Unter unserem Himmel | 17.05.2020

Wallfahrer - Pilgern von Ruhmannsfelden zur Neukirchener Madonna

  • BR Fernsehen

  • 17.05.2020, 17:15 Uhr

  • 43 Min
  • UT

Die Ruhmannsfeldener Wallfahrt beruht auf einer über 400-jährigen Tradition und ist mit einem 50 km langen Fußmarsch durch den Bayerischen Wald zur Muttergottes nach Neukirchen beim Heiligen Blut verbunden.

Die Ruhmannsfeldener Wallfahrt geht auf ein Gelübde aus dem Jahr 1580, dem großen Pestjahr zurück. Damals gelobten die Überlebenden des Dorfes einmal im Jahr zur Neukirchner Madonna zu pilgern. Seit nunmehr vierhundertvierzig Jahren machen sich die Ruhmannsfeldener jeweils am Tag nach Christi Himmelfahrt auf den Weg, um das Versprechen ihrer Vorfahren aufrechtzuhalten. Dabei werden immer noch die alten, von Pilgerführer zu Pilgerführer weitergegebenen Gebete gebetet, die sonst in keinem Gebetsbuch zu finden sind. Das Ziel der Ruhmannsfeldener Wallfahrer ist Neukirchen beim hl. Blut in der Oberpfalz. Der Name des Ortes stammt von der Madonnenfigur, die vor 600 Jahren aus dem böhmischen Loucim nach Neukirchen verbracht wurde, um sie vor Anhängern des Reformators Jan Hus in Sicherheit zu bringen. Die Legende besagt, dass ein Hussit die Madonna in Neukirchen entdeckte und ihr mit dem Säbel ins Haupt schlug, um sie zu spalten. Daraufhin begann die Holzfigur zu bluten. Der Hussit wollte fliehen, was ihm nicht gelang. Da wurde er bekehrt. Diese Legende begründete Neukirchen als Wallfahrtsort. Die Madonna mit dem gespaltenen Schädel wurde zum verletzten Kultbild mit wundersamer Heilkraft. Bis zu 20 Wallfahrten aus der näheren und weiteren Umgebung kommen übers Jahr in Neukirchen an. Diese bis heute lebendige Tradition bescherte der Gemeinde einen nicht unerheblichen Wohlstand. Rund um die Wallfahrtskirche hat sich eine Devotionalienindustrie und zahlreiches Gastgewerbe ausgebreitet. Hier zeigt sich der nahtlose Übergang von Heiligem und Profanem, verbunden mit der Erfülltheit der erschöpften Wallfahrer, endlich am Ziel ihres langen Marsches zu sein.