Lust aufs Land | Doku

Bayerische Hofgeschichten (04)

  • BR Fernsehen

  • 25.05.2020, 18:15 Uhr

  • 44 Min
  • Folge 4
  • Online bis 21.05.2021 Warum?

  • UT

Ob Ziegenwirt oder Winzer, Milchbauer oder Bio-Veggie-Pionier - sie alle lieben ihren Job und ihr Leben in Bayern mit und von der Natur. In der vierteiligen Reihe "Lust aufs Land - Bayerische Hofgeschichten" werden heimische Bäuerinnen und Bauern porträtiert und von deren Ideen, Zielen und Träumen erzählt. Aber auch von den Herausforderungen, die sie meistern müssen, um ihre Betriebe erfolgreich in die Zukunft zu führen. Manchmal muss sich einiges ändern, damit alles weitergehen kann.

Eigentlich hatte Max Kainz das Thema Landwirtschaft längst abgehakt. Den elterlichen Betrieb hat sein sieben Jahre jüngerer Bruder übernommen, weil der Vater den Hof nicht wie Kainz umstellen, sondern weiter konventionell nutzen wollte. Statt Bauer ist der heute 62-Jährige Dozent am Lehrstuhl für ökologischen Landbau der TU München in Scheyern geworden. Im Jahr 2001 sprach ihn ein Personalberater an, ob er nicht Lust hätte, einen Hof in Schrobenhausen zu pachten. Kainz sagte zu und betreibt seitdem zusammen mit einem festangestellten Mitarbeiter einen 150 Hektar großen Betrieb: Wagyu-Rinder, Kartoffeln, Gemüse. Kainz ackert nonstop. Inzwischen sind noch ein zweiter Hof und Spargelfelder dazu gekommen. Das geht oft an die Grenzen der Belastbarkeit. Seine Frau Ulrike, eine gelernte Kräuterpädagogin, beobachtet das mit großer Sorge. Sie glaubt, dass Max seinem Vater bis heute beweisen will, dass er das Zeug zum Landwirt hat. Dazu kommt die Sorge um einen Nachfolger – weit und breit war lange kein Hoferbe in Sicht. Ein Neffe hat jetzt zumindest vorsichtiges Interesse signalisiert. Ein Problem, das auch Josef Wiesheu umtreibt. Der Oberbayer aus Sickenhausen bei Freising ist immerhin schon 70 und besitzt mit rund 100 Tieren die größte Herde kanadischer Bisons in Deutschland. Die Zucht und der Vertrieb des Fleisches laufen hervorragend, aber sein einziger Sohn hat kein Interesse an der Landwirtschaft. Jetzt ruhen alle Hoffnungen auf dem Enkel – ein gelernter Metzger wie Wiesheu selbst. Denn auch der Bison-Visionär wollte nicht immer Bauer werden. Während eines Nordamerika-Urlaubs kam er durch Zufall auf die Idee, Bisons zu züchten. Als er 1995 den unrentablen, elterlichen Milchviehbetrieb übernehmen musste, setzte er dieses Vorhaben in die Tat um. In Eigenregie holte Wiesheu die ersten 60 Muttertiere aus Kanada in den Landkreis Freising. Vor dem Übersee-Transport hatte er die mächtigen, bis zu einer Tonne schweren Tiere quer durchs Land von der West- an die Ostküste Kanadas gefahren. Dann ging es weiter mit dem Flugzeug über Paris nach München und schließlich nach Sickenhausen. Heute verkauft Wiesheu europaweit Muttertiere für die Zucht und betreibt eine eigene Hofmetzgerei. Mit großem Erfolg: Bisonfleisch gilt als besonders schmackhaft, fettarm und gesund. Und Massentierhaltung gibt es hier auch nicht. Wiesheus Devise: Mehr Bio als Bison geht nicht. Für den Bauern eine Idee, die aufgegangen ist – und mit ein bisschen Glück doch noch als Familienbetrieb erhalten bleibt.