20 Jahre Wikipedia Funktioniert nicht in der Theorie – nur in der Praxis

Hallo Welt. Zwei einfache Wörter – und der Beginn einer großen Geschichte. Geschrieben vor 20 Jahren auf einer Webseite, von der niemand ahnte, wie erfolgreich sie einmal sein würde: Wikipedia.

Von: Julia Schweinberger

Stand: 14.01.2021

Wiki-Logo | Bild: picture-alliance/dpa

"Es gibt diesen schönen Spruch: Wikipedia funktioniert nicht in der Theorie, sondern nur in der Praxis", sagt Pavel Richter, von 2009-2014 Geschäftsführer von Wikipedia Deutschland: "Und dahinter steckt wirklich auch was. Denn wenn man sich das so ausgedacht hätte am Reißbrett, wenn irgendjemand sich das als Geschäftsidee oder als großartige Möglichkeit zur Wissensvermittlung so überlegt hätte, das wäre sicherlich gescheitert. Ich glaube, Wikipedia ist deswegen so ein Erfolg geworden, weil es Menschen einfach gemacht haben."

Wissen – hier (ver)steckte es (sich) jahrhundertelang: in Universitäten, Bibliotheken, vor allem in gedruckten Büchern. Zusammengetragen und geprüft von Experten. Und dann kommt er: Jimmy Wales, Internet-Unternehmer aus Alabama – mit völlig neuem Ansatz. Mit Larry Sanger gründet er 2001 Wikipedia. Eine Enzyklopädie im Netz – frei zugänglich für alle. Geschrieben ohne Fachexperten, sondern von ganz normalen Menschen. Unentgeltlich. Gewagte Idee, aber sie funktioniert. Wikipedia wächst rasant. Weltweit. Vor allem in Deutschland. Für Pavel Richter kein Zufall: "Jimmy Wales sagt immer: Es gibt eigentlich nur ein Land, wo er auf der Straße erkannt wird und das ist Deutschland. Ich glaube, das hat ein bisschen was damit zu tun, dass Wikipedia so zwei Dinge vereint, die uns Deutschen offensichtlich ein bisschen liegen. Ich bin etwas zurückhaltend mit Stereotypen über die Deutschen. Aber zwei Sachen sind schon die uns, glaub ich, ganz nahe liegen. Das eine ist diese diese Lust am Sortieren, Kategorisieren, Systematisieren. Ich glaube, darin sind Deutsche schon ganz besonders begabt und interessiert. Und das zweite ist schon so eine gewisse - im freundlichen Sinne - Besserwisserei und Klugscheißerei."

Autorinnen? Mangelware!

Fragen stellen. Mitdiskutieren. Mitschreiben. Offen für alle. Eigentlich ganz demokratisch diese Wikipedia. Problem nur: zu viel Testosteron. Auf Wikipedia schreiben vor allem Männer. Der Frauenanteil liegt bei 10 Prozent. Kathrin Herwig ist eine von ihnen: "Also ich habe gesehen, dass in der Wikipedia der Anteil an den Frauen bezogenen Themen verhältnismäßig niedrig ist und dass eben auch der Anteil an weiblichen Wikipedianern nicht so hoch ist. Und dann dachte ich mir, da mach ich doch mal mit und schaue, ob ich etwas verbessern kann. Und jetzt am Beispiel dieser Mélanie Bonis, dieser Komponistin aus dem 19. Jahrhundert. Da gibt es ja z.B. schon einen Artikel, aber der ist noch nicht so wahnsinnig umfangreich ausgearbeitet. Und ich hab gesehen, dass es da neue Literatur gibt und sehe, dass man viel zu ihrer Biografie eben auf einen neueren Stand bringen kann."

Das Internet ist oft ganz schön anstrengend. So viel Hass, der da rumschwirrt. Aber die Geschichte von Wikipedia zeigt, das Netz kann auch anders. Es kann großartige Dinge hervorbringen. Wir müssen nur mitmachen.

Den Beitrag über Wikipedia sendet Capriccio auf dem neuen Sendeplatz um 22:45 Uhr am 14.1. im Bayerischen Fernsehen.