, der den Konzern in die schwerste Krise seiner 14-jährigen Geschichte gestürzt hat.

Von: Reinhard Spiegelhauer

Stand: 11.04.2018

Während der der Anhörung vor dem Kongress waren viele Journalisten und Insider aus der Internetbranche geradezu schockiert: Viele Fragen der Senatoren - zum großen Teil über 80 Jahre alt und nicht gerade Digital Natives - wirkten regelrecht hilflos. Wenn Facebook für die User weiterhin kostenlos sei solle, wie sei denn so ein Geschäftsmodell überhaupt zu finanzieren, fragte ein Senator misstrauisch.

Lange, ungläubige Pause Zuckerbergs. Wir verkaufen Werbung, erklärte er dem Senator dann. 

Zuckerberg kennt Details nicht

Natürlich wurde Zuckerberg im Kongress von anderen Senatoren aber auch hart in die Mangel genommen - und inzwischen muss er schon wieder Rede und Antwort stehen, diesmal vor dem Handelsausschuss. Die Abgeordnete Diana DeGette fragte Zuckerberg nach verschiedenen Verfahren, die es in der Vergangenheit schon wegen Datenschutzfragen gegen Facebook gegeben hat. Oft mit geringen oder gar keiner Entschädigung für die Betroffenen: Mehrfach erklärte Zuckerberg dabei, er sei sich nicht sicher, er kenne die Fälle nicht genau, erinnere sich nicht an Details. Daraus ergab sich die Rückfrage:

"Aber Sie sind der Chef des Unternehmens, richtig?"

Senatorin Diana DeGette

Was, bitte, ist die Gewährleistung von Datenschutz?

Die Spitze dürfte nicht die einzige bleiben bei den weiteren Fragen, denen sich Mark Zuckerberg in Washington stellen muss. Doch Zuckerberg hält weiter dagegen - oft durch konsequentes Ausweichen - wie bei der Frage der Abgeordneten Anna Eshoo, ob Facebook sein Geschäftsmodell ändern wolle, um Datenschutz zu gewährleisten:

"Ich bin nicht sicher, was das heißt."

Mark Zuckerberg

Diese Linie dürfte nicht verhindern, dass es neue Regeln und Vorschriften zum Datenschutz für Facebook und andere Unternehmen geben wird. Zuckerberg hat schon erklärt, dass er nicht grundsätzlich gegen Regulierung sei, es komme darauf an, wie sie aussehe. Beobachter glauben, dass Facebook bei der Formulierung solcher Regeln am Ende entscheidend mitreden könnte.


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Robertchen, Freitag, 13.April, 08:27 Uhr

4. Die Politik fürchtet nur "Unbequeme Wahrheiten"

Dass Daten weitergegeben und verkauft werden, kennen wir auch von anderen "Internetgrößen" und damit kann eigentlich jeder rechnen. Bei Zuckerberg sehe ich eher eine Verschwörung der Politik. Die Politik will die Freie Meinungsäußerung in den Sozialen Netzwerken abschneiden! Grade solchen "Vereinen" wie der SPD, die massiv in der (berechtigten) Kritik stehen und quasi ums Überleben kämpfen, gerade solchen Vereinen sind die Wahrheiten der Nutzer ein Dorn im Auge....

  • Antwort von Wolf, Freitag, 13.April, 09:29 Uhr

    ...."die Wahrheiten der Nutzer"....russische Bots,Verschwörungstheoretiker,Aluhutträger,Nazis und Kontaktgestörte? Da glaubt aber jemand an den Weihnachtsmann!

tell, Donnerstag, 12.April, 15:05 Uhr

3.

Dumm sind nicht die Betreiber (denen geht es nur um Gewinn ...), sondern die Benutzer!

  • Antwort von Handwerker, Donnerstag, 12.April, 19:45 Uhr

    An tell,

    in dem Fall gehen dem Betreiben die Benutzer mit Sicherheit nicht aus.

  • Antwort von nightmare , Freitag, 13.April, 05:01 Uhr

    Nach dem, was ich aus den Medien so mitkriege, sind die Nutzer auch nicht gerade zimperlich mit der Darlegung ihrer "Verhältnisse". Das tut sich wohl gegenseitig nicht viel.

Rimo, Donnerstag, 12.April, 09:35 Uhr

2. Einige Befrager sind "nicht gerade Digital Natives", manche FB-Nutzer auch nicht

Über einige Fragen wunderte ich mich vorgestern auch.
Ich habe sie mir dann z. T. so erklärt, dass auch die Bevölkerung der Zuckerberg-Befragung (inter-) national großes Interesse entgegen bringt.
Ich unterstelle, dass etlichen FB-Nutzern nicht klar ist, dass ihre Daten "exklusiv gehortet (und "verwertet")" werden. Da Datenhandel heute ein gängiges Geschäftsmodell ist, wird automatisch von einem üblichen Datenverkauf ausgegangen - "wo ist da der Skandal? Besteht er in der (angeblichen) Wahlbeeinflussung?".
Mancher Nutzer hält FB nach wie vor für eine kostenlose Märchenplattform zur Veröffentlichung und zum Teilen persönlicher Ergüsse und gesellschaftlicher Arbeit.
Die Befragung könnte also auch etwas Senatoren-PR und "öffentliche Aufklärung" beinhaltet haben.

Interessanter fände ich einige Fragen nach den FB-Gesprächen bis März 2018 mit verschiedenen Gesundheitsorganisationen zwecks eines Abkommens zum (anonymisierten) Datenaustausch + Datenzusammenführung. - Kamen die gestern?

Josef Rödl, Mittwoch, 11.April, 22:47 Uhr

1. Meine Facebookfreunde

Da ich kein Facebook habe, versuche ich mir Freunde außerhalb der Facebook-Plattform zu suchen ... allerdings nach den gleichen Prinzipien:

Ich gehe jeden Tag auf die Straße und erkläre den Passanten, was ich gegessen habe, wie ich mich fühle, was ich am gestrigen Abend gemacht habe, was ich heute und zurzeit mache, was ich morgen mache, gebe ihnen ein Foto von meinen Freundinnen und von meinem Meerschweinchen, gebe ihnen ein Bild, auf dem ich noch Kleinkind bin. Ich höre aufmerksam den Gesprächen anderer zu und sage: "Es gefällt mir!"

Und siehe da, es funktioniert! Zurzeit habe ich fünf Personen, die mir folgen:
Zwei Polizisten, ein Psychiater, ein Psychologe und ein Pfleger.

Super!

  • Antwort von AS, Donnerstag, 12.April, 08:40 Uhr

    @J.Rödl: Da bin ich aber froh noch so einen "ewigen Gestrigen" gefunden zu haben. Mir erklärt mein Umfeld immer, dass ich der einzige Mensch bin, der noch kein Facebook oder WhatsApp...... nutzt. :)
    Ich suche mir noch aus, was ich den lieben langen Tag mache und mit wem ich in Kontakt trete. Ich empfinde es als Privileg.

  • Antwort von Alexander K., Donnerstag, 12.April, 11:54 Uhr

    @AS:

    Mit Nicht-Facebook ist es wie mit Hypophosphatasie: Zuerst glaubt du, du bis der einzige auf der Welt, der das hat - aber wenn du nachforscht gibt es tausende andere.

    Ach ja: Ich gehöre auch dazu.

  • Antwort von GerdaB, Donnerstag, 12.April, 13:17 Uhr

    Prima! Nun sind wir schon vier, die ihren Freunden alltägliche Banalitäten ersparen! Wer so uneinsichtig und oberflächlich ist, dass er seine Daten an Facebook und andere ausliefert, muss damit rechnen, dass diese Daten vermarktet werden. Wozu also die ganze Aufregung? Es wurde doch niemand gezwungen......
    Der arme Zuckerberg, nun wird er finanziell Federn lassen müssen und das ist wohl der einzige Grund für sein augenblickliches devotes Verhalten. Naja, die Gesellschaft vergisst ja zum Glück sehr schnell und bald haben wir einen anderen "Aufreger"......

  • Antwort von 1A_Landei, Donnerstag, 12.April, 14:12 Uhr

    Ich finde diesen Kommentar Spitzenklasse! Er zeigt richtig anschaulich die Verblödung der Menschen und das ohne erhobenen Zeigefinger. Echt super!

  • Antwort von Seppl , Donnerstag, 12.April, 14:27 Uhr

    Me to. Ich habe kein Facebook, kein Smartphone und natürlich kein WhatsApp.

    Leider habe ich trotzdem ständig Facebook Cookies auf dem PC. Man entkommt ihm nicht.

  • Antwort von nightmare , Freitag, 13.April, 05:13 Uhr

    @Josef Rödl
    Sie haben sehr anschaulich beschrieben, wie man im Alltag auf solche Verlautbarungen reagieren würde - man bekäme sehr schnell Besuch von den Herrschaften mit den weißen Jäckchen.