Zum Muttertag Blumen bitte nur mit Balkon-Applaus

Das bayerische Arbeitsministerium will Müttern in der Pandemie die "traditionelle Wertschätzung" durch Blumengeschenke zuteilwerden lassen. Floristen dürfen deshalb am Muttertag öffnen. Dumm nur, dass sich selbst die Erfinderin des Ehrentags mit steigender Kommerzialisierung davon distanzierte.

Von: Veronika Wawatschek

Stand: 07.05.2021

Kinder von hinten mit Blumensträußen | Bild: dpa/Annette Riedl

Ist der Strauß für die Mutter schon gekauft? Kein Problem, das geht auch noch am Sonntag – und zwar per Allgemeinverfügung der bayerischen Arbeits- und Sozialministerin. Derzufolge dürfen nämlich Blumengeschäfte am Muttertag zwischen 8 und 12 Uhr öffnen. Denn schließlich geht es um ein gesamtgesellschaftliches Anliegen: Müttern soll, wie es in der Pressemitteilung heißt – "in Anbetracht der gestiegenen Belastungen durch die Pandemie" die "traditionelle Wertschätzung" durch Blumengeschenke entgegengebracht werden.

Beitrag für unser Gemeinwesen

Klar, wozu eine finanzielle Aufwandsentschädigung für ein Jahr Hilfslehrertätigkeit oder eine Impf-Prio für Alleinerziehende? Blumen sind doch schön! Und wenn sie mit dem entsprechenden Balkon-Applaus daherkommen, leistet Mami ihren "Dienst für die Familie" bestimmt gerne noch weitere Pandemiejahre.

Möglicherweise hat sich Frau Trautner aber einfach nur im Jahrhundert vertan. 1920 – zu Zeiten der Spanischen Grippe – mag die "traditionelle Mütterwertschätzung" in Form von Blumengeschenken eine Errungenschaft gewesen sein. 2021 warnt auch die Bundeskanzlerin vor alten Rollenmustern. Es seien doch wieder vermehrt Frauen, die den Spagat zwischen Homeschooling und dem eigenen Beruf meisterten, so Merkel. Ein Skandal – der offenbar nur in nicht-bayerischen Bundesländern als solcher gesehen wird. In Bayern nennt sich dieser Spagat laut Pressemitteilung "Beitrag für unser Gemeinwesen".

Muttertag? Abschaffen!

Vielleicht ging es Frau Trautner in ihrer Doppel-Rolle als Arbeits- und Sozialministerin aber auch einfach darum, dem Blumengewerk die traditionelle Wertschätzung in Form von Blumenkäufen zu teil werden zu lassen. Denn schließlich wollte selbst die Erfinderin des Muttertages, eine gläubige Methodistin, mit steigender Kommerzialisierung nichts mehr von ihrer eigenen Idee wissen und kämpfte für die Abschaffung des Feiertags – allerdings ohne Erfolg.