alpha-retro: Bergwelt

Matterhornbesteigung (1959)

  • ARD-alpha

  • 04.09.2020, 18:15 Uhr

  • 29 Min

Als erstes Filmteam ohne Träger auf das Matterhorn - dieses Triumphs kann sich das Filmteam des BR rühmen, das den Gipfel 1959 erstieg. Auf dem Weg müssen die Kletterer allerdings einige Rückschläge in Kauf nehmen, zum Beispiel die Erkenntnis, dass die Zahnradbahn schon ganz bequem Touristen in 3100 Meter Höhe absetzt und dass die Hörnli-Hütte so überfüllt ist, dass es Strafgebühr kostet, dort länger als eine Nacht zu verweilen.

4478 Meter ragt der „Löwe von Zermatt“ in den Himmel: das Matterhorn, „der schönste, der teuerste, ja vielleicht der berühmteste Berg der Welt.“ Der Ort Zermatt lebt von diesem Berg, genau genommen von den Touristen, die alle ein Ziel verbindet: den Gipfel zu erklimmen. Mit der Erstbesteigung am Freitag, den 13. Juli 1865 wurde der Grundstein zum Tourismusrummel gelegt. Von Anfang an forderte der Berg dabei seine Opfer – meistens Menschen, die sich allzu sehr als Helden fühlten und die Vernunft in den Wind schlugen. 1959 – im Entstehungsjahr des Films – beherbergte der Bergfriedhof bereits 150 Kletterer aus aller Welt, die sich in Besteigungs-Rekorden zu überbieten suchten. Und ein weiterer Kampf tobt auch damals schon dort: der Zwist zwischen Naturschützern und Verfechtern der Verkehrstechnik. Eine Zahnradbahn befördert auch Freunde der Bequemlichkeit bis auf 3100 Meter, mehr wird gefordert. Der Bau einer Seilbahn bis zum Gipfel aber wird zuletzt dann doch durch Proteste von Naturfreunden aus aller Welt verhindert. Ungeachtet dessen steigen die Touristenzahlen zusehends. Der alte Hüttenwirt am Hörnli weiß davon ein Lied zu singen. Oft ist seine Hütte schon so voll, dass selbst auf dem Fußboden kaum ein Schlafplatz zu finden ist. Ein Aufenthalt von mehr als einer Nacht kostet daher Strafgebühr – und er scheucht die Schläfer schon um 3 Uhr früh auf, zum Weiterziehen. Je höher das Filmteam bei seiner Matterhornbesteigung kommt, desto weiter entfernt scheint der Gipfel, desto mehr zeigt sich die Größe des Berges. Alpinistisch gesehen ist das Matterhorn ein Allerweltsviertausender – wenn das Wetter nicht umschlägt. Die Wanderer in diesem Film haben Glück, ihnen präsentiert sich der Berg unverhüllt in all seiner Schönheit. Festgehalten in fantastischen Bildern, die beweisen, welche Erzählkraft der Schwarzweißfilm hat; und unterlegt mit einem zutiefst poetischen, mitunter satirischen Text: zusammen genommen ein Genuss, der fern von Schnee, Eis, blaugefroreren Fingern und aufgeschürften Knien die einzigartige Zeitreise auf der Fernsehcouch ermöglicht. An das Glück der Bergsteiger reicht das natürlich nicht heran – diese durften nicht nur den herrlichen Ausblick in 3D genießen, sondern sich auch in dem Gefühl sonnen, als erstes Filmteam ohne Träger den Gipfel gestürmt zu haben.