Lebenslinien | Menschen im Porträt

Nach dem Spiel

  • BR Fernsehen

  • 22.06.2020, 20:00 Uhr

  • 44 Min
  • Online bis 21.09.2020 Warum?

  • UT

Babak Rafati hat iranische Wurzeln und macht sich in Deutschland als erster Bundesliga-Schiedsrichter mit Migrationshintergrund einen Namen. Schon als Kind hat er gelernt, dass er stark und ohne Fehler sein muss, um geliebt und anerkannt zu werden.

Babak Rafati wächst in Teheran auf. Sein Vater ist warmherzig und gleicht damit die sehr bestimmte und eher kühle Art der Mutter aus. Die Eltern trennen sich, als Babak sechs Jahre alt ist. Ein Jahr später nimmt ihn der Vater mit nach Deutschland. In seiner Freizeit spielt Babak Fußball und träumt von einer Profikarriere. Als er feststellt, dass sein Talent dafür nicht ausreicht, beginnt er eine Ausbildung zum Schiedsrichter. Gleichzeitig lernt er Bankkaufmann und steigt später bis zum Leiter einer Sparkassenfiliale auf. Die Welt des Fußballs bestärkt seinen Perfektionsanspruch und sein Selbstbild des starken Mannes. 2005 pfeift er in der 1. Bundesliga, drei Jahre später sogar international als FIFA-Schiedsrichter. Doch nach und nach wird ihm der Druck zu groß. Immer häufiger ignoriert Babak die Signale seines Körpers und geht über Schmerzgrenzen. Es unterlaufen ihm spielentscheidende Fehler, von da an wird jedes Spiel zur Qual. Ein Sportmagazin kürt ihn drei Mal zum schlechtesten Schiedsrichter des Jahres. Am 19.11.2011 sieht Babak Rafati keinen anderen Ausweg als Selbstmord. Gerade noch rechtzeitig wird er gefunden. Es folgt die wohl schwierigste Zeit seines Lebens. Erst nach sechs Wochen findet er einen Arzt, dem er vertraut. Er gesteht sich ein, in einer tiefen Depression zu stecken. Nach und nach lernt er, Hilfe anzunehmen und sich selbst und seine Bedürfnisse wahrzunehmen. Schließlich erkennt Babak Rafati, dass er von seiner Umwelt auch geliebt wird, wenn er Schwäche zeigt.