Gedanken zum Tag

Revolte in der Kirche?

Es gäbe für die Kirchen neuerlich eine schöpferische Alternative zum Fantasielosen "Zurück vors Konzil!". Es wäre der auch für die Gesellschaft vorbildliche Versuch, angesichts der zunehmenden Freiheitsrisiken (...) nicht die Freiheit wieder loszuwerden, sondern sie durch kluge Entlastungen zu ermöglichen, ja zu stärken. Im Namen der von Gott zugemuteten Freiheit könnten gerade in freiheitsflüchtigen Zeiten die Kirchen zu Anwältinnen der Freiheit werden. Dies könnte den Kirchen auch dadurch gelingen, dass sie einen der größten Freiheitsfeinde der heutigen Zeit schwächt: nämlich die bodenlose Angst letztlich vor Endlichkeit, Vergeblichkeit und Tod. Das könnte durch eine intelligente Rehabilitierung der von den 68ern als repressiv denunzierten drei gesellschaftlichen Kräfte geschehen. Institutionen könnten dann frei wählbare Netzwerke (Gemeinschaften) sein, die den einzelnen in seinem zugemuteten und erlittenen Freiheitsrisiko entlasten. Normen könnten sich als erfahrungsgedrängte leidpräventive Lebensweisheiten bewähren. Autoritäten wiederum würden Freiheit nicht behindern, sondern zur Freiheit befreien. Die Kirchen müssten also gerade heute Themen wie intelligente Re-Institutionalisierung, Formulierung von leidpräventiven "Regeln" und Verlagerung der Autorität der Kirche vom Richten zum Heilen auf ihre Tagesordnung setzen. Entnommen aus: "Revolte in der Kirche? Das Jahr 1968 und seine Folgen", hrsg. von Sebastian Holzbrecher, Julia Knop, Benedikt Kranemann und Jörg Seiler, Herder Verlag, Freiburg 2018

Gedanken zum Tag
1 Min. | 29.11.2018

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