Sehen statt Hören | 18.01.2020

Stiftung Anerkennung und Hilfe

  • BR Fernsehen

  • 18.01.2020, 08:00 Uhr

  • 29 Min

Für Opfer von Misshandlungen in Heimen und Pflegeeinrichtungen wurde 2011 ein Fond geschaffen. Behinderte wurden dabei nicht umfasst. Mit der Stiftung Anerkennung und Hilfe wurde diese Regelungslücke endlich geschlossen.

Nach jahrelangem politischen Ringen gibt es seit Januar 2017 mit der Stiftung Anerkennung und Hilfe endlich auch einen Fond für Betroffene in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder Psychiatrie. Inzwischen gibt es erste Erfahrungen von Betroffenen, die eine Unterstützungsleistung erhalten haben. Doch kann damit das Leid und Unrecht gemildert werden?  Von Bund, Ländern und der Kirche wurde endlich ein Fonds in dreistelliger Millionenhöhe bereitgestellt. Zuständig für die Verteilung des Geldes ist die "Stiftung Anerkennung und Hilfe". In jedem Bundesland gibt es eine oder mehrere Anlaufstellen. Bisher haben rund 5.000 der Betroffenen einen Antrag gestellt. Das sind etwa 4% derer, die anspruchsberechtigt sind. Inzwischen hat das Bundeskabinett sogar die Verlängerung der Antragsfrist bis zum 31. Dezember 2020 beschlossen. Einen Antrag zu stellen ist ganz einfach: Es genügt ein Fax oder eine Mail an die Anlaufstelle mit der Mitteilung, dass man den Antrag stellen möchte. Anschließend erfolgt eine Einladung von der Stiftung zum Gesprächstermin.  Bei Bedarf wird dabei ein Dolmetscher gestellt, wahlweise kann man selbst eine Vertrauensperson mitbringen. Man berichtet über die Erfahrungen, bringt evtl.  Belege für den Aufenthalt (z.B. Fotos, Meldebescheinigungen, Briefe o.ä.) mit. Mit Unterstützung der Anlaufstelle wird dann der Antrag formuliert. Dieser wird geprüft und schließlich bekommt man die Entscheidung mitgeteilt. Bei Anerkennung erhalten die Opfer bis zu 9.000 Euro Unterstützungsleistung. Abgezogen darf von der Summe nichts werden – weder vom Sozial- noch vom Finanzamt. Anträge können noch bis Dezember 2019 gestellt werden. Eine Besonderheit gibt es in Osnabrück: Hier steht die Beratungsstelle für hörgeschädigte Menschen in enger Kooperation mit der Stiftung. Sie unterstützt Betroffene auch durch ein vorgelagertes Gespräch, bevor sie im Anschluss daran die Anlaufstelle aufsuchen. Ein Service, der gerne in Anspruch genommen wird. Für die Betroffenen sind ihre Erlebnisse  häufig nicht einfach zu formulieren. Viele leiden ihr Leben lang unter den Misshandlungen. Doch was ist mit den Einrichtungen, an denen das Unrecht passiert ist? Auch hier ist die Betroffenheit groß. Und der Wille zur Aufarbeitung auch. Doch hatte tatsächlich niemand eine Ahnung, was hinter den Türen der Heime und Einrichtungen passierte? Ganz so war es wohl nicht, wie das Archiv des Bayerischen Landesverband der Gehörlosen in München beweist. Genügend Wiedergutmachung? Und auch heute genügt das Geld der Stiftung vielen als Ausgleich nicht. Das heilt ihre Wunden nicht. Vor allem, weil die Täter häufig noch  leben, teilweise mit Auszeichnungen versehen wurden.  Konsequenzen gibt es für sie nicht. Während manche Opfer das dunkle Kapitel ihres Lebens lieber vergessen würden, fordern andere Gerechtigkeit.