Sehen statt Hören | Magazin in Gebärdensprache | 18.04.2020

Teilhabe im privaten Bereich

  • BR Fernsehen

  • 18.04.2020, 07:00 Uhr

  • 29 Min

Seit 1. Januar 2020 ist die dritte Stufe des neuen Bundesteilhabegesetzes (BTHG) in Kraft: Gehörlose haben Anspruch auf Übernahme der Dolmetscherkosten im privaten Bereich. Ist es nun besser?

Ein Haus- oder Autokauf, Gespräche mit Versicherungen und Banken, Taufen oder Beerdigungen, politische Veranstaltungen oder Ehrenamt - das alles gehört zum "privaten Bereich". Thomas Zander sieht sich genauer um. Er selbst soll als Moderator die Frage beantworten, ob er als Gast einer Hochzeit eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher im Sinne der sozialen Teilhabe bezahlt bekäme. So viel sei verraten: Es gibt nach wie vor kein kurzes "ja" oder "nein" auf diese Frage. Außerdem geht es um den Traum von Martin Hollweck: Er wünscht sich schon lange die eigenen vier Wände - bislang scheiterte er an den hohen Dolmetscherkosten für Termine mit dem Bauamt, mit Architekten, für die vielen Anträge. Weil er relativ gut verdient, musste er alles selbst bezahlen. Bei der EUTB-Stelle (Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung) in Ingolstadt will er erfahren, ob er zu diesem "besonderen Anlass" des Hausbaus nun Kosten erstattet bekommt. Die EUTB-Stellen müssen aus gesundheitlichen Gründen aktuell persönlichen Kontakt meiden. Beratungen finden daher online über Webcam oder E-Mail statt. Alexa Püttgens hatte vor acht Jahren für 20 Stunden pro Woche eine Taubblinden-Assistenz. Nach und nach wurde ihr diese gekürzt und schließlich nicht mehr genehmigt. Wie sieht es nun für sie mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes aus? Wenn Gehörlose für politisches, soziales oder kulturelles ehrenamtliches Engagement Dolmetscher brauchten, dann heißt es bislang: "Die müssen Sie selbst bezahlen." Hat sich daran seit 1. Januar dieses Jahres etwas geändert? - Ja, aber es ist nach wie vor nicht klar geregelt.