B5 Thema des Tages

Bilanz des Landtagswahlkampfs in Bayern: Politikwissenschaftlerin Ursula Münch im BR-Interview

Bei der morgigen Landtagswahl in Bayern entscheiden sich Umfragen zufolge viele Wählerinnen und Wähler erst in letzter Minute, wem sie ihre Stimme geben. Das habe sie in diesem Landtagswahlkampf besonders überrascht, sagte die Direktorin der Akademie für politische Bildung in Tutzing, die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch, im Interview der Woche auf B5 aktuell. Das sei kein neues Phänomen, aber, so Münch wörtlich, "das sind schon hohe Werte diesmal." Die Politikwissenschaftlerin führt das unter anderem darauf zurück, dass die Menschen früher wesentlich engere Bindungen an die Parteien hatten als heutzutage. "Das wirkt sich dann natürlich auch auf das Wahlverhalten aus, die Selbstverständlichkeit ist dahin." Außerdem, so Münch, "denken die Menschen auch in Bayern inzwischen mehr in Koalitionen" und das bringe sie dann unter Umständen in eine Zwickmühle. Laut Münch spielen auch diejenigen eine Rolle, die aus anderen Bundesländern nach Bayern ziehen und sich an keine Partei in Bayern historisch gebunden fühlen. Zugleich ist laut Angaben von Münch allerdings auch die Zahl der Briefwähler gestiegen, also derjenigen, die ihre Entscheidung schon vor dem Wahltag getroffen haben. Das stelle die Parteien im Wahlkampf vor eine besondere Herausforderung, dass sich manche erst sehr spät, die Briefwähler aber schon Wochen vor der Wahl entscheiden. Dass die bayerische Verfassung für die Regierungsbildung nach der Wahl einen engen Zeitplan vorsieht, bezeichnete die Politikwissenschaftlerin als "unheimliche Herausforderung". Sie geht aber davon aus, dass die Parteien, die möglicherweise eine Koalition bilden werden, das im vorgesehenen Zeitraum schaffen.

B5 Thema des Tages
7 Min. | 13.10.2018
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