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Abbiegeassistent Den toten Winkel im Visier

Der tote Winkel ist lebensgefährlich für Fahrradfahrer. Beim Abbiegen sehen Lkw-Fahrer die Radler oder Fußgänger nicht, immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen. Der Abbiegeassistent für Lkw wäre die Lösung. Wann der aber verpflichtend verbaut werden muss, ist noch unklar.

Von: Tobias Betz

Stand: 10.07.2018

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) | Bild: picture-alliance/dpa/Emmanuele Contini

Ingolstadt, 2015. Anton Klott blättert in der Lokalzeitung. Ein 14-jähriger ist von einem Lkw an einer Kreuzung überfahren worden. "Das ist schon mehrmals passiert", sagt Klott heute. "Ich wollte etwas dagegen machen." Der technische Leiter bei Edeka Südbayern warb um finanzielle Unterstützung beim Arbeitgeber. Das Geld bekam er auch, die Entwicklung dauerte nicht lange.

Toter Winkel auf dem Bildschirm

Durch eine in der Zugmaschine des Fahrzeugs installierte Kamera kann der tote Winkel eines Lkw voll eingesehen werden. Ein Bildschirm im Fahrerhaus ist mit der Kamera verbunden und zeigt den entsprechenden Bereich an. Darüber hinaus erzeugen Sensoren an der rechten Seite des Lkw - analog zum Rückfahrassistenten eines Pkw ein akustisches und visuelles Signal.

Freiwillig statt Gesetz

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will nun den Einbau dieser technischen Systeme in Deutschland beschleunigen. Allerdings nur auf freiwilliger Basis. "Es tut sich etwas, aber jetzt müssen wir ordentlich anschieben", sagte Scheuer in Berlin nach einem Treffen mit Vertretern der Autoindustrie, Logistik, Autofahrer- und Fahrradfahrerclubs. Im Zuge des Treffens verpflichteten sich mehrere Firmen, ihren Fuhrpark mit technischen Systemen auszurüsten - darunter Edeka, Aldi und DB Schenker. Scheuer kündigte an, er wolle sich für den Haushalt 2019 für einen neuen Fördertopf für Nach- und Umrüstungen von Lkw mit elektronischen Abbiegeassistenten einsetzen.

Im Koalitionsvertrag vereinbart

Im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD steht, dass der Abbiegeassistent für neue Lastwagen und Busse Pflicht werden soll. Dies ist aber auf EU-Ebene zu regeln. Scheuer gehen die Verhandlungen dort nicht schnell genug. Die EU will eine Pflicht für neue Lastwagen erst ab 2022 erlassen. Scheuer dagegen hat das Jahr 2019 im Blick. Der Bundesrat fordert zudem, dass Lkw-Notbremssysteme permanent verfügbar und nicht abschaltbar sein dürfen. Dies soll etwa Unfälle vermeiden, bei denen Lastwagen auf Stau-Enden auffahren.

Zehn Tote bei Abbiegeunfällen

In Bayern gab es im vergangenen Jahr laut Innenministerium insgesamt 1.994 Verkehrsunfälle mit Radfahrern, die von Pkw oder Lkw durch Fehler beim Abbiegen verursacht wurden. Dabei wurden 1.984 Radfahrer verletzt und zehn getötet.

Kosten: Unter 1000 Euro

Mittlerweile kommen die Abbiegeassistenten bei Edeka Südbayern schon zum Einsatz. Mittlerweile ist die Supermarkt-Flotte umgerüstet worden. Unter 1000 Euro kostet das pro Fahrzeug. Aber es lohnt sich, sagt Anton Klott von Edeka Südbayern. Die Fahrer hätten durchweg positive Erfahrungen. "Den Assistenten kann man auch etwa in Müllfahrzeugen verbauen. Wir haben den Assistenten schon in einen Mähdrescher eingebaut."

Im Koalitionsvertrag vereinbart

Wann der Abbiegeassistent serienmäßig eingebaut werden muss, ist noch unklar. Im Koalitionsvertrag ist das zwar so vereinbart. Doch die Lösung lässt noch auf sich warten. Anton Klott hofft, dass er Meldungen wie den Unfalltod eines 14-Jährigen in Ingolstadt nie wieder lesen muss. „Hoffentlich wird das endlich verpflichtend eingeführt. Jeder Verkehrstote ist einer zu viel.“


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Zukunftsfähige Konzepte statt immer mehr LKWs, Dienstag, 10.Juli, 14:41 Uhr

13. Güter gehören auf die Schiene

Das zunehmende Verkehrsauskommen durch immer mehr LKWs gehört massiv zurückgefahren.
LKWs werden auch immer größer, manchen kommen doch schon in kleinen Ortschaften ganz schlecht zurecht. Straßén werden außerdem massiv beschädigt.
Von den vielen Verkehrstoten durch LKWs gar ncht zu sprechen!!!! Auch auf BABs.

leo, Dienstag, 10.Juli, 13:45 Uhr

12. Tran-Tüten

Na gratuliere ! Wenn sich manche Radfahrer nicht so durch Kopfhörer mit lauter Musik, oder
auch Handys, ablenken liessen, vielleicht auch mal bischen mit Augenmerk sich fortbewegen und
auch mal auf die anderen Verkehrsteilnehmer achten (ob PKW oder LKW), bräuchte man diese Diskussion
nicht ! Warum soll da schon wieder der Steuerzahler herhalten ("Fördergelder") ?
Man kann und soll nicht immer alles kaputt reglementieren, jeder ist für sein Tun und Lassen
letzlich selber verantwortlich ! Ein bischen mitdenken ....

Politi, Dienstag, 10.Juli, 13:38 Uhr

11. Old Facts!

Wielange hockt der liebe Herr Scheuer schon auf seinem Posten?

Und heute schon (nach kaum vier Monaten!) erläutert er schon wieder was Mitte März schon gesagt wurde: Im Koalitionsvertrag vom 12. Märtyrer steht wörtlich: "Wir werden Fahrerassistenzsysteme [...] für Lkw und Busse verbindlich vorschreiben [...].

Was tut der eigentlich den ganzen Tag lang? Darauf warten, dass wieder Wahl ist und er mit einer PK mit uralt - Infos in die Medien kommt? Was er da heute von sich gab, ist nichts neues! Neu wäre, wenn er endlich die Arbeit gemacht hätte und den entsprechenden Gesetzentwurf einbringt.

Aba so sans hoit, die von da csu, dauernd zvuil reden, oiwei im Fenrsehen, nix arbaten! Für nicht-Bayern: Grosse Klappe, nix dahinter! Und es gibt immer noch 38%, die darauf hereinfallen!

Barbara, Dienstag, 10.Juli, 13:32 Uhr

10. Gefährlich sind hauptsächlich die Raser, egal ob als Radfahrer oder Autofahrer!

Rasende Radfahrer mit aufgemotztem Bike überholen die anderen Radfahrer mit einer Geschwindigkeit, die andere erschrecken läßt, wobei man nicht weiß, ob der Raser rechts oder links überholt. Da nützt der "Krieger-Helm" überhaupt nichts, wenn man ohne Anstand alle anderen gefährdet. Dasselbe gilt auch bei den Abbiege-Spuren. Wie Blinde rasen oftmals schnelle Biker an den Lastern vorbei, ohne zu schauen, ob der Lkw abbiegen will oder nicht. Mich wundert nur, daß nicht noch mehr Unfälle passieren. Radfahren und Autofahren ist eben Charaktersache. Wer keinen Anstand hat, der ist sowohl auf Radwegen wie auf Autobahnen der Rowdy.

oghauda, Dienstag, 10.Juli, 13:24 Uhr

9. Wer verursacht eigentlich die Unfälle?

Wer ist eigentlich Schuldan den Abbiege Unfällen?
Immer die LKW oder SUV oder PKW? Ist es nicht vielmehr so, dass sich überaus viele Radfahrer egoistisch verhalten und vement auf ihr Recht beharren, obwohl Sie der schwächere Verkehrsteilnehmer sind! Ich habe schon sehr viele Situationen selbst erlebt, bei denen die Radfahrer gedankenlos und auch teilweise verkehrswidrig handeln. Warum macht men es nicht zur Vorschrift, daß jeder Radfahrer mit dem motorisierten größeren Verkehrsteilnehmern Blickkontakt aufnehmen müssen. So kann men auch sicherstellen, daß einem der andere registriert hat. Nötigenfalls muß man hald als Radfahre absteigen und etwas warten.
Aber das können die meisten heute nicht mehr!

  • Antwort von Rhena, Dienstag, 10.Juli, 14:40 Uhr

    Kampfradlerin auf der Fahrbahn, zieht, da inzwischen Rot, hoch auf den Bürgersteig, fährt beinahe einen entgegenkommenden Fußgänger um, hält dann tatsächlich an der nächsten roten Ampel an, wo ich ihr empfohlen habe, die Fahrschule an der Ecke zu besuchen. Die Schimpfwörter, die die junge Dame dann auf mich losließ, hätte ich googeln müssen. Es ist wieder Rot, Sie können fahren, habe ich mir verkniffen zu sagen, sie wäre imstande gewesen, es zu tun.

  • Antwort von Floh, Dienstag, 10.Juli, 15:55 Uhr

    Wie wärs mit mehr """ MITEINANDER "" mit der Nand zwischen LKW-fahrer, PKW-fahrer und Radfahrer..
    Gemeinsam gehts besser.