Bayern erleben | Doku

Unter Königstreuen

  • BR Fernsehen

  • 15.08.2020, 10:45 Uhr

  • 45 Min
  • Online bis 10.08.2021 Warum?

  • UT

In "Bayern erleben - Unter Königstreuen" hat BR-Autor Michael Zametzer der Faszination der bayerischen Monarchie nachgespürt, die bis heute andauert.

Siegfried Mathes ist überzeugt davon, in einer besonderen Beziehung zu Ludwig II. zu stehen. Der gebürtige Oberpfälzer fiel schon in früher Jugend durch eine frappierende äußere Ähnlichkeit mit dem Märchenkönig auf, was eine Tante dazu bewog, den Siegfried kurzerhand "Wiggerl" zu nennen. Diese Ähnlichkeit hat sein ganzes Leben geprägt – er hat sich dem König verschrieben – und sein ganzes Haus in den Historismus des 19. Jahrhunderts gekleidet. Aber auch oben im Norden, im Spessart, ist ein Häuflein unerschütterlicher weiß-blauer Grenzwächter aktiv: das "Schwanzhaar vom Bayerischen Löwen", wie sie sagen. Sie kleiden sich in Oberländer Tracht, laden zum "Hoagascht" und blasen das Alphorn, das aber – in Ermangelung echofähiger Alpentäler – in einem gigantischen, über 100 Meter tiefen Steinbruch. Die Zeit ist jedoch nicht spurlos an der Bewegung der Königstreuen vorübergegangen. Wenn sie einladen, dann bleiben heute viele der weiß-blau geschmückten Tische unbesetzt. Denn Nachwuchs will sich bei den Patrioten nicht so recht einstellen. Haben sie den Zenit überschritten? War das alles doch nur die skurrile Idee eines Georg Lohmeier mit kurzer Halbwertszeit? Oder steckt in den Königstreuen auch das Potenzial, ernsthaft Traditionspflege zu betreiben? Überhaupt: Wie stehen die Wittelsbacher selbst zu den Aktivitäten der Königstreuen? Prinz Luitpold von Bayern jedenfalls sieht es gelassen. Als Urenkel des letzten bayerischen Königs Ludwig III. hat der Unternehmer von frühester Jugend an gelernt, mit der Familiengeschichte zurechtzukommen. Und auch er nutzt die Geschichte seiner Familie, als Brauereibesitzer und Ausrichter des Kaltenberger Ritterturniers. Wo aber ist die Grenze zwischen Verehrung, Kitsch und Kommerz? Beim Gedenkgottesdienst zum Tode Ludwigs II. kommen sie am 16. Juni dann alle zusammen. Bei dieser Gelegenheit kann es auch vorkommen, dass vom See her seltsam verhüllte Gestalten mit schwarzen Kapuzen auftauchen, die geheimnisvollen Guglmänner. Sie haben in der Vergangenheit einiges darangesetzt, die Theorie vom Mord an Ludwig II. zu beweisen – mit spektakulären, aber umstrittenen Methoden. Für die Dokumentation "Unter Königstreuen" hat das BR-Team der Faszination der bayerischen Monarchie nachgespürt, die bis heute andauert.