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Hintergrund Der Mond

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Mond-Mythen Machtvoller Schein und scheinbare Macht

Der Mond hat magische Kräfte: Er steuert das Wachstum von Pflanzen und den Zeitpunkt von Geburten. So steht es in Mondkalendern und Mondratgebern. Doch lassen sich diese Behauptungen auch wissenschaftlich beweisen?

Stand: 17.01.2019

Dass der Mond auf die Erde einwirkt, ist unstrittig: Mond und Erde ziehen einander an und dieser "Schwerkrafteffekt" führt zu Ebbe und Flut - ein deutlicher Effekt des fernen Mondes.

Sturm im Wasserglas

Ebbe und Flut kommen nur zustande, weil die Ozeane riesengroß sind. Bei einem normalen See kann man keinen Effekt mehr erkennen, geschweige denn bei uns Menschen. Die Gravitation - und damit das Gewicht des Menschen - ändert sich zwischen Voll- und Neumond nämlich gerade mal um 0,000035 Prozent. Das ist so gut wie nicht messbar.

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Wieviel Einfluss hat der Mond?

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Von Mäusen und Monden

Dennoch sieht es oft so aus, als ob Flora und Fauna ihren Lebensrhythmus nach dem Mond ausrichten. So bleiben manche Feldmäuse bei Vollmond nachts in ihren Löchern. Das lässt sich aber auch ohne geheimnisvolle Kräfte des Mondes erklären: Bei Vollmond ist es heller und die Mäuse werden eher von Raubvögeln gesehen. Daher verstecken sie sich und warten, bis es wieder richtig dunkel ist.

Mythos Mondholz

Bäume fällen - bei Neumond oder bei Vollmond?

Mondholz stammt von Bäumen, die zu bestimmten Mondphasen geschlagen werden. Es soll besser als normales Bauholz sein, weil es angeblich weniger schwindet, reißt und knackst. Beim richtigen Zeitpunkt zum Fällen der Bäume widersprechen sich die Ratgeber: Die einen empfehlen das Holz bei abnehmendem Mond, die anderen bei zunehmendem Mond zu ernten. Forscher haben daher beide Varianten untersucht. Sie haben gemessen, wie stark das Holz nach dem Schlagen sein Volumen verringert, wenn es auf natürliche Weise trocknet.

Die Antwort lautet:

Im Vergleich zeigte sich kein Unterschied beim Schwindverhalten des Holzes zwischen abnehmenden und zunehmenden Mond. Mondholz ist trotzdem meist von guter Qualität, aber nicht wegen des Mondes. Das Holz wird oft lange zwischengelagert und trocknet dabei ganz langsam an der Luft. Holz aus industrieller Produktion wird dagegen schnell im Trockenofen getrocknet, was die Qualität mindert.

Viel Mond, viel Geld

Ganz einfach: abnehmen bei abnehmenden Mond!

Die am weitesten verbreitete Mondthese lautet sinngemäß: Alles, was zunehmen soll, tue bei zunehmendem Mond. Dazu gehört den Bau eines Hauses beginnen oder Geld investieren. Alles, was abnehmen soll, tue man dagegen bei abnehmendem Mond, zum Beispiel eine Diät beginnen. Ein einfacher Analogieschluss, der leicht zu merken ist. Viele andere Mondtheorien enthalten die Behauptung: Bei bestimmten Mondphasen, insbesondere Vollmond, häufen sich bestimmte Phänomene. Das können Schlafstörungen sein, aber auch Suizide.

Studie im Schlaflabor

Stört der Mond beim Schlafen?

Es gibt immer wieder Menschen, die behaupten, sie konnten wegen des Vollmonds nicht einschlafen, sind immer wieder aufgewacht oder haben unruhig geschlafen. Doch wissenschaftliche Studien konnten bisher keinen Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Vollmondnächten bestätigen.
Christian Cajochen von der Universität Basel ist im Juli 2013 in einer Studie im Schlaflabor dem möglichen Einfluss des Mondes auf das Leben des Menschen nachgegangen. Bisher wurde vermutet, dass die schlechtere Schlafqualität auf das helle Mondlicht zurückzuführen ist, die nachts durch die Fenster und Gardinen schimmert. Doch gegen diesen Einfluss haben die Forscher Vorkehrungen getroffen.

Die Antwort lautet:

Alle Tests fanden mit 33 Probanden unterschiedlichen Alters in einem fensterlosen Schlaflabor statt – der Mondschein spielte also keine Rolle beim Schlafen. Die Teilnehmer wussten nicht, dass es bei der Studie um den Einfluss des Mondes ging, noch welche Mondphase regierte. Die Wissenschaftler erfassten die Hirnströme beim Schlaf, die sich je nach Schlafphasen verändern. Zudem untersuchten sie den Spiegel des Schlafhormons Melatonin.
Die Auswertungen belegen zum ersten Mal, dass die Vollmondphasen tatsächlich besondere Effekte mit sich bringen können: Die Probanden brauchten fünf Minuten länger, um einzuschlafen, die Schlafdauer verkürzte sich insgesamt um 20 Minuten, der Melatoninspiegel war zur selben Zeit relativ niedrig und der Schlaf war weniger "gut", weil die Tiefschlafphasen um 30 Prozent verkürzt waren.

War's der Mond?

Doch, so überraschend diese Ergebnisse sind - bewiesen ist damit nichts. Denn die Studie hat erhebliche Schwächen, das räumt auch Christian Cajochen ein. Vor allem, weil der Schlafforscher nicht ausschließen kann, dass der eine oder andere Proband vor dem Einschluss ins Labor nicht doch noch einen Blick auf den nahenden Vollmond geworfen hat.
Wie bei einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung könnten sie deshalb schlecht geschlafen haben. Dreieinhalb Tage im Schlaflabor sind darüber hinaus viel zu kurz, um einen Monatsrhytmus zu dokumentieren, man müsste die Versuchspersonen mindestens vier Wochen untersuchen, besser noch sechs Wochen.

Monatsuhr

Was die Studie andeutet ist Folgendes: Wir Menschen haben eventuell eine innere Uhr, die in 29,5 Tage abzählt, also etwa einen Monat. Das es solche Mechanismen gibt, ist aus dem Tierreich bekannt.
Gut untersucht beim Menschen ist der Tag-Nacht-Rhytmus, der in unseren Zellen gesteuert wird. Beim Tag-Nacht-Rhythmus beträgt ein Zyklus 24,2 Stunden und durch das Tageslicht wird der auf 24 Stunden geeicht.
Es könnte also sein, dass das hellere Licht bei Vollmond den 29,5 Tage-Rhythmus auch eicht. Doch das ist nicht bewiesen. Gerade in Großstädten gibt es viele Lichtquellen, die den Vollmond überstrahlen.

Hebammen-Wissen

Gibt es mehr Geburten bei Vollmond?

Weit verbreitet ist die Annahme: Bei Vollmond kommen mehr Kinder zur Welt. Der Soziologe Edgar Wunder hat bei seinen Recherchen immer wieder Krankenschwestern getroffen, die das behauptet haben. Doch nur eine Einzige war bereit, mit ihm die Daten statistisch auszuwerten.

Die Antwort lautet:

Ergebnis: Es gab keinen Zusammenhang zwischen Mondphasen und Geburten. Auch wenn die Krankenschwester felsenfest daran geglaubt hatte, eine Häufung bei Vollmond beobachtet zu haben. Wenige, selektiv wahrgenommene Einzelfälle hatten das Gesamtbild verfälscht.

Lunarer Haarspalter

Bei manchen Themen sind sich die Mondratgeber aber uneins, etwa beim Haare schneiden. Die einen raten zum Friseurbesuch bei abnehmendem Mond, weil die Haare dann nicht so schnell nachwachsen. Die andere Seite präferiert Haare schneiden bei zunehmenden Mond: Er lässt die Haare optimal fallen, verbessert ihre Struktur und beugt einer drohenden Glatze vor. Das sagen zumindest die Mondratgeber.

Der Mond und das Blut

Aber irgendetwas muss doch an der Kraft des Mondes dransein. In den Mondkalendern steckt schließlich das gesammelte Wissen von Generationen von Bauern, die das Wachsen und Vergehen auf den Feldern beobachteten.

Das stimmt nicht, sagt der Volkskundler Helmut Groschwitz von der Universität Regensburg. Er hat die ersten Spuren von Mondkalendern in spätmittelalterlichen Schriften gefunden. Diese stammen aber nicht von Bauern, sondern Ärzten. Diese gaben in sogenannten Aderlassbriefen Ratschläge zum geeigneten Zeitpunkt, Blut abzuzapfen und andere medizinische Untersuchungen durchzuführen.

Höheres Risiko im Operationssaal?

Stört der Vollmond bei Operationen?

Es gibt auch die These, bei Vollmond sei das "Komplikationsrisiko" bei Operationen höher. Daher solle man sich nur bei "abnehmendem Mond" operieren lassen. Rund dreißig empirische Studien haben den Wahrheitsgehalt dieser Behauptung geprüft.

Die Antwort lautet:

Alle Studien zeigen: Es ist völlig belanglos, in welcher Mondphase man sich operieren lässt. Egal ob Galle, Knie oder Hüfte: Niemand muss Angst haben oder den Termin verschieben, wenn er bei Vollmond oder zunehmenden Mond operiert werden soll.

  • Mondmythen - wissenschaftlich hinterfragt. nano, 19.06. um 17:45 Uhr, ARD-alpha
  • Unser Mond - Mythen und Fakten. 26.12.2018 um 17:20 Uhr, ARD-alpha
  • Notizbuch: Unser kosmischer Begleiter - Vom Mond und den Menschen. 23.07.2018 um 10:05 Uhr, Bayern 2
  • radioWissen: Der Mond: Ein Gestirn und seine Mythen. 8.20.2015 um 9:05 Uhr, Bayern 2

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