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Mehr "Emokratie" wagen Brauchen wir den 3. Oktober?

Ein großes Datum der deutschen Geschichte. Aber Feierstimmung? Der 3. Oktober wird abgespult wie ein Staatsakt. Langweilig. Ausschlafen! Andere Ereignisse sorgen in unserer Formal-Demokratie für mehr Emo-Touch. Deshalb: Augen auf bei der Feiertags-Wahl!

Von: Jürgen P. Lang

Stand: 02.10.2016 | Archiv

Tag der deutschen Einheit | Bild: colourbox.com;Montage BR

Wie Diktaturen die Massen zu mobilisieren und die Macht zu inszenieren - das haben Demokratien eigentlich nicht nötig: Den säbelblinkenden französischen Nationalfeiertag muss man nicht mögen. Aber mal ehrlich: Beneiden wir nicht unsere Nachbarn, die Königinnen und Könige vorweisen können? Sind wir, wenn sie sich unters Volk mischen, nicht für einen Augenblick heimlich Briten, Schweden oder Niederländer? Und vermissen deren Wir-Gefühl? Ein Gefühl, das bei uns allenfalls zu Fußball-Weltmeisterschaften im eigenen Land hochkommt?

Die zwei Lesarten des 17. Juni

Die alte Bundesrepublik hatte einen anderen Tag der Einheit, den 17. Juni. Er erinnerte an den von sowjetischen Panzern niedergewalzten Volksaufstand in der DDR 1953.

Symbolträchtiges Bild: Die Menschen schreiten mit schwarz-rot-goldenen Fahnen durch das damals noch offene Brandenburger Tor, von Ost nach West. Der 17. Juni symbolisierte - so die Haupt-Interpretation - den Wunsch der Deutschen nach Wiedervereinigung. Doch ist nicht folgende Lesart emotional stärker? Der 17. Juni symbolisierte vor allem Auflehnung gegen die Diktatur und den Wunsch nach Freiheit.

Der Emo-Touch: 9. November

Als der Bundestag nach kontroverser Debatte den 17. Juni zum Gedenktag degradierte und den 3. Oktober zum neuen Feiertag erhob, schlug er eine Brücke: Das eine Datum verwies auf die unvollendete Wiedervereinigung, das andere auf die vollendete. Ober sticht bekanntlich Unter. Aber der Sieg des Volkes über die Diktatur wurde an einem anderen Tag errungen: Am 9. November 1989, als die Mauer fiel. 2014 holte Berlin dieses Ereignis mit all seinen Emotionen zurück - wo einst Sperranlagen standen, strahlte eine Lichterkette.

Zwischen Diktatur und Demokratie

Der 9. November - ein besserer Feiertag? Wer die Erinnerung an die beiden Diktaturen auf deutschem Boden wachhalten will, muss dieses Datum ins Kalkül ziehen.

1918 wurde am 9. November die erste deutsche Demokratie ausgerufen, deren tragisches Scheitern uns heute Lehre ist. 1923 versuchte Hitler, diese Demokratie zu stürzen - keine zehn Jahre später gelang es ihm auf legalem Wege. Und 1938 brannten unter seinem Regime die deutschen Synagogen. Sicherlich: Auch die Nazis feierten einst am 9. November. Aber es gab einen mutigen Mann namens Georg Elser, der dies zu einem Versuch nutzte, Hitler zu töten.

Das neue Wir-Gefühl

Mut zum 9. November - denn solche Ereignisse rufen auf emotionale Weise den Wert der Freiheit wach. Sie geben der Demokratie einen Sinn - jenseits aller Regeln, Gesetze und Prinzipien.

1989 schloss sich ein Kreis. An dem damals entstandenen Wir-Gefühl rütteln beständig Rechtsextremisten, die - zumal angesichts der zu uns kommenden Flüchtlinge - die alten, gespenstischen Begriffe von "Volksgemeinschaft", "Rasse" und "Blut" zu neuen Werten machen wollen. Feiertage wie der 3. Oktober setzen dem nur wenig entgegen.


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Udo Pablitschko, Sonntag, 02.Oktober 2016, 23:34 Uhr

10. Ist der 3.Oktober als Feiertag sinnvoll?

Oh ja !

Als Rentner gönne ich diesen freien Tag allen fleißigen Berufstätigen, die den Tag mit ihren Familien und Freunden sinnvoll gestalten,
ohne auf das politische Gelaber diverser "Möchtegern-Elitemenschen" und Volksbelügner zu achten!

wilhelm, Sonntag, 02.Oktober 2016, 17:01 Uhr

9. Feiertag 3.Oktober

der 3.Oktober als Feiertag wird in naher Zukunft mit einigen anderen Feiertagen zur Disposition stehen um den Weg für neue Feiertage freizumachen. Ein kleiner Anfang wurde heute lt.Medienbericht in Dresden gemacht als der Bürgermeister sich Gäste anlässlich des Islamischen Neujahrs einlud. Statt Weihnachten, Ostern und Pfingsten sowie noch einiger Kirchenfeiertage könnten islamische Feiertage angeordnet werden um den neuen Fachkräften und Hochqualifizierten gerecht zu werden und ein 'Heimatgefühl' zu geben.

  • Antwort von Amatör, Sonntag, 02.Oktober, 23:35 Uhr

    Religionsbezogene Feiertage durch andere religionsbezogene Feiertage zu ersetzen schafft nur neuen Zwist. Wenn schon, sollte man sie besser durch Feiertage ohne Religionsbezug und mit wenig Konfliktpotenzialersetzen.

    Was die "neuen Fachkräfte und Hochqualifizierten" betrifft: Als ich auf die 60 zuging, mobbte meine Firma mich raus und stellte dafür junge Leute aus Russland, Weißrussland, der Ukraine, Indien und so weiter ein (nebenbei, ohne Probleme mit Arbeitserlaubnissen). Da war kein Muslim dabei, eher Orthodoxe und Hindus. Wollen Sie allen Religionen durch eigene Feiertage gerecht werden?

  • Antwort von wm, Montag, 03.Oktober, 09:40 Uhr

    @Wilhelm

    Zu den deutschen arbeitsfreien Feiertagen zusätzlich arbeitsfreie islamische Feiertage.
    So werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Deutschland passt sich an,und die Arbeitnehmer können mehr bezahlte Freizeit genießen.

    Ironie off1

Leo Bronstein, Sonntag, 02.Oktober 2016, 16:48 Uhr

8. Gespenstische Stadtteile, gespenstische Fahnen, gespenstische >Gruppierungen<,..

>>1989 schloss sich ein Kreis. An dem damals entstandenen Wir-Gefühl rütteln beständig Rechtsextremisten, die - zumal angesichts der zu uns kommenden Flüchtlinge - die alten, gespenstischen Begriffe von "Volksgemeinschaft", "Rasse" und "Blut" zu neuen Werten machen wollen. Feiertage wie der 3. Oktober setzen dem nur wenig entgegen.<<

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Was hat der deutsche Staatsfeiertag mit temporär Schutzsuchenden zu tun?

Deutschland besteht weder wegen, noch für Migrationswillige, ebenso kam es nicht zu Bildung Deutschlands durch Migranten.

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Und wie sehr sich selbst die dritte Generation Leute, die ursprünglich aus der Türkei stammte als Deutsche fühlt, auch wenn Sie einen deutschen Pass besitzen, zeigte die Demonstration in Köln.
Oder ist das mittlerweile die neue deutsche Fahne? Rot mit weißem Halbmond?

Gespenstisch ist es für mich eher, wenn es Stadtteile in Deutschland gibt in denen so gut wie kein deutsch gesprochenes Wort mehr zu hören ist.

Leon, Sonntag, 02.Oktober 2016, 16:27 Uhr

7. Flüchtlinge, überall Flüchtlinge

Sehen wir es doch mal so. Bei der Wiedervereinigung bekamen wir 13 Millionen Armuts- und Wirtschaftsflüchtlinge. Danach ging es mit Deutschland weltpolitisch und weltwirtschaftlich bergab. Aber zum Glück kommen jetzt die ganzen Fachkräfte aus Syrien und umliegende Länder. Mal schauen was wir dann noch alles ertragen müssen!

  • Antwort von Angelika, Montag, 03.Oktober, 05:51 Uhr

    FREMDSCHÄMEN - MAN KANN SICH NUR SCHÄMEN FÜR SOLCHE ÄUSSERUNGEN!!!!!!!

Wanda, Sonntag, 02.Oktober 2016, 16:23 Uhr

6. falsches Berufsverständnis

- schon interessant, was die Journalisten der Öffentlich-Rechtlichen so von sich geben...
Wie hiess es kürzlich in der Druckpresse so schön ? Die Journaille der Öffentlich-Rechtlichen glaubt, ausser ihrer (neutralen) Informationsverpflichtung auch einem (arroganten) Erziehungsauftrag nachkommen zu müssen, den sie aber gar nicht haben...
Und in der Tat: jede Menge Meinungsmache, Kommentare und persönliche Ansichten von Journalisten, wo man eigentlich "nur" Informationen erwartet...

  • Antwort von Wolf, Sonntag, 02.Oktober, 19:09 Uhr

    Falsch gedacht,das ÖR hat einen sogenannten Bildungsauftag und den nimmt es wahr. Daß manchen Parteien das nicht passt liegt auf der Hand,sie können nur ungebildetes Stimmvieh für ihre populistischen Parolen brauchen.