Landestheater Schwaben Was tun, damit das Theater weiterlebt?

Keine guten Zeiten für Theater!? Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Wie das Landestheater Schwaben mit einer Social-Media-Kampagne ihre Kunst wieder in die Köpfe ihrer Zuschauer*innen bringen will.

Von: Max Sippenauer

Stand: 17.11.2020 | Archiv

Titelbild Social Media Kampagne des Landestheater Schwaben | Bild: Landestheater Schwaben

„Bloß keine Jammerei, bloß keine Meckerkampgane gegen die erneute Schließung der Theater“, sagt Kathrin Mädler, Intendantin des Landestheatertheaters in Memmingen, um etwaigen Missverständnissen zu #theaterkanndas vorzubeugen. Natürlich zeige man sich solidarisch mit den Anti-Corona Maßnahmen.
Trotzdem ist Kathrin Mädler angekratzt: „Der pauschale Ton, in dem Theater gerade wieder mit Spielhallen und Spaßbädern gleichgesetzt wurden, zeigt doch, dass sich an der politischen Wahrnehmung der Funktion von Kultur seit dem Frühjahr nichts geändert hat.“ Deshalb brauche es eine breitere Debatte. Und zwar eine, die nicht vornehmlich von KünstlerInnen ausgehe, sondern die ganze Öffentlichkeit aktiv einbinde.

Was fehlt, wenn Theater fehlt?

Kathrin Mädler, Intendantin des Landestheater Schwaben

Unter #theaterkanndas hat das Landestheater Schwaben deshalb eine Social Media Offensive für den aktuellen Lockdown gestartet. Ein Aufruf an alle Theater- und Kulturinteressierten, über einschlägige Kanäle wie Facebook oder Instagram zu formulieren, was ihnen Theater bedeutet, welche Themen dort verhandelt gehören und was sie sich von Theater als Kunstform erwarten.
„Es geht darum, dass nicht nur wir Theatermacher*innen erklären, warum Kultur wichtig ist,“ sagt Mädler, „sondern dass unsere Zuschauer*innen uns erklären, was ihnen fehlt, wenn das Theater fehlt.“ Ein Austausch auf Augenhöhe zwischen Zuschauer*innen und Künstler*innen, kritisch und konstruktiv.

#theaterkanndas soll aber nicht nur ein open space für inhaltlichen Austausch sein, sondern auch eine awareness-Kampagne. „Denn“, so Mädler, „ich habe schon Angst, dass sich die Menschen jetzt im zweiten Lockdown ein Stück weit von der Kultur entwöhnen.“

Drohende Haushaltskämpfe

Dem will die Kampagne vorbeugen; auch im Hinblick auf den kommenden Sommer, wenn es an die Haushalte geht. Mädler prophezeit finanzielle Verteilungskämpfe und unschöne Prioritäten-Debatten: „Man spürt ja jetzt schon, wie soziale und kulturelle Bereiche gegeneinander ausgespielt werden. Es wird also sicher auch um die Frage gehen: Was ist uns Kultur wert! Da müssen wir vorbauen.“
Im ersten Lockdown im Frühjahr, so Mädler, war die Parole: Sichtbarkeit um jeden Preis. Streams und Solidaritätsbekundungen reichten jetzt aber nicht mehr: „Obwohl wir gezeigt haben, dass wir uns mit Hygienekonzepte auf ein Leben mit der Pandemie eingestellt haben, gesteht man der Kultur nach wie vor nicht die Bedeutung von Bildungseinrichtungen oder Kirchen zu.“

Theater gegen Traumatisierung

Bei allem Verständnis sei diese Entwicklung bedenklich. Auch in Hinsicht auf die Aufarbeitung der Corona-Krise, meint Mädler: „Die Gesellschaft wird doch gerade traumatisiert, spaltet sich immer weiter auf. Kultur und Theater kann hier helfen.“
Von der Kampagne #theaterkanndas erhofft sich das Landestheater, sich stärker im Bewusstsein der Bevölkerung verankern – und: kreative Impulse. „Falls ein spannender Output entsteht, kann ich mir gut vorstellen, dass wir den ins Programm aufnehmen.“