Bildungsreport

Informatiklehrer dringend gesucht!

  • ARD-alpha

  • 21.12.2017, 18:00 Uhr

  • 7 Min

Zu wenige junge Menschen entscheiden sich für ein Studium im MINT-Bereich. Der Mangel wird sich mit dem neunjährigen Gymnasium verschärfen. Campus Magazin fragt Lehrer, Professoren und Studierende wie man junge Menschen begeistern kann, Informatiklehrer zu werden.

Zu wenige junge Menschen entscheiden sich für ein Studium im MINT-Bereich. Das zeigt der Hochschul-Bildungsreport vom Stifterverband und der Unternehmensberatung McKinsey. Es mangelt am Nachwuchs, der Lust auf mathematisch-naturwissenschaftliche und technische Fächer hat. Vor allem Informatik-Lehrer werden dringend gesucht. Denn sie sind die Multiplikatoren für den Weg in die digitale Gesellschaft. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 6000 Informatiklehrer. Will man deutschlandweit bis 2020 Informatik als Wahlfach für alle ausbauen, bräuchte man 10.000 Lehrer. Wenn es in den Schulen bundesweit als Pflichtfach angeboten werden soll, bräuchte man sogar 30.000 Pädagogen. Während es in Schleswig-Holstein keinen Unterricht gibt, steht in Bayern seit 2004 Informatik auf dem Lehrplan für die Gymnasien. Es wird ab der Unterstufe unterrichtet, und im naturwissenschaftlich-technischen Zweig ist es auch in der Oberstufe verpflichtend. Mit dem neunjährigen Gymnasium soll der Unterricht noch ausgebaut werden. Fachlehrkräfte sind der Meinung, dass Informatik bereits in der Grundschule in kleinen Lektionen unterrichtet werden soll. Denn umso früher Kinder sich mit den Anwendungen und dem Programmieren vertraut machen, umso eher begeistern sie sich später für das Fach. Derzeit kann das bayerische Kultusministerium nur etwa die Hälfte des Informatik-Unterrichts mit Fachlehrern besetzen. Viele davon haben mittels berufsbegleitenden Nachqualifizierungen das Staatsexamen in Informatik abgelegt. Der Rest des Unterrichts wird von fachfremden Lehrkräften, etwa Biologielehrern übernommen. An der TU München haben in diesem Semester rund 1000 Studenten das Informatik-Studium begonnen, aber nur 10 studieren auf Lehramt. Ein Grund: Auch in der Wirtschaft sind Informatiker gefragt. Hier können die Studenten mit Anfangsgehältern rechnen, die teilweise drei Mal so hoch ausfallen wie an der Schule. Wer auf dem neuesten Niveau mitmischen möchte, fühlt sich in der Wirtschaft besser aufgehoben. Didaktik-Studenten müssen an der Uni teilweise die gleichen Vorlesungen, Seminare und Prüfungen absolvieren wie die Fachstudenten. An Mathematik kommt man in Bayern meist nicht vorbei. Das Fach hat aber extrem hohe Durchfallquoten. Das schreckt zusätzlich junge Menschen ab, die sich ansonsten vorstellen könnten, das Informatik-Lehramtsstudium zu wählen. Einige hoffen darauf, dass sich durch einen größeren Informatikanteil am Unterricht mehr Mädchen für das Fach begeistern lassen. Denn Mädchen wählen im Verhältnis zu Jungen häufiger den Lehrerberuf.