Meinung Kann Schwarzsein ein Geschäftsmodell sein?

Setzen Schwarze Menschen auf Erpressung? Zumindest auf moralischen Druck? Damit sie ein größeres Stück vom Kuchen bekommen? Was ist dran an dieser Twitter-Debatte?

Von: Martin Zeyn

Stand: 26.01.2021 | Archiv

Tweet von ZIVD_eV, Zentrum Interkultureller Verständigung Dresden | Bild: Grafik: Zentrum Interkultureller Verständigung Dresden

Twitter, diese immer auf Hochtouren laufende Erregungsmaschine, vermeldet eine heiße Debatte: Es gibt Kritik an der Kritik des Weißseins. Genauer daran, Menschen mit weißer Hautfarbe für die selbstverständliche Annahme zu kritisieren, mit der sie ihre Privilegien als gottgegeben hinnehmen. Wobei nicht das Faktum in Abrede gestellt wird, dass es solche Bevorzugungen gibt, sondern die Art und Weise, wie einige eben nicht weiße Menschen daraus ein Geschäftsmodell gemacht hätten. Anlass war ein Tweet der Schwarzen Standup Comedienne und Autorin Jasmina Kuhnke alias @ebonyplusirony, in dem sie forderte: "Verzichtet auf Jobs, die rein weiß besetzt sind!"

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ANSCHLAG auf Pressefreiheit Quattromilf Liebe white woke Polit, Influencer, Personen des öffentl. Lebens - Ally’s, es reicht nicht,wenn ihr gegen das rassistische System und eurer Privilegien bewusste seid! Wenn ihr wirklich Ally’s sein wollt,müsst ihr das System ändern: Verzichtet auf Jobs die rein weiß besetzt sind!

Im Tagesspiegel empörte sich daraufhin Fatina Keilani über Kuhnke, sie diskriminiere Weiße, die sich dieser Forderung nicht anschlössen denn "sonst seien sie keine 'Ally’s‘. Sie meint wohl Allies, also Verbündete. Das ist im Grunde Erpressung und markiert insoweit eine neue Stufe. Mit der Methode steht sie nicht alleine da.“

Erpressung? Zum Erpressen gehört vor allem eines: ein Druckmittel! Das kann ich hier beim besten Willen nicht entdecken. Kaum ein Anhänger der white supremacy wird ein Problem damit haben, kein Verbündeter von Schwarzen Menschen zu sein. Und auch sonst haben rein moralische Appelle in unserer säkularen Gesellschaft eine eher überschaubare Wirksamkeit. Woran wird also die Erpressung festgemacht?

Nein, es geht hier um etwas anderes. Keilani hält Kuhnke vor, die Kritik am Weißsein nur zu äußern, um selbst eine bessere Stellung zu bekommen bzw. weil sie ihr unterstellt, ihren Opferstatus nur zu betonen, um Geld damit zu verdienen.

Beruf Opfer?

Überraschung! Menschen schreiben Artikel, Bücher und treten in Talkshows auf, um ihre Thesen zu vertreten. Überraschung! Das tun Linke, Rechte, Konservative, Radikale wie Gemäßigte. Die Gründe sind bei den Allermeisten: Um um Unterstützung und Zustimmung zu werben, eine Debatte anzustoßen – und um Geld zu verdienen. Das braucht man nämlich um sein Leben zu bestreiten.

Margarete Stokowski springt dann auch Kuhnke zur Seite. Sie wirft den Kitikerinnen und Kritikern von Kuhnke vor, nach zweierlei Maßstäben zu urteilen. Erfolg ist nur richtig, wenn ihn auch die Richtigen haben:

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Margarete Stokowski Liberale immer so „wenn du einfach richtig leidenschaftlich arbeitest und dich ins Zeug legst kannst du es schaffen“ aber wenn man sein Hobby Opfersein zum Beruf macht passt es ihnen auch wieder nicht na was denn nun ihr Lappen

Geldverdienen ist kein Privileg für Weiße

Einmal abgesehen davon, dass auch Stokowski Ausdrucksweise über des Opferseins als "Hobby" diskutiert werden könnte, worum es in ihrer Rekation auf die Kritik an Kuhnke geht: Was bei Neoliberalen und Konservativen eher ein Lob ist, gut bezahlt zu werden, dieses Privileg (also Geld für seine Auftritte zu bekommen) dürfen Linke oder Antirassisten nicht für sich in Anspruch nehmen: Weil dann nämlich ihre Argumente diskreditiert würden. Meine Vermutung, hier wird ein klassischer Diskreditierungsangriff unternommen: Wenn du das Argument nicht angreifen kannst, dann greif halt den Argumentierenden an.

Da bleibt nur zu hoffen, dass sich Twitter bald wieder beruhigt, und wir endlich wieder echte Argumente austauschen darüber, wo und wann Weißsein tatsächlich ein Privileg ist – und wie wir unsere Gesellschaft wieder näher an unser Grundgesetz heranführen: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich! Denn noch ist es eher wie in Orwells "Animal Farm". Alle Schweine sind gleich. Aber einige sind gleicher.