Medienkompetenzprojekte


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Adolf-Weber-Gymnasium Das Kalter Haus im Tal

Ein Hauses im Tal 19 in der Münchner Innenstadt hat das Interesse des Integrationskurs der Q11 des Adolf-Weber-Gymnasiums geweckt. Das "Kalterhaus" hat eine interessante und doch zugleich traurige Geschichte.

Stand: 09.06.2017

Eindrücke des Adolf-Weber-Gymnasiums | Bild: BR

Wir, ein Integrationskurs der Q11 des Adolf-Weber-Gymnasiums - der aus blinden und sehenden Schülerinnen und Schülern zusammengesetzt ist – haben uns aufgemacht und hinter die Fassade des Hauses Tal 19 in der Münchner Innenstadt geblickt. Es ist uns gelungen, die Geschichte des Hauses von seiner Erbauung bis heute fast lückenlos zu rekonstruieren. Wir haben erfahren, dass das Haus in den 30er Jahren "arisiert" wurde. Für die meisten von uns ist dieser Begriff neu, der so viel bedeutet wie die systematische Zwangsenteignung jüdischen Besitzes während der NS-Diktatur.

Die Fassade von außen 

Tal 19, 80331 München. Was sich hinter dieser Adresse in der Münchner Altstadt verbirgt, wissen wohl selbst nur die wenigsten Münchner. Dabei hat das dort stehende Kalterhaus eine interessante und doch zugleich traurige Geschichte. Das Kalter Haus wurde zwischen 1894 und 1895 als Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Es gehörte ursprünglich der jüdischen Familie Kalter, die dort ein Herrenbekleidungsgeschäft hatte. Während der NS-Zeit wurde es "arisiert" . Die meisten Mitglieder der Familie überlebten die Herrschaft der Nationalsozialisten nicht – sie starben entweder im Exil oder wurden im Konzentrationslager ermordet. Max und sein Bruder Ludwig Kalter, die nach München nach dem Krieg zurückkehrten, bekamen das Haus 1949 rückerstattet. Ludwig Kalter lebte noch bis zum 22.10.1995 in München und gründete im Kalterhaus eine Drogenentzugseinrichtung. Diese besteht auch bis heute noch. Mehr zur Geschichte des Hauses könnt ihr in unserem ersten Beitrag hören. Unsere Geschichtslehrerin Elena Selmaier hat als Kind im Kalterhaus gewohnt – drum haben wir auch sie in unserem Beitrag über ihre Erinnerungen interviewt.

Der Blick hinter die Fassade des Kalterhauses 

Christoph Teich von der Suchtberatung, die heute in der ehemaligen Wohnung unserer Lehrerin im Tal 19, dem Kalter Haus, (im 3. Stock) untergebracht ist,  lässt uns durch die alte, schwere Holztür in der Dürnbräugasse in das Haus.
Durch ein Treppenhaus mit alten Holzdielen, hohen Wänden und einem gedrechselten schmiedeeisernen Geländer gehen wir in den Dritten Stock. Die Besichtigung ist besonders für Elena Selmaier aufregend. Das kann man in unserem zweiten Bericht hören. Nachdem wir uns kurz in der großen Altbauwohnung umgesehen haben, gibt uns der Leiter der Suchtberatung ein Interview. Was wir besonders toll finden, ist, dass er Ludwig Kalter persönlich kannte. Zum Abschluss unseres Rundgangs gehen wir noch in den Keller des alten Wohnhauses im Tal und besuchen den Trachtenladen im Erdgeschoss. Die anstehende Luxussanierung wirft bereits ihre Schatten schon voraus. Der Schuhladen nebenan hat Räumungsverkauf. Das Tal 19, wie wir es erkundet haben, wird es bald nicht mehr geben. Wir sind unter den letzten, die das Kalter Haus noch in seinem alten Charme besichtigen konnten. Alle das könnt ihr in unserem zweiten Beitrag über das Kalterhaus hören.

MünchenHören-Team: Städtisches Adolf-Weber-Gymnasium

  • Projektschule: Städtisches Adolf-Weber-Gymnasium, Q11
  • Projekt-Lehrkraft: Elena Selmeier
  • BR-Mediencoaches: Senior-Coach: Barbara Weiss,
  • Externe Fachleute: Christoph Teich vom Beratungs- und Therapiezentrum für Suchtgefährdete und Abhängige; Andreas Heusler, Historiker

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