Support Your Local Kino Diese Taschen helfen deinem Lieblingskino

Normalerweise machen Kinos in der kalten Jahreszeit ihren Hauptumsatz. Nicht in diesem Corona-Winter. Wie kann ich mein Lieblingskino jetzt unterstützen? Ein Münchner Kinobetreiber hat sich da etwas überlegt.

Von: Andrea Mühlberger

Stand: 14.12.2020 | Archiv

Tasche aus Filmplakat - Arena Kino | Bild: Foto: Christian Pfeil

Wird es mein Lieblingskino nach dem Lockdown noch geben? Eine positive Antwort darauf fällt vielen Kinobetreibern von Tag zu Tag schwerer. Denn es waren, sind und bleiben für vermutlich noch eine ganze Weile harte Zeiten für die Kinos. Besonders hart: der aktuelle Lockdown. Denn der Winter ist die gewöhnlich die Jahreszeit, in der die Kinokassen klingeln. Die Möglichkeiten noch irgendwie Geld einzunehmen, werden immer geringer.

Unterstützung immer wieder neu erfinden

Im Münchner Arena Kino versuchte man es bis zum Lockdown mit einer Art Adventsmarkt: Filmplakate, Regenschirme, Kino-Gutscheine waren da im Vorbeigehen zu kaufen. Oder die große Packung Knabbereien fürs Heimkino. Für Betreiber Christian Pfeil geht es dabei vor allem darum, sichtbar zu bleiben und die Leute daran zu erinnern, das echtes Kino natürlich viel schöner ist als das gestreamte.

"Natürlich ist das eine support your local cinema-Aktion", meint Pfeil, auch wenn die Einnahmen daraus nur ein Tropfen auf den heißen Stein seien. Jetzt, mit dem Lockdown gestaltet sich die Sache natürlich noch schwieriger. Den letzten Adventsverkauf musste das Arena-Kino in der Hans-Sachs-Straße abblasen. Doch im Arena hat man schon wieder einen neuen Weg gefunden, um als Kino weiterhin sichtbar zu bleiben – und zwar den Verkauf von Taschen aus alten Film-Plakaten.

Alte Filmplakate neu verarbeitet

Umhängetasche aus Filmplakat

Hergestellt werden die Taschen in Eigenproduktion und können online bestellt werden. Erst hingen sie als Werbeplakate außen an den Kinos, jetzt baumeln sie als bunte Taschen um den Hals. Und tragen sogar dazu bei, den Müll zu reduzieren, meint Christian Pfeil: "Wir haben uns regelmäßig darüber geärgert, dass die Plakat drei bis vier Wochen draußen hängen, dann einen riesen Müllberg hinterlassen und entsorgt werden müssen. Und dann sind wir auf die Idee gekommen, uns einen Partner zu suchen, der daraus Taschen näht. Also bevor man sie wegwirft, kann man damit herrlich Akten transportieren." Und mit diesen wetterfesten Unikaten, die sich schon als Werbeträger bewährt haben, auch sein Kino unterstützen. "Diese Tasche sind natürlich auch nur ein Symbolding. Wir werden damit nur ein Bruchteil unserer Miete bezahlen können. Aber irgendetwas müssen wir in der Krise tun. Meinen Mitarbeitern fehlt schon seit einem dreiviertel Jahr der Sinn bei ihrer Arbeit!"      

Vom Stil und Material her erinnern die Film-Taschen an die Freitag-Taschen aus recycelten LKW-Planen. Bei einigen sind Filmmotive drauf, bei anderen lässt sich der Filmtitel gerade noch entschlüsseln. Das Modell "König der Löwen" zum Beispiel wird gerade auf der Internetseite angeboten. Und: Es sind alles Unikate, denn die Filme liefen ja nur einmal im Kino.

Arthouse oder Blockbuster? Die Taschen sind kleine Cineasten-Rätsel

Schon im ersten Lockdown wurden viele Taschen verkauft. Auch wenn sie jetzt die Verluste des Weihnachtsgeschäfts nicht annähernd ausgleichen, so sind sie doch kleine Solidaritätsbekundungen an den großen Erzählraum Kino: "Ich glaube einfach daran, dass die Menschen, so wie sie sich am Lagerfeuer Geschichten erzählt haben, auch weiter in dunkle Räume setzen werden, um sich Filme anzugucken. Natürlich wäre es für mich viel leichter gewesen, ein Jahr zuzusperren, dann hätten wir eine vernünftige Finanzplanung machen können. Was wir hier machen, ist natürlich betriebswirtschaftlich der totale Irrsinn. Wir verbrennen ja permanent Ressourcen, indem wir die Maschine immer wieder hoch- und runterfahren und dann am Ende kaum Geld verdienen" Die letzten Monate, an denen seine Kinos aufsperren durften, seien oft Filme vor 20 Gästen gelaufen. "Da haben wir Kulturarbeit geleistet, aber kein Geld verdient!"

Mit Kino-Taschen, Film-Gutscheinen und neuen Abo-Modelle versuchen Pfeil und sein Team ihre Arthouse-Kinos als wichtige Kulturorte solange über Wasser und im kollektiven Bewusstsein zu halten, bis sie wiede öffnen dürfen. Wann das sein wird, ist noch unklar. Aus der Idee hingegen, seine Kinos über die Weihnachtstage zu öffenen und die Kinosäle exklusiv für zehn Personen zu vermieten, dürfte nichts werden: Auch an den Feiertagen soll es in Bayern keine Lockerungen geben.