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Bayern-Arzt Müller-Wohlfahrt attackiert Guardiola

Heftig ins Gericht gegangen ist Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Arzt des FC Bayern, mit Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola. Müller-Wohlfahrt wirft ihm vor, ihn permanent kritisiert, zu einem Befehlsempfänger degradiert und in seinem Ehrgefühl verletzt zu haben.

Von: Peter Solfrank

Stand: 13.03.2018

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt | Bild: picture-alliance/dpa|picture alliance / Martin Hangen

Müller-Wohlfahrt greift Guardiola in einem in der Bildzeitung vorab in Auszügen veröffentlichten Buch heftig an. Er halte den Trainer, der im Jahr 2013 zum FC Bayern kam,  für einen Menschen "mit schwachem Selbstbewusstsein, der alles dafür tut, um andere darüber hinwegzutäuschen". Guardiola, so Müller-Wohlfahrt weiter, scheine in ständiger Angst zu leben, nicht so sehr vor Niederlagen, sondern vielmehr vor dem Verlust von Macht und Autorität.

Der 75 Jahre alte Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist seit dieser Saison wieder Vereinsarzt des FC Bayern. Er ist außerdem Arzt der deutschen Fußballnationalmannschaft. Im April 2015 war er nach einem Streit in der Kabine von seinem Posten beim FC Bayern zurückgetreten.

"Guardiola wusste alles besser“

Konkret wirft Müller-Wohlfahrt dem angeblich innovativen Guardiola vor, beim FC Bayern die Uhren zurückgedreht zu haben. Er sei so weit gegangen, "dass er unser medizinisch durchdachtes, jahrelang bewährtes Vorbereitungsprogramm vor dem eigentlichen Fußballtraining auf den Kopf stellte". Der Trainer sei stets vorwurfsvoll und ungehalten gewesen, wenn es um Verletzte ging, und: "Er wusste alles besser."

Guardiola verlangte medizinische Wunder

Unter Guardiola habe sich die Zahl der Muskelverletzungen beim FC Bayern erhöht, berichtete Müller-Wohlfahrt. Er habe den Trainer allerdings "mit dem, wie ich denke und arbeite, schlicht nicht erreichen" können. Guardiola haben sich zum einen "absolut nicht für medizinische Fragen" interessiert, "verlangte aber andererseits von uns, medizinische Wunder zu vollbringen".

Rummenigge: „ungewöhnlich überflüssig“

Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge äußerte sich kritisch zu den Auslassungen von Müller-Wohlfahrt:  

"Ich sage immer: Was gestern passiert ist, kann man nicht mehr ändern, muss man auch nicht mehr kritisch zurückblicken. Ich glaube, jeder, der bei Bayern München arbeitet oder gearbeitet hat, hat schöne Zeiten erlebt. Die hat Müller-Wohlfahrt en masse auch erleben dürfen." Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern

Und auf Nachfrage meinte Rummenigge zu der Kritik Müller-Wohlfahrts: "Ich würde sagen: ungewöhnlich überflüssig."

Hoeneß damals als Moderator „verhindert“

Präsident Uli Hoeneß vertrat in der Bild-Zeitung die Meinung, wäre er damals nicht "verhindert" gewesen, hätte er den Konflikt moderieren können. Guardiola sei ein "stolzer Katalane", und Trainer aus Spanien hätten ein ganz anderes Verhältnis zur medizinischen Abteilung des Klubs. Und Müller-Wohlfahrt sei ein "stolzer Arzt, der nicht über seine erfolgreichen Behandlungsmethoden diskutieren möchte".

Uli Hoeneß verbüßte damals eine dreieinhalbjährige Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung und war zum Zeitpunkt der Eskalation zwischen Guardiola und Müller-Wohlfahrt Freigänger. Der Arzt hatte nach fast 40 Jahren im April 2015 seinen Rücktritt beim deutschen Fußball-Rekordmeister erklärt, war aber auch danach stets wichtiger Ansprechpartner für einige Spieler.


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