Lebenslinien

Frank-Markus Barwasser - Der Pelzig und ich

  • BR Fernsehen

  • 01.04.2019, 20:00 Uhr

  • 45 Min

"Wer bin ich, wenn ich nicht in meiner Rolle stecke?" – diese Frage kann Frank-Markus Barwasser, besser bekannt als Erwin Pelzig, nicht so einfach beantworten. Über 20 Jahre beugt er sich dem Mediendruck und verliert dabei sein eigentliches Ich immer mehr aus dem Blick. Erst mit Mitte 50 kann er sich von diesem Zwang befreien: Als Vater in Elternzeit entscheidet er sich für eine Rolle, die nichts mit der des Erwin Pelzig gemein hat.

Er steckt das rot karierte Hemd in die Hose, zieht seinen Trachtenjanker an und setzt das braune Cord-Hüdli auf. Jetzt ist er unverkennbar Erwin Pelzig, der in fränkischem Dialekt auf die Missstände der Welt aufmerksam macht. Der Mann hinter der Kunstfigur, Frank-Markus Barwasser, redet hochdeutsch und drängt sich eher nicht ins Rampenlicht. Als Bub bekommt Frank-Markus, das vierte von fünf Kindern, wenig Aufmerksamkeit. In der Schule in Würzburg hat er große Schwierigkeiten, seine Bewerbung an einer Schauspielschule scheitert. Frank-Markus wird Journalist. Für eine BR-Radio-Glosse erfindet er Anfang der 90er-Jahre Erwin Pelzig. 1992 finden die ersten Auftritte in einem Würzburger Theater statt. Damals ahnt er noch nicht, dass er die Figur mehr als zwei Jahrzehnte spielen wird. In seinen Programmen beschäftigt er sich mit kognitiver Dissonanz – den inneren Widersprüchen, die er selbst auch empfindet. Kann er als Barwasser das, was er als Pelzig kann? Immer untrennbarer wird die Beziehung der beiden. Bis er 2016 seinem Alter Ego den Rücken kehrt. Als Vater in Elternzeit beschließt er, sich nicht mehr von anderen vereinnahmen zu lassen – auch nicht von Pelzig, dem er trotz allem bis heute die Treue hält.