Bayern erleben

Ausgerechnet Ingolstadt

  • BR Fernsehen

  • 06.03.2017, 19:15 Uhr

  • 44 Min
  • UT

Keine Großstadt in Deutschland wächst so schnell, nirgends sonst gibt es so wenige Arbeitslose und mit einem Migrationsanteil von 40 Prozent liegt Ingolstadt bundesweit an der Spitze. Steffi Illinger porträtiert in ihrem Film das Heimatgefühl dieser so lebendigen und sich rasch verändernden Stadt.

Ingolstadt ist eine Stadt der Rekorde: Keine Großstadt in Deutschland wächst so schnell, nirgends sonst gibt es so wenige Arbeitslose und mit einem Migrationsanteil von 40 Prozent liegt Ingolstadt bundesweit an der Spitze. Auch deshalb steht in Ingolstadt die größte Moschee in Bayern: Im Piusviertel, einer Trabantensiedlung der 60er-Jahre, die mit einem Migrationsanteil von 80 Prozent einst als die „Bronx“ der Stadt berüchtigt war. Heute sieht man am „Tag der offenen Moschee“ Frauen mit Kopftuch und Männer im Trachtenjanker ganz entspannt nebeneinander stehen. Einer der vielen, die sich seit Jahren für ein gutes Zusammenleben der verschiedenen Kulturen einsetzen ist Hakan Sirt: Als von der Stadt amtlich bestellter christlich-muslimischer Dialogbeauftragter gibt er islamischen Religionsunterricht und veranstaltet Moscheeführungen. Unterstützt wird er von dem aus Kasachstan stammenden Robert Rudi. Der gelernte Heizungsbauer ist heute Streetworker im Piusviertel und organisiert den Sporttreff, „Parcours Turnen“ betreibt dort der in Ingolstadt geborene Albaner Ardit Begisholli, der eine Lehre beim größten Arbeitgeber der Stadt, bei Audi macht. Auch Benjamin Bagola ist in Ingolstadt geboren – er entstammt einer slowenischen Familie, die in den 70er-Jahren nach Deutschland kam. Sein Vater hat als Gastarbeiter im Piusviertel gelebt und bei Audi gearbeitet, wo sein Sohn Benjamin mittlerweile Karriere gemacht hat. Aber nicht nur ehemalige Gastarbeiter prägen die Stadt, sondern auch Neuankömmlinge wie das Ehepaar Theres Rhode und Erich Bruhns: Er arbeitet als Ingenieur bei Audi, sie betreut Ausstellungen im Museum für konkrete Kunst. In Ingolstadt aufgewachsen und nach Stationen in Chicago und Wien in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, ist Bettina Rottler. Die Geigenbauerin hat sich im Zentrum eine Ladenwerkstatt eingerichtet, unterstützt von der Stadt, die ein Interesse daran hat, die Altstadt lebendig zu erhalten. Filmautorin Steffi Illinger porträtiert das Heimatgefühl dieser so lebendigen und sich rasch verändernden Stadt, die zugleich Modellcharakter hat, wenn es darum geht, viele parallele Welten zusammenzuführen.