Künstliche Intelligenz Sind Mensch und Maschine noch zu unterscheiden?

Computer fangen an zu dichten, Social Bots beeinflussen Wahlen und Einkäufe und gerade wurde Amazons Alexa als Zeuge vor Gericht geladen. Was geschieht da gerade zwischen Mensch und Maschine? Christoph Drösser untersucht ein kompliziertes Verhältnis.

Stand: 25.01.2021

Menschliches Gehirn und Roboter | Bild: BR

"Es ist so, dass wir zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte mit Entitäten oder mit Wesen – oder wie immer Sie es nennen wollen – reden, die keine Menschen sind", sagt der Wissenschaftsjournalist Christoph Drösser. Und diese Automaten antworten uns. Glauben (fürchten?) wir, sie sind dabei, ein Bewusstsein zu entwickeln? Wir sprechen immer von Künstlicher Intelligenz. Aber sind die Algorithmen wirklich intelligent?

1950 entwickelt der Informatiker und Kryptoexperte Alan Turing die Versuchsanordnung für einen Test. Der Mensch soll mit einem Gegenüber kommunizieren. Er weiß nicht, ist es ein Computer oder ein Mensch. Erst wenn der Versuchsteilnehmer die maschinellen Antworten nicht erkennt, dürfe man sie als intelligent bezeichnen. Jahrzehntelang fanden die Probanden schnell heraus, mit wem sie es zu tun hatten. Aber heute?

Bald ein perfektes Imitat des Menschen?

Im Internet kann man einen solchen Test machen. Man liest ein Gedicht und muss raten: Hat es ein Bot geschrieben oder ein Mensch? Mittlerweile werden Programme so lange trainiert, bis sie scheinbar immer eine vernünftige, zumindest angemessene Antwort geben können. Wir kennen das von den Sprachassistenten, die in den letzten Jahren erstaunliche Fortschritte gemacht haben. Aber: "Die ganze Erfahrung von Realität, die dahinter steckt, die fehlt dem System völlig", sagt Christoph Drösser. "Und trotzdem ist es in der Lage, mit uns über solche Dinge in Dialog zu treten. Das ist schon ein bisschen unheimlich."

In den letzen Jahren ist noch etwas anderes hinzugekommen. So versuchen Entwickler, den Sprachassistenten gezielt durch Pausen und Laute wie "Mhmm" darüber zu täuschen, dass sie es mit einem Programm zu tun haben. "Der Trend geht im Moment zur Mimikry. Also die Maschine tut so, als wäre sie ein Mensch." Als es einem Team tatsächlich gelang, einen Tisch in einem Restaurant zu bestellen, ohne dass jemand Verdacht schöpfte, glaubte man sich am Ziel. Aber ist es ethisch vertretbar, einen Menschen darüber zu täuschen, mit wem er es zu tun hat?

Das Buch von Christoph Drösser: "Wenn die Dinge mit uns reden" ist im Dudenverlag erschienen.

Hier geht es zum Beitrag von Andreas Krieger in ttt mit Christoph Drösser.