"Der Fluch der Souffleuse" am TamS in München Theater immer nur für eine Person

Auch kleine Bühnen können großes Theater machen. Das beweist das neue Stück am Tams. Die Besonderheit: Immer nur eine Person darf hinein.

Von: Christoph Leibold

Stand: 19.06.2020

Theaterstück "Der Fluch der Souffleuse" | Bild: Christoph Leibold

Vorstellungen vor ausgedünnten Zuschauerreihen oder Parcours für einzelne Zuschauer*innen – das sind die Möglichkeiten, die Bayerns Theater seit Anfang dieser Woche wieder haben. Finanziell lohnt sich das nicht, weil sich nur wenige Karten verkaufen lassen. Gerade für die freien Bühnen ist das ein Problem. Dennoch wollen viele wieder spielen, so auch das Münchner Theater am Sozialamt, kurz TamS: mit einem Theaterparcours mit dem Titel "Der Fluch der Souffleuse".  

Surreales Traumspiel 

Das TamS, in einem ehemaligen Schwabinger Brausebad untergebracht, ist mit seinem eingewachsenen Hinterhof ein Stück München, wie es eigentlich gar nicht mehr existiert. Ein Ort, wie aus der Zeit gefallen – und damit genau die richtige Kulisse für das surreale Traumspiel, das sich Anette Spola und Lorenz Seib ausgedacht haben. Alle fünf Minuten wird ein Zuschauer einzeln eingelassen. Zunächst führt einen eine Lautsprecherbox, die in eine rosa Schachtel mit Geschenkschleife verpackt ist, in einen Raum voller alter Radios, deren Rauschen man lauscht. Danach weisen einem die Schauspieler den Weg, sie sprechen aus Fenstern, die sich zum Innenhof öffnen, was ans Kasperletheater erinnert, oder unterhalten sich im eigentlichen Theaterraum, aus dem alle Sitzreihen ausgebaut wurden, über das Glück, gar nicht erst geboren zu werden. Und im Foyer erwacht das alte Brausebad wieder zum Leben mittels einer Klangcollage, in deren Tröpfel-Sound sich Stimmen mischen, die über einen möglichen Theaterzwang räsonieren. Elegant nebenbei wird so die momentane Situation angedeutet, ohne dass explizit von Corona die Rede sein müsste. 

Großes Theater im kleinen Haus 

Immerhin, das Publikum ist wieder da, nur die Souffleuse nicht, aber die gab es eh noch nie im TamS. Verflucht ist hier eigentlich nichts, nur alles wunderbar liebevoll ersonnen und zart versponnen, auch dank der ausgewählten Texte, die größtenteils von Karl Valentin stammen. Gegen diesen TamS-Theaterparcours sehen ähnliche Projekte größerer Bühnen ziemlich alt aus. 

"Vielleicht haben wir als kleines Theater da auch die besseren Karten, weil wir es gewohnt sind mit Beschränkungen und Widrigkeiten aller Art umzugehen und zu improvisieren. Von daher war das relativ schnell als Idee auf den Weg gebracht bei uns."

 (Lorenz Seib) 

  

Informationen zum Stück

Vorstellungen bis 19. Juli jeweils Freitag bis Sonntag zwischen 16:00 und 20:00 Uhr. Einlass alle 5 Minuten. Ein Durchgang dauert pro Zuschauer*in jeweils ca. 30 Minuten.