Maren Kroymann Stark, souverän, verarschungswürdig

Maren Kroymann – Schauspielerin, Kabarettistin, Feministin. Ein Gespräch über falsch verstandene Selbstironie, kurze Röcke und die Frage, wann Humor versöhnlich wirken kann.

Von: Julia Schweinberger

Stand: 28.07.2021 | Archiv

Schauspielerin, Sängerin und Satirikerin Maren Kroymann | Bild: BR

Julia Schweinberger: Bedingt durch Social Media lauert hinter jedem Klick ein Shitstorm. Ist es schwieriger geworden, Witze zu machen?

Maren Kroymann: Man muss schon aufpassen, dass man in keine Fettnäpfchen tritt – das stimmt. Aber wenn frauenfeindliche oder rassistische Witze gemacht werden, finde ich Shitstorms als Reaktion richtig. Man darf nicht rassistisch sein. Man darf nicht antisemitisch sein. Es gibt Dinge, die gehen einfach nicht. Man hat sich da früher nie solche Gedanken gemacht. Jetzt ist die Reaktion schärfer. Das zwingt uns, mehr nachzudenken.

War Humor schon immer eine Kampfzone?

Als ich meine erste Satiresendung in den 90er Jahren hatte, wurde ich sehr kritisiert von anderen Feministinnen. Ich habe Parodien über Frauen gemacht und das war ein Tabu. Als Frau dürfe man keine anderen Frauen kritisieren. Der Meinung bin ich überhaupt nicht, im Gegenteil! Das hat mit dazu geführt, dass Feministinnen so lange als humorlos galten. Humor muss unvorhersehbar sein. Das ist, was einen zum Lachen bringt – und das möchte ich voll ausschöpfen.

Zur Person

Maren Kroymann ist Schauspielerin, Sängerin und Satirikerin. Sie spielte in verschiedenen TV-Serien und Filmen mit. 1993 bekam sie als erste Frau im deutschen Fernsehen eine eigene Satiresendung. Ihre aktuelle Kabarettshow "Kroymann" ist im Ersten und in der ARD-Mediathek zu sehen. Die Sendung wurde mit dem Grimme- und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Neue Folgen sind in Planung. Mit ihrem Bühnenprogramm "In My Sixties" ist sie auf Tour.

Gibt es etwas, über das Sie keine Witze machen?

Ehrlich gesagt finde ich es wichtig, dass wir uns über alles Mögliche lustig machen. Ich neige dazu, die Gruppen, denen ich selber angehöre, mit durch den Kakao zu ziehen. Ich will nicht, dass irgendwelche blöden Machos ihre Witze über Frauen reißen, sondern ich will einen gepflegten und erhellenden Witz selber machen – über mein Alter, Feministinnen, Lesben, linksgrüne Einstellungen ... Wir kennen uns da ja auch sehr gut aus.

Also eine Art Selbstironie?

Da muss man aufpassen. Bei Frauen kommt es immer gut an, wenn sie sich selber runtermachen. Der Klassiker: Die kleine, dicke Schwarzhaarige macht sich drüber lustig, dass sie keine große, blonde Langbeinige ist. Das finde ich schwierig. Das ist Selbstironie, die sich selber schlechtmacht. Die meine ich nicht. Sondern die Fähigkeit, sich stark und souverän zu fühlen und gleichzeitig zugeben zu können, sich vielleicht auch mal verarschungswürdig verhalten zu haben.

Also im Grunde geht es doch darum, Kritik an sich selbst zuzulassen. Haben Sie dafür ein Beispiel?

Franz Josef Strauß. Ja, da gucken Sie jetzt. Er saß in der Lach- und Schießgesellschaft immer in der ersten Reihe und hat sich sehr amüsiert, wenn er selbst durch den Kakao gezogen wurde. Obwohl ich mit ihm politisch gar nichts am Hut habe, finde ich, dass das von einer gewissen Größe zeugt. Ein anderes Beispiel war mein Vater. Meine Brüder und ich haben ihn manchmal parodiert – in seiner Gegenwart. Wenn er gut drauf war, hat er herzlich darüber gelacht und gesagt: "Ja Kinder, ihr habt ja Recht." So etwas kann Humor. So etwas kann ein Witz erreichen: Er ist ein wichtiges Instrument für Selbsterkenntnis und Selbstvergewisserung einer demokratischen Gesellschaft.

Ist Humor also immer auch Kritik?

Nein. Es kann auch eine Hommage sein. Meine Parodien über Brigitte Macron zum Beispiel. Ich finde die französische First Lady toll, aber gleichzeitig ist es auch sehr lustig, wenn sie diese wahnsinnig kurzen Röcke trägt, weil sie unter dem Druck steht, zu zeigen, dass sie so sexy ist, als wäre sie so alt wie ihr Mann. Das heißt aber nicht, dass ich sie angreife, sondern ich sehe da eine gewisse Tragikomik. Man merkt ja diesen Druck von der Gesellschaft, sie muss so tun, als wäre dieser Altersunterschied von 25 Jahren kein Thema für sie. Als wäre das selbstverständlich. Ist es aber nicht. Und da möchte ich dahintergucken.

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Die Macrons in der Corona-Krise | Kroymann | Bild: Comedy & Satire im Ersten (via YouTube)

Die Macrons in der Corona-Krise | Kroymann

Wir leben in einer polarisierten Gesellschaft. Kann Humor da versöhnlich wirken?

Humor ist ganz wichtig, weil er die Polarisierungen aufbrechen kann. Wir leben in lauter Grüppchen. Jeder denkt, die eigene Gruppe hat recht und die anderen sind doof. Wir müssen die Größe haben, nicht nur auf andere zu zeigen, sondern bei uns selber anzufangen. Das ist übrigens etwas, das eine Demokratie von einem totalitären oder auch nur autoritärem System unterscheidet. Ein Orbán oder Erdogan lässt keine Witze über sich zu. Personenkult an sich ist humorfrei. Das könnte ja ein Denkmodell werden: Dass es cool ist, sich selbst in das Lachen mit einzubeziehen. Schwierig für Diktatoren! Jede Institution sollte von ihrem Entstehen an eine Art Selbstkritik möglich machen – und da ist Humor eine super Möglichkeit.