Studie zum Umgang mit Missbrauch "Nicht an die große Glocke hängen"

Endlich wurde die Studie zum Missbrauch im Erzbistum Köln vorgestellt. Einmal mehr wird darin deutlich: Es gab eine Kultur der Vertuschung. Die Wortwahl, mit der leitende Geistliche sich zu Missbrauchsfällen äußerten, ist ein Hohn für die Opfer.

Von: Tilmann Kleinjung

Stand: 19.03.2021

Strafrechtler Björn Gercke | Bild: Bayerischer Rundfunk 2021

Am Donnerstag hat der Kölner Rechtsanwalt Björn Gercke die seit langem erwartete Studie zum Umgang mit Missbrauch im Erzbistum Köln vorgestellt. Ich erspare Ihnen die komplizierte und skandalöse Vorgeschichte dieses Gutachtens. Alle Medien, auch wir, haben ja oft darüber berichtet.

Am gestrigen Donnerstag also, die Pressekonferenz, auf der die 800 Seiten Untersuchung präsentiert wurden. Zumindest ein Vorteil in Pandemiezeiten: Die Präsentation wurde per Livestream übertragen. Wir konnten hier in München teilnehmen, Fragen stellen und vor allem zuhören. Eine Phrase tauchte da immer wieder auf: "nicht an die große Glocke hängen.“ Die Verantwortlichen in Köln wurden immer wieder damit konfrontiert, dass Geistliche zu Missbrauchstätern wurden. Aber anstatt die Opfer ernst zu nehmen, wollten sie die Taten vertuschen, nicht "an die große Glocke hängen“.

Täter als "Brüder im Nebel" bezeichnet

Dieses Gutachten verstärkt das Bild einer Kirche, die über Jahre, Jahrzehnte Täter geschützt, Verbrechen bagatellisiert und den Opfern nicht geholfen hat. Es gibt Sätze in diesem Gutachten, die machen einen wirklich sprachlos. Der ehemalige Erzbischof Kardinal Joachim Meisner hat eine geheime Akte zu Priestern, die des Missbrauchs beschuldigt wurden, "Brüder im Nebel“ getauft. Nicht Verbrecher. Brüder im Nebel? Das zeigt, einem Kirchenmann wie Meisner ging es nicht darum aufzuklären, sondern zu vernebeln.

Definiere Klerikalismus! Immerhin: Während man bei Geistlichen viel unternommen hat, um zu vertuschen, ist die Kirchenleitung gegen Nicht-Priester, die des Missbrauchs beschuldigt wurden, einigermaßen konsequent vorgegangen.
Einmal mehr wird darin deutlich: Es gab eine Kultur der Vertuschung. Die Wortwahl, mit der leitende Geistliche sich zu Missbrauchsfällen äußerten, ist ein Hohn für die Opfer.